Die Zahl der Neugründungen in der Beherbergungs- und Gastronomiebranche geht erstmals seit fünf Jahren merklich zurück – wie interpretieren Sie diese Zahlen?

Es ist bekannt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Offenbar ist eine gewisse Sättigung des Marktes erreicht. Wir erleben einen gewissen Strukturwandel, Grund zur Sorge sehe ich aber nicht.

Wie würden Sie den Status quo unserer Gastronomie in Österreich beschreiben?

Die österreichische Gastronomie ist weltweit einzigartig und sucht qualitativ ihresgleichen. Ein Bild wie in vielen anderen europäischen und internationalen Großstädten, in denen die Stadtzentren von Restaurantketten geprägt sind, besteht in Österreich derzeit noch nicht. Dadurch ist es möglich, die kulinarische Tradition in familiengeführten Betrieben unseres Landes hautnah mitzuerleben.

Gleichzeitig erleben wir natürlich eine Internationalisierung, die interessante Fusions- oder – positiv formuliert – Nischenkonzepte hervorbringt. Qualitativ und im Hinblick auf Innovation und Design brauchen diese Betriebe den internationalen Vergleich nicht zu scheuen; einzig die Sitzplatzanzahl ist kleiner als in europäischen Metropolen wie Berlin, London oder Madrid.

Das Rauchverbot ist nun seit Jahren aktuell und die Entscheidungsfindung scheint kompliziert. Ihre Meinung zum aktuellen Beschluss?

Der Trend geht eindeutig zu Nichtraucherbetrieben. Speiselokale in denen man noch rauchen kann, sind ausgesprochen selten geworden. Als Interessensvertreter ist es meine Aufgabe ,die Anliegen der Branche zu transportieren, und hier ist es eindeutig, dass eine Mehrheit die Beibehaltung der Wahlfreiheit befürwortet. Letztlich lag die Entscheidung aber bei der Politik.

Der Fachkräftemangel ist innerhalb der Branche omnipräsent. Welche Änderung braucht es bzw. wo würden Sie ansetzen?

Die Lehrlingszahlen in unserem Bereich nehmen zum Glück seit ein paar Jahren wieder stetig zu. Die guten Verdienstchancen und dass man sich als Mitarbeiter den Arbeitgeber praktisch aussuchen kann, sprechen sich immer mehr herum und machen viele neugierig auf die Gastronomie. Auch Unternehmer können von dieser Entwicklung profitieren.

Es ist wichtig, die Abwärtsspirale zu durchbrechen, die sich ergibt, wenn das Arbeitspensum von zu wenig MitarbeiterInnen getragen wird, die dann entsprechend gestresst sind. Dies schadet natürlich dem Ruf der Branche, aber wie gesagt, wir befinden uns bereits im Aufwärtstrend. Im Jahr 2017 waren insgesamt rund eine halbe Million Menschen zumindest an einem Tag in der Gastronomie beschäftigt.       

Zuletzt: Ihr Blick in die Zukunft? Gibt es einen besonderen Wunsch an die Politik oder Gesellschaft?

Die wirtschaftlichen Zukunftsaussichten sind so gut wie seit langem nicht, trotzdem erleben wir in gewissen Bereichen eine Spaltung der Gesellschaft. Konstruktive Politik zu machen, wird heutzutage angesichts der starken Polarisierung immer schwieriger, es ist also wichtiger denn je, dass die Politik der Bevölkerung einen spürbaren Mehrwert bietet. 

Gleichzeitig stammt ein Großteil der Rechtsmaterie heutzutage aus Brüssel und die innerstaatlichen Spielräume sind bisweilen sehr gering. Eine ernsthafte Deregulierungsoffensive verbunden mit einer konsequenten Umsetzung des Prinzips „Beraten statt strafen“ für die staatliche Verwaltung, würde das Leben als Unternehmer sicher sehr viel leichter machen.