Jeder Hobbygärtner kennt das Gefühl der Freude angesichts der ersten reifen Früchte. Umso schwerer wiegt jedoch die Wut, wenn Schnecken, Würmer, Blattläuse oder Unkraut den Salat, das Obst oder gleich ganze Pflanzen zerstören. Der Gärtner wird künftig also Maßnahmen setzen, seien es Fruchtfolge, Jäten oder der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Leere Wirkstoffkoffer

Richtiges Antizipieren gilt für Landwirte umso mehr, als die Ernte synonym für ihr wirtschaftliches Überleben steht. Zum Schutz der Pflanzen steht ihnen allerdings ein zunehmend leerer werdender Werkzeugkoffer zur Verfügung, um gegen Schädlinge, Krankheiten und Unkraut vorzugehen.

Die Zahl der Wirkstoffe hat sich von knapp 1.000 Substanzen 1997 auf ca. 400 mehr als halbiert. Dabei ist der wirtschaftliche Nutzen von Pflanzenschutzmitteln für die Landwirtschaft enorm. So würden die drei vom Moratorium betroffenen neonikotinoiden Wirkstoffe für die europäische Landwirtschaft einen Beitrag von 3,4 Milliarden Euro pro Jahr leisten. Bei Glyphosat sind es zehn Milliarden Euro. Das zeigen zwei unabhängige Studien von HFFA Research und Steward Redqueen.

Die moderne Landwirtschaft sollte sich also nicht nur hinsichtlich der zunehmenden Technologisierung mit präziser Ausbringungstechnik und digitaler Unterstützung weiterentwickeln, sondern auch mit innovativen und modernen Wirkstoffen. Passiert das nicht, hat das fatale Folgen für Ertrag und Qualität des Erntegutes.

Dann lautet die Frage, ob wir wirklich wieder gesundheitsschädigende Pilze und Pflanzengifte von Unkraut in unserem Essen haben wollen. Das ist nämlich tatsächlich der Fall, wie die Liste der Rückrufaktionen der Österreichischen Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) zeigt.

Der lange Weg zur Zulassung

Die Pflanzenschutzmittelhersteller haben in Europa aufgrund regulatorischer Änderungen und des zunehmenden Aufwands, um einen Wirkstoff zu entwickeln und zur Zulassung zu bringen, an Innovationskraft eingebüßt. Aktuell dauert der Prozess ca. 13 Jahre. Vor 20 Jahren waren es noch rund acht Jahre. Die Kosten haben sich in diesem Zeitraum auf 280 Millionen Euro verdoppelt. Pro Jahr wird daher im Schnitt nur noch ein Wirkstoff zugelassen.

Neue Wirkstoffe sind dafür besser als alle bestehenden Vergleichssubstanzen und mit dem bestehenden Entwicklungs- und Zulassungsprozess die bestuntersuchten Substanzen. Sie sind bis ins kleinste Detail erforscht, höchst innovativ und bekämpfen wirksam Schädlinge und Krankheiten, ohne dabei die Kulturpflanzen zu beeinträchtigen.

Ein Wirkstoff hat bei sachgemäßer Anwendung des Pflanzenschutzmittels keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt und keine gesundheitlich relevanten Rückstände im Erntegut.

EU muss Forschung fördern

In der EU-Kahlschlagstrategie bei Wirkstoffen spiegeln sich dieser Aufwand und der landwirtschaftliche Nutzen nicht wider. Daher lautet der Appell der IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP), im Sinne der modernen Landwirtschaft die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung in Europa zu verbessern, um mit innovativeren und besseren Lösungen die bestehenden Wirkstoffe zu ergänzen und zu ersetzen – seien es biologische oder konventionelle.

Zweitens sind wir der Überzeugung, dass Landwirte beider Bewirtschaftungsformen die zeitgemäße Landwirtschaft hinsichtlich Nachhaltigkeit, Ertrag, Qualität und möglichst gesunden Lebensmitteln gemeinsam optimieren sollten. Das gilt auch für die Kommunikation und die Vermittlung der Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Bewirtschaftungsformen.

Denn nur dann sind Menschen nicht mehr anfällig für die Argumente all jener, die eine Luxusdiskussion führen wollen und von einer Mythenbildung profitieren.