Der europäische Wirtschaftsmotor nimmt wieder Fahrt auf. Wie stellt sich die Situation für die europäische und heimische Hotellerie dar?

2017 gab es weltweit 1,3 Milliarden touristische Ankünfte, die Hälfte davon in Europa. Europa ist damit noch immer weltweit die führende Tourismusdestination. Im Jahr 2017 wuchs der internationale Tourismus in Europa um 8 Prozent. 1 Prozent mehr als im Rest der Welt. Ein Großteil der europäischen Nächtigungen wird jedoch in wenigen Destinationen erzielt, dies sind der mediterrane Raum und die Alpen sowie die großen Metropolen Paris, London und Rom.

Österreich hält im Ranking der weltweiten Reisedestinationen den beachtlichen Rang 9 und verzeichnete 2017 ähnlich wie Deutschland, ein Plus von rund 3,8 Prozent bei den Ankünften und 2,5 Prozent bei den Nächtigungen. Bei der weltweit größten Tourismusmesse, der ITB, gab es letzte Woche ob der guten Entwicklung 2017 und der positiven Erwartung für 2018 nur zufriedene Gesichter.

Welchen Stellenwert hat die Hotellerie für Europa und die europäische Wirtschaft?

Der Tourismus ist der drittstärkste Wirtschaftszweig in der EU und trägt im weiteren Sinn rund 10 Prozent zum BIP bei. Die Hotellerie und Gastronomie in der EU umfasst rund 2 Millionen Unternehmen. Die meisten davon, rund 93 Prozent, sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Der Sektor Beherbergungs- und Gaststättengewerbe beschäftigt rund 10 Millionen Mitarbeiter (4 Prozent der Gesamtbeschäftigung in der EU). Allen nationalen und europäischen Politikern ist mittlerweile klar, dass Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Europas ist. Der Tourismus sichert Beschäftigung und Kulturpflege in den Regionen. Als politische Querschnittsmaterie benötigt der Tourismus jedoch politisch einfach mehr Aufmerksamkeit und Verständnis für die Branche.

An Hotellerie und Gastronomie im Allgemeinen hängen ja auch viele Arbeitsplätze. Die oft unregelmäßigen oder langen Arbeitszeiten werden oftmals als Belastung empfunden und führen zu ständigen Fluktuationen in der Belegschaft. Vor welchen Herausforderungen steht die Branche da?

Arbeit im Tourismus ist bunt und erfindet sich immer neu. Arbeit mit Menschen ist oft sehr befriedigend und kann individuell und oft kreativ in der täglichen Umsetzung gestaltet werden. Aber Dienstleistung und Arbeit im Tourismus haben natürlich auch ihre Herausforderungen. Service am Gast ist nicht immer ein leichter Job und flexible Arbeitszeiten passen nicht für jeden Lebensabschnitt.

Um Jobs im Tourismus und in der Gastronomie und Hotellerie attraktiver zu machen, müssen wir in Zukunft die Führungsqualitäten aller Führungskräfte verbessern und junge Menschen sorgfältiger bei ihren ersten Berufsschritten in unserer Branche begleiten.

Nur durch noch besser strukturierte Arbeitsabläufe, optimierte Dienstpläne und lebenszeitgerechte Dienstzeiten, also die Kunst, Arbeit neu zu gestalten, werden wir es schaffen, die Erwartungen der Generation Y und deren Anspruch an eine gute Balance zwischen Job und Familie oder Privatleben in Zukunft erfüllen zu können.

Wie zukunftsfit sind die österreichischen Unternehmen? In welchen Bereichen ist man gut aufgestellt, wo gibt es Nachholbedarf?

Wir haben in Österreich ein über Generationen gewachsenes touristisches Angebot. Viele Betriebe haben in den letzten Jahren stetig investiert und sich an die sich ändernden Bedürfnisse der Gäste angepasst. Sie können sich im Wettbewerb der europäischen Regionen sehr gut behaupten. Auch was die Nachhaltigkeit betrifft, haben wir im österreichischen Tourismus sicherlich die Nase vorn.

Ein Teil der österreichischen Gastronomie und Hotellerie hat jedoch aus zahlreichen Gründen ihre Produkte nicht oder kaum verändert und steht jetzt vor massiven Investitionsstaus oder hat einen großen Repositionierungsdruck, um wettbewerbsfähig bleiben zu können. Die Rücknahme der Mehrwertsteuererhöhung im Bereich Logis ist hier sicherlich eine Chance, Cash Flows wieder zu stärken und damit entsprechende Investitionen leichter zu tätigen.

Wie reagiert die Hotellerie auf die Digitalisierung? Wie lassen sich die Chancen, die diese bietet, nutzen?

Digitalisierung und neue Technologien werden noch stärkeren Einfluss darauf nehmen, wie wir unseren Vertrieb organisieren, wie wir mit unseren Gästen kommunizieren, wie wir unsere operativen Abläufe organisieren, wie wir unsere Zahlungssysteme neu aufstellen und vieles mehr. Derzeit kommt es vor allem darauf an, daß wir uns viel aktiver mit allem, was rund um Digitalisierung und neue Technologien passiert, auseinandersetzen.

Wer dieses Jahr beim ÖHV Kongress oder auf der ITB in den E-Travel-Hallen war, konnte dazu viel hören. Die HOTREC wird bei unserer Generalsversammlung in Wien im April auch eine neue Hospitality Start Up Plattform vorstellen, um einen Überblick über alle Arten von neuen Start-up-Lösungen für unsere Branche und unsere Betriebe online besser sichtbar zu machen.

Wie geht man mit der Konkurrenz alternativer Hospitality-Services um?

Das Phänomen Sharing Economy ist mittlerweile ja ausführlich diskutiert. Ich kann nur wiederholen, daß es um ein faires Miteinander geht, wo alle gleiche Verpflichtungen einhalten sollten. Hier ist eindeutig die Politik gefragt, um dies für alle Marktteilnehmer sicherzustellen.

Es wird in Zukunft sicherlich noch mehr Angebot aus dem digitalen Innovationspool geben, das bedeutet, digital getriebene neue Produkte entsprechend in die Systeme zu integrieren, aber auch die überbordende Bürokratie für die alle Wirtschaftsbereiche und Unternehmen zu reduzieren, um ein faires Miteinander und ein gesundes Wirtschaften für alle zu gewährleisten.

Digitalisierung wird immer wichtiger, aber auch komplexer. Ist die Hotellerie gerüstet für Herausforderungen, wie sie etwa der Datenschutz stellt?

Die neue Datenschutzgrundverordnung hat allen Betrieben, egal ob klein oder groß, eine große Bürde an Auflagen und Verpflichtungen auferlegt, die für viele kaum zu bewältigen sind. Ich kann nur hoffen, daß wir alle es schaffen, die Umsetzung bis Mai im Griff zu haben. Datenschutz ist wichtig, keine Frage, es sollte aber auch mehr Transparenz rund um Algorithmen geben, um eine gewisse Ethik aufrecht zu erhalten.

Nicht alles sollte die Maschine im Hintergrund allein entscheiden und beeinflussen. Manche Manipulationen könnten sich sonst gegen die Gesellschaft richten und somit auch großen Schaden anrichten.

Was sind die aktuellen Trends im Bereich Tourismus und Business Travel und wie verändern diese die Hotellerie? Gibt es eine Abkehr von der Polarisierung Budget und Luxus?

Die OECD hat vier Trends bei der ITB 2018 aufgezeigt, die den Tourismus aus heutiger Sicht entsprechend beeinflussen werden. Dies sind die sich weiter stark ändernden Erwartungen der Touristen an ihre Erlebnisse, eine nachhaltig zu erwartende, steigend touristische Nachfrage, neue Technologien, die die touristische Welt laufend und intensiv auf allen Ebenen verändern und last but not least das Thema Mobilität.

Themen wie künstliche Intelligenz und ihr Einfluss auf das touristische Angebot werden derzeit überall intensiv diskutiert. Das Internet of Voice wird das Kundenverhalten verändern und die Produktentwicklung beeinflussen. Gleichzeitig geht es um Nachhaltigkeit und Erhaltung unseres kulturellen Erbes in Europas Regionen und wie man diese in Zukunft durch bessere Steuerung der Tourismusströme geschützt erlebbar machen kann.

Mit den Generationen Y und Z haben sich zwar Werte und die Bedürfnisse verändert, was aber alle Generationen und somit auch Budget und Luxus vereint, sind die Reisemotive. Erwartungen an Erlebnisse und Service sind jedoch in den Generationen unterschiedlich.

Was Business Travel betrifft, hat IPK gerade ihren World Travel Monitor 2018 präsentiert und stellt fest, daß im Bereich der Tagungs- und Kongressreisen weiterhin ein Plus zu verzeichnen sein wird, die traditionellen Geschäftsreisen jedoch weiterhin abnehmen werden, was sicherlich auch den digitalen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten zuzuschreiben ist.