Seit 30 Jahren beschäftigen Sie sich intensiv mit dem Thema Wein. Wie hat alles begonnen?

Alles begann 1988 in Saint Émilion in Bordeaux, wo mich der Wein, die Weinanbaugegend und die Winzer begeisterten. Der Nektar der Götter fesselt mich bis heute und hat in mir diese intensive Leidenschaft entfacht.

Ist eine objektive Klassifizierung der Qualität eines Weines überhaupt möglich?

Aus technischer Sicht ist eine objektive Klassifizierung des Weines sicher möglich. Vergleicht man allerdings die Verkostungsergebnisse von verschiedensten Weinführern und Kritikern, gehen die Meinungen dennoch oft weit auseinander. Die Bewertung bzw. Klassifizierung hängt mit vielen Variablen zusammen.

Diese wiederum obliegen verschiedensten Faktoren, wie z.B., zu welchem Zeitpunkt der Wein verkostet wird, die Zusammensetzung der Verkostungskommission, in welchem Zustand der Wein bei der Verkostung ist. Dies, um nur einige Faktoren zu nennen. Alle Variablen auf einem gemeinsamen Nenner zu bringen, ist sehr schwierig. Zusätzlich kommen noch subjektive Elemente hinzu, wobei bei der endgültigen Bewertung jeder Verkoster selbst auch eine große Rolle spielt.

Die Partnerschaft Winzer-Gastronom ist entscheidend für die Weinbranche. Worin sehen Sie die Vorteile dieser Verbindung?

Die Partnerschaft zwischen Winzer und Gastronom ist sehr wesentlich. Wenn der Gastronom den Winzer, den Betrieb und auch die Philosophie kennenlernt und versteht, kann er den Wein allseitig anpreisen und das richtige „wine-pairing" anbieten. Damit man den Wein in all seinen Facetten hervorheben und preisen kann, ist deshalb der persönliche Kontakt das Wichtigste.

Die Zusammenstellung einer Weinkarte muss gelernt sein, insbesondere da die Gäste immer anspruchsvoller werden. Ihre Tipps für eine optimale Entscheidungsfindung?

Bei der Zusammenstellung einer Weinkarte beobachte ich immer wieder große Unterschiede. Meiner Meinung sollte eine klare Aufteilung der Weine in ihre Anbauzonen, z.B. Weine Frankreichs, Spanien, Italien usw. gemacht werden. Die Anbauzonen wiederum sollten in Mikrozonen unterteilen werden. Optimal wäre eine solche Unterteilung auch bei Weiß-, Sekt- und Süßweinen.

Tagtäglich gehe ich auf die Jagd nach edlen Tropfen.

Zudem denke ich, dass lokale Weine an erster Stelle angeführt werden müssen, um das eigene Territorium hervorzuheben. Auch einen Unterteilung unter Anführung des Jahrganges ist wichtig. Damit der Konsument eine ganzheitliche Information über den Wein erhält, sollten zudem die Rebsorten angeführt werden.

Der neue Jahrgang – was sind Ihre Highlights?

Der Jahrgang 2017 war ein schwieriger Jahrgang, der durch Frost, Hagel und Hitze gekennzeichnet war. Nach ersten Vorverkostungen sind die Ergebnisse dennoch sehr gut. In Südtirol hatte ich die Gelegenheit, einige Lagrein zu verkosten, die ein großes Potenzial gezeigt haben. Hervorragend sind auch die Weine aus Montalcino.

Ich denke, dass wir vom Brunello di Montalcino 2017 sicher noch hören werden. In jedem Fall wird es spannend sein, zu beobachten, wie sich der Jahrgang 2017 in den bedeutenden Weinanbaugebiete in den nächsten Jahren entwickelt.

Wo sehen Sie Österreich im internationalen Vergleich? Gibt es Aufholbedarf?

Im internationalen Vergleich sehe ich vor allem die Weißweine Österreichs an vorderster Stelle. Vor allem der Riesling, aber auch der Grüne Veltliner sind tonangebend.

Im internationalen Markt müsste man die Aufmerksamkeit wahrscheinlich mehr auf die bedeutendsten Anbaugebiete wie z.B. den Neusiedlersee, die Wachau und auch auf die Steiermark lenken. Zudem sollte auch der Rotwein besser hervorgehoben werden, damit dieser auch bei internationalen Vergleichsverkostungen ein gehobenes Image bekommt. In dieser Hinsicht gibt es sicher noch Aufholbedarf.

Weinkultur heißt Geschichte und ist damit ebenso einem stetigen Wandel unterstellt. Welche Einflüsse und Veränderungen stehen bevor?

Wein heißt Geschichte, Tradition und Kultur. Der Wein erzählt uns praktisch die Geschichte, die DNA eines Landes. Natürlich ist somit auch der Weinausbau und Weinanbau ständigem Wandel unterworfen. Eines der größten Probleme der nächsten Jahre wird mit Sicherheit der Klimawandel sein. Namhafte Klimaforscher zeigen bereits heute in Darlegungen auf, wie sich das Klima in den nächsten 30 Jahren verändern wird. Weinberge werden in die Höhe verlegt.

In Südtirol z.B. werden bereits jetzt Weinberge auf 1150 m bzw. 1350 m Höhe angelegt. Das bedeutet, dass unter anderem auch den PIWI Rebsorten mehr Spielraum gegeben wird. Vor 20 Jahren waren sie eher unbekannt, jetzt aber gewinnen sie an Beliebtheit. Auch das veränderte Verhalten der KonsumentInnen spielt eine große Rolle.

Der Konsument ist häufiger auf der Suche nach Weinen natürlichen Ursprungs. Er wünscht sich, die Natur im Wein wiederzufinden. Das hat dazu geführt, dass der Fokus auf biologische Weine und dem biologischen Ausbau stark gestiegen ist.