Für die meisten Menschen gehört “Essen gehen” einfach dazu. Dabei geht es um mehr als nur den Hunger und den Durst zu stillen. Man trifft sich mit Freunden, Kollegen oder der Familie, man kommt zusammen und verbringt Zeit mit den Menschen, die man gern hat. Änderungen in den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Gastronomie sind für Gäste meistens direkt spürbar, daher wird darüber gern groß berichtet und oft leidenschaftlich diskutiert.

Ob es jetzt die Einführung der Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht, die Allergenverordnung, Rauchverbote oder mögliche frühere Sperrstunden sind: fast jeder hat eine Meinung dazu und scheut sich nicht, sie am Stammtisch oder in den sozialen Netzwerken zu äußern. Dass es dabei ein bisschen emotional wird, ist man als (hauptbetroffener) Wirt bereits gewohnt. Nicht umsonst besagt ein Sprichwort, dass die Dinge selten so heiß gegessen werden, wie man sie kocht.

Zahlen & Fakten

Die Gastronomie ist und bleibt mit rund 105.000 Vollzeitbeschäftigten ein wichtiger Beschäftigungssektor für die österreichische Wirtschaft. Zählt man noch die zahlreichen geringfügig Beschäftigten dazu, kommt man auf beinahe 150.000 Menschen, die im Gastgewerbe tätig sind. Sowohl für Unternehmer als auch für Mitarbeiter ist die Standortgebundenheit des Tourismus ein Pluspunkt. Während Industrieunternehmen die Produktion vermehrt in Niedriglohnländer auslagern, ist das bei Gastronomie und Hotellerie nicht so einfach möglich. Das schafft für die Branche zumindest auf dem Papier grundsätzlich gute Voraussetzungen für Investitionen und langfristige Planung. Dass die politische Realität leider oft anders ausschaut, ist ein eigenes Kapitel.

Regeln & Pflichten

In den letzten zwölf Monaten hat sich gezeigt, dass auf politische Entscheidungen nur noch bedingt Verlass sein kann. Die Einführung der Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht ist ein hervorragendes Beispiel dafür! Die gesetzlichen Regelungen sind noch nicht einmal ein Jahr alt und schon wird erneut über mögliche Änderungen zugunsten von gemeinnützigen Vereinen und politischen Parteien und deren Vorfeldorganisationen diskutiert.

Aus Sicht der Gastronomie ist die Registrierkassenpflicht – anders als von vielen behauptet – zweifellos eine Verbesserung, weil sie die Grundlage für fairen Wettbewerb schafft. Dazu kommt, dass vor allem größere Betriebe schon seit Langem mit einer Registrierkasse arbeiten, da es ansonsten nicht mehr möglich wäre, einen Überblick über die Umsätze zu behalten. Natürlich gibt es einige Schönheitsfehler, vor allem in Bezug auf die Belegerteilungspflicht, wo es z.B. bis dato keine wirklich praxisnahe Umsetzung der Belegerteilung im Stoßgeschäft gibt.

Wären Vertreter aus der Praxis von Anfang an stärker in die Konzeptionierung der Registrierkassen- und Belegerteilungspflicht miteinbezogen worden, hätte man sich vermutlich einige Schlagzeilen und Probleme ersparen können. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass das Finanzministerium hier noch einen gangbaren Weg finden wird, mit dem letztlich alle Teilnehmer leben können.

Zustände & Trends

Sieht man von den bürokratischen Hürden ab, die heutzutage mit unterschiedlicher Ausprägungen, aber so gut wie überall bestehen, ist die Gastronomie nach wie vor ein einzigartiges Tätigkeitsfeld. Kaum eine andere Branche bietet einem so viel Spielraum, seine eigenen Ideen umzusetzen und neue Dinge auszuprobieren. Die Inspiration kennt praktisch keine Grenzen. Ich bin überzeugt davon, dass – den nötigen Einsatz vorausgesetzt – fast jedes gastronomische Konzept erfolgreich sein kann, solange es nur ansprechend dargeboten wird und die Menschen in seinen Bann ziehen kann.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert und es reicht heutzutage oft nicht mehr „nur“ hervorragendes Essen zu servieren. Die Gäste sind generell anspruchsvoller geworden, vor allem junge Leute sind viel gereist und kennen auch die internationale Szene. Mittels sozialer Medien kann man innerhalb von Sekunden seine eigenen Kreationen und Konzepte mit anderen aus der ganzen Welt vergleichen.

Neue Trends verbreiten sich wahnsinnig schnell, können aber ebenso schnell wieder verschwinden. Da kommt uns unsere klassische österreichische Wirtshauskultur oft zugute! Österreich ist ein kleines Land und genießt mit seiner global gesehen sicherlich noch einen gewissen „exotischen“ Ruf, bietet also auch für den Export in andere Länder großes Wachstumspotenzial.

Auch in Österreich selbst gibt es für angehende Gastronomen und interessierte Mitarbeiter auf relativ kleinem Raum einiges zu entdecken – vom gehobenen Szenelokal in der Innenstadt bis hin zur rustikalen Almhütte ohne Strom, vom Street Food Hype bis zur Neuinterpretation vom Beisl um‘s Eck. Die Möglichkeiten in der Gastronomie sind endlos und warten nur darauf, umgesetzt zu werden!