Von der kleinen Tischlerei bis zum internationalen Großbetrieb: Mehr als die Hälfte aller heimischen Unternehmen sind Familienbetriebe im engeren Sinn. Sie sind nicht nur eine wichtige Säule des Wirtschaftsstandortes Österreich, sondern spielen auch auf lokaler Ebene eine große gesellschaftliche und kulturelle Rolle.

Immerhin sind mehr als zwei Drittel der Familienbetriebe in kleineren Städten und Gemeinden tätig, wo sie aktiv in das Gesellschafts- und Vereinsleben eingebunden sind und regionale Arbeitsplätze schaffen.

Flache Hierarchien und kurze Wege

Viele heimische Familienbetriebe liegen mit ihren Produkten an der Weltspitze. Und das, obwohl familiengeführte Firmen einer Studie der KMU Forschung Austria aus dem Jahr 2013 zufolge häufig weniger als zehn MitarbeiterInnen haben.

Das Erfolgsgeheimnis von Familienbetrieben liegt unter anderem in den flachen Hierarchien,den flexiblen Strukturen sowie kurzen Entscheidungswegen.

Sie unterscheiden sich von managergeführten Unternehmen vor allem in der Eigentumsstruktur und der internen Organisation. Das Erfolgsgeheimnis von Familienbetrieben liegt unter anderem in den flachen Hierarchien, den flexiblen Strukturen sowie kurzen Entscheidungswegen.

MitarbeiterInnen fühlen sich wohl

Viele Beschäftigte scheinen sich in lokal verwurzelten Familienbetrieben außergewöhnlich wohl zu fühlen, was die vergleichsweise geringe Fluktuation beweist. Die regionalen, familiären Strukturen vermitteln Sicherheit, Vertrauen und Identifikation. Die MitarbeiterInnen wissen, dass sie sich auf Werte wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit und Handschlagqualität verlassen können und Tugenden wie Eigenverantwortung und Teamgeist groß geschrieben werden.

Widersprüche und Konflikte handhaben

Familiengeführte Unternehmen haben tagtäglich aber auch mit komplexen Herausforderungen zu kämpfen. Sie müssen die Familie und die Firma unter einen Hut bringen. Weil Familienbetriebe einerseits sozial, andererseits erfolgsorientiert handeln, gehören der Umgang mit Widersprüchen und auftretenden Konflikten von Beginn an dazu – ein täglicher Balanceakt.

Stabilität steht über Gewinnmaximierung

Das wichtigste Ziel von familiengeführten Betrieben ist nicht Gewinnmaximierung, sondern wirtschaftliche Stabilität. Es geht darum, ein tragfähiges Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben.

Die regionalen, familiären Strukturen vermitteln Sicherheit, Vertrauen und Identifikation.

In dieser Herausforderung liegt gleichzeitig ein wichtiger Erfolgsfaktor: Familien müssen langfristig planen und nachhaltig handeln, um dieses Ziel zu erreichen. Dieses Gleichgewicht zu finden, um von einer stabilen Situation nicht in den Stillstand zu gelangen, ist neben der Nachfolgeplanung und dem digitalen Wandel eine wichtige Herausforderung.

Austausch und Beratung

Die heimische Politik unterstützt Familienbetriebe in vielerlei Hinsicht. Die Wirtschaftskammer steht, besonders was die oft schwierige Frage der Nachfolge angeht, beratend zur Seite. Auch was rechtliche und technologische Hürden betrifft, wird Beratung angeboten. Plattformen wie das Anfang 2017 vom Familienministerium mitbegründete „Netzwerk Familienunternehmen“ sollen den Austausch fördern und bei Themen wie Ausbildung und Innovation unter die Arme greifen.