Warum ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf so wichtig?

Einerseits gilt bei uns der Leitgedanke, dass wir einen großen Teil unserer Lebenszeit im Unternehmen verbringen. Daher macht es Sinn, überdurchschnittlich viel Wert auf die Arbeitsplatzqualität zu legen. Sowohl was die Arbeitsplätze an sich, als auch die Arbeitsbedingungen angeht.

Andererseits ist uns auch wichtig, den unterschiedlichen zeitlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter entgegen zu kommen. Stichwort Work-Life-Balance. Die muss stimmen, und zwar von beiden Seiten. Wichtig ist, dass Arbeitgeber und Arbeitsnehmer sich bemühen, einen Gleichklang zu finden.

Welche Vorteile entstehen dadurch für das Unternehmen?

Wir können mit diesen Bemühungen einen Beitrag dazu leisten, unseren MitarbeiterInnen die Familienplanung zu erleichtern. Und wir sind natürlich daran interessiert, dass unsere Mitarbeiter möglichst lange bei uns im Unternehmen bleiben. Wenn wir etwa keine Möglichkeiten für eine Väterkarenz bieten, würden wichtige Mitarbeiter ihre Leistungsbereitschaft und ihren Einsatz für das Unternehmen reduzieren.

Worauf sollte man achten, um seinen Mitarbeitern ein familienfreundliches Arbeitsklima zu ermöglichen?

Für uns als Unternehmen ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders dann anspruchsvoll, wenn es um die Väterkarenz geht. Hier liegt die größte Herausforderung darin, dass die Arbeit eines Mitarbeiters für ein oder zwei Monate durch andere Mitarbeiter erledigt werden muss. Denn für diesen kurzen Zeitraum lohnt es sich einfach nicht, eine Vollzeitvertretung einzuarbeiten.

Also müssen Kollegen übernehmen. Und da kommt unsere Verantwortung ins Spiel. Wir als Unternehmer müssen so gut es geht vorausplanen und unseren Teil dazu beitragen, die Aufgaben so aufzuteilen, dass niemand überfordert wird. Bei der Mütterkarenz hingegen liegt die große Herausforderung darin, die Umstellung von Voll- auf Teilzeitarbeit zu schaffen.

Wirken sich Ihre Bemühungen merklich positiv aufs Arbeitsklima aus?

Ja, klar. Wir sehen es auch als Chance, die unterschiedlichen Perspektiven unserer Mitarbeiter und damit die Menschen selbst besser kennen zu lernen. Dadurch wird das Arbeitsverhältnis noch persönlicher und das wirkt sich auch positiv auf die Motivation unserer Mitarbeiter aus.

Welche Tipps würden Sie anderen Unternehmern geben?

Als essenziell sehe ich, gerade für KMUs, den offenen Umgang mit dem Thema Familie und Beruf. Insbesondere, wenn jemand in Karenz geht, ist es wichtig, alle betroffenen KollegInnen in die Überlegungen, wie die Arbeit aufgeteilt wird, miteinzubeziehen. Vereinbarkeit von Beruf und Familie entsteht nicht per Verordnung, sondern ist das Ergebnis gemeinsamer Arbeit des gesamten Teams.