Braucht es heute für die Neugründung eines Unternehmens eine gesunde Portion Größenwahn oder reicht es aus, einfach nur ins kalte Wasser springen zu wollen?

FF: Eine gründliche Überlegung der Chancen und Risiken darf auf keinen Fall unterbleiben. Aber um etwas „zu unternehmen“ gehört natürlich auch Risikobereitschaft und Abenteuerlust dazu. Die hatten wir und dementsprechend haben wir uns getraut.

AP: Auch meiner Ansicht nach wäre heute in unserer Branche ein Start schwieriger als damals. Wagen würde ich es aber wieder.

Worin liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile vom „wir“? Sie haben Ihr Unternehmen ja mit zwei Partnern aufgebaut. Würden Sie es wieder so machen?

FF: Zu zweit würde ich es nicht versuchen. In unserer Dreier-Konstellation ist es immer objektiv, man hat bei Entscheidungsfindungen immer eine dritte Meinung zur Verfügung. Andererseits werden drei verschiedene Meinungen stets drei Meinungen bleiben, die nicht immer ganz einfach unter einen Hut zu bringen sind.

AP: Für mich war die Unternehmensgründung mit zwei Partnern ein Sprung ins kalte Wasser, ich hätte es mir leichter vorgestellt. Ich würde heute andere Erwartungen an meine Partner stellen. Als großen Vorteil empfinde ich das Vorhandensein von drei verschiedenen Erfahrungen und Ansichten – Betriebsblindheit kommt da keine auf.

Gibt es Ihrer Ansicht nach ein Rezept für langfristigen Erfolg in einer schnelllebigen Branche?

AP: Ein allgemeingültiges Rezept gibt es nicht, man kann jedoch schon auf einige Dinge besonders achten. Vor allem muss man sich seine ganz eigene Nische suchen und seinen Weg dann konsequent verfolgen.

FF: Ein Rezept bedeutet, Abläufe zu befolgen und zu wiederholen. Genau das Gegenteil ist meiner Ansicht nach ein Garant für langfristigen Erfolg. Wer flexibel ist, sich schnell verändern kann, sich auf neue Gegebenheiten einstellt, wird auch erfolgreich sein. Man sollte auch immer versuchen, am ersten Schritt bei etwas Neuem dabei zu sein. Das Vorausahnen neuer Trends ist dabei ganz maßgebend. Wer unter den Ersten ist, positioniert sich leichter.

Kommen wir zum Thema Verwaltung. Wie wichtig ist das Aufrechterhalten schlanker Strukturen gerade in Wachtumsphasen des Unternehmens?

FF: Uns war immer sehr wichtig, unsere Kosten nicht zu sehr in die Höhe zu schrauben. Wenn ein Unternehmen stark wächst und die innere Struktur nachziehen muss um dem Wachstum Stand zu halten, empfehle ich, im Zweifel eher schlank zu bleiben. Eine der schwierigsten Aufgaben in Wachstumsphasen ist, die Firmenstrukturen anzupassen und mit dem wachsenden Erfolg mitzuziehen und doch die Kosten und den Verwaltungsaufwand nicht aus den Augen zu verlieren.

AP: Die günstige firmeninterne Struktur ist sicher ein großer Vorteil kleinerer, flexiblerer Unternehmen. Auch Werbebudgets und Marketingabteilungen müssen erhalten werden. Bin ich da sparsam, spar ich mir viel.

FF: Natürlich kommt man um gewisse Strukturen nicht mehr herum, wenn man bestimmte Schwellen erreicht hat. Schlank bleiben ist schön und gut, aber nicht immer möglich. Wenn man den Zeitpunkt richtig wählt, muss es kein Nachteil sein, ein wenig Flexibilität aufzugeben.

Stichwort Mitarbeiter. Wie leicht oder schwer ist es, fähige Mitarbeiter zu finden?

FF: Gutes Personal ist Gold wert, leider kann man nicht mit Gold bezahlen. Fähige Mitarbeiter zu haben ist lebensnotwendig für ein Unternehmen, sie zu finden aber sehr schwer. Jemanden zu finden, den es interessiert, der etwas auf dem Kasten hat und der dauerhaft motivierbar ist, ist sicher eines der schwierigsten Themen. Besonders für kleine Unternehmen ist es unglaublich wichtig, dass Mitarbeiter im Sinne des Unternehmens denken und über den beruflichen Tellerrand schauen, damit die Zusammenarbeit funktioniert und Früchte trägt.

Wann weiß man, dass man Mitarbeiter benötigt?

FF: Ab dem Moment, in dem man weiß, dass man Mitarbeiter braucht, ist es meiner Ansicht nach zu spät. Wenn man einen Mitarbeiter sucht, braucht man mindestens ein Monat, um gescoutetes, vorsortiertes Personal zu finden. Um diesen Mitarbeiter dann einzuarbeiten dauert es wieder ein oder zwei Monate und dann ist ein Quartal vergangen. Früher kümmern, lautet die Devise.