Welche Rolle spielt Franchise in Österreich?

Wir sind gerade dabei unsere neueste Statistik zu erheben. Die im Moment noch aktuellsten Zahlen stammen aus dem ersten Quartal 2013. Im Rahmen dieser Studie wurden knapp 450 in Österreich tätige Franchise-Systeme mit mehr als 6000 Franchise-Partnern identifiziert. Diese erwirtschafteten mit ihren mehr als 60.000 Angestellten einen Umsatz von etwa 8,5 Milliarden Euro. Diese Werte liegen mittlerweile mit großer Wahrscheinlichkeit höher.

Wie funktioniert Franchising?

Es handelt sich dabei um ein Vertriebsmodell, bei dem mehrere Unternehmer ein Geschäftsmodell nach den Vorgaben des FranchiseGebers in ihrem eigenen Unternehmen umsetzen. Die Franchise-Nehmer zahlen für die Leistungen der Franchise-Zentrale – die Nutzung der Marke, Know-how, Marketing – eine einmalige Einstiegsgebühr. Für die laufende Betreuung und Weiterentwicklung des Systems fällt eine monatliche Franchise-Gebühr, meist ein Prozentsatz vom Umsatz, an. Da der Franchise-Geber immer nur so erfolgreich wie die Summe seiner Franchise-Nehmer ist, handelt es sich um eine Beziehung auf Augenhöhe und nicht um ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis.

Wie unterscheidet sich das von klassischen Unternehmensgründungen?

Der Franchise-Nehmer erwirbt ein bereits erprobtes Geschäftsmodell, erhält das gesamte Know-How für die Umsetzung des Modells und profitiert von der laufenden Betreuung durch die Zentrale. Wenn er einmal nicht weiter weiß, sitzt er nicht allein im Büro, sondern hat mit dem Franchise-Geber und den anderen Franchise-Nehmern ständige Sparring-Partner, die bereits Erfahrungen und Wissen über die kritischen Erfolgsfaktoren mitbringen.

Man ist selbständig, aber nicht allein. Das mindert die Risiken einer Unternehmensgründung. Eine Garantie für Erfolg bekommt man damit aber nicht. Dieser wird maßgeblich davon abhängen, wie ich mein Geschäft führe, wie ich mit Kollegen, Mitarbeitern und Kunden umgehe und wie unternehmerisch ich denke und handle.

Was haben Franchise-Geber davon?

Diese könnten natürlich auch einfach Filialen eröffnen. Dann würden Sie den gesamten Erfolg für sich behalten, aber auch das gesamte Risiko allein tragen. Die Franchise-Geber profitieren vom regionalen Know-how, dem Kapital und dem Einsatz ihrer Franchise-Partner. Studien zeigen deutlich, dass Outlets, die nicht von angestellten Filialleitern, sondern von selbständigen Franchise-Nehmern betrieben werden, erfolgreicher agieren.

Wie kann ich mich von der Seriosität eines Franchise-Systems überzeugen?

Das lässt sich z.B. anhand von Zertifizierungen beurteilen. Als Österreichischer Franchise-Verband vergeben wir ein Gütesiegel an jene Franchise-Geber, die den Anforderungen unserer System-Check-Richtlinien entsprechen. Das Herzstück des Checks ist eine Befragung sämtlicher bestehender Franchise-Partner eines Systems. Wenn ein Franchise-Geber dabei gut abschneidet, kann man davon ausgehen, dass er gut arbeitet und seine Partner zufrieden sind.

Wie die Beziehung zwischen Franchise-Geber und –Nehmer konkret aussieht, manifestiert sich im Franchise-Vertrag. Wer den Vertrag mit einem Anwalt seines Vertrauens Punkt für Punkt durchgeht, wird bei dessen Umsetzung keine bösen Überraschungen erleben. Passt die Beziehung zum Franchise-Geber, verschwindet der Vertrag in der Schublade und wird nicht mehr gebraucht. Damit die Zusammenarbeit klappt, muss aber auch die Chemie stimmen. Man sollte daher auch auf sein Bauchgefühl hören.

Welche Eigenschaften sollte man im Franchising mitbringen?

In einem Franchise-System ist man nur gemeinsam erfolgreich: Teamfähigkeit ist daher unerlässlich. Über welche Eigenschaften man konkret verfügen sollte, hängt von der jeweiligen Branche ab. Generell ist betriebswirtschaftliches Interesse aber sicher von Vorteil. Franchise-Nehmer zu sein verlangt auch Einsatz – eher 120 als 100 Prozent – und ist sicherlich kein Acht-Stunden-Job. Daher ist es wichtig, sich bereits im Vorfeld genau zu überlegen, ob und wenn ja, welches Franchising das Richtige ist. Dabei helfen wir natürlich gerne.