Ihr Unternehmen VOCIER ist mittlerweile den Kinderschuhen deutlich entwachsen. Können Sie uns etwas über die grundlegende Idee erzählen?

Wir haben einen Handgepäckskoffer entwickelt, in dem man bis zu zwei Anzüge knitterfrei transportieren kann. Im März 2015 haben wir das Produkt auf den Markt gebracht, haben also das erste Verkaufsjahr fast hinter uns. Nun stürzen wir uns in die Wachstumsphase.

Wie kam es denn dazu? Hatten Sie schon früher mit Reisegepäck zu tun?

Nur indirekt. Nach Abschluss meines Studiums – Industrial Design und Wirtschaftswissenschaften – bin ich ins Investmentbanking gegangen und hatte dort sehr bald ein immer wiederkehrendes Problem: Wie reise ich so, dass der Anzug im Handgepäck nicht zerdrückt wird? Ich habe mich umgeschaut und gesehen, dass es dafür keine gute Lösung gibt. Also habe ich mein Designwissen eingesetzt und einen ersten Entwurf für einen solchen Koffer entwickelt.

Von welchen Voraussetzungen sind Sie dabei ausgegangen?

Es sollen zwei Anzüge knitterfrei transportiert werden können – und das auch noch im Handgepäck, denn Zeit zu sparen ist für Vielflieger besonders wichtig. Bei der Konzeption habe ich bald erkannt, dass Falten dann entstehen, wenn man Stoff um einen engen Radius faltet und dann Druck darauf ausübt – wie es sich beim Einpacken ja oftmals nicht vermeiden lässt.

Unser System hat eine Art doppelten Boden der außen in sehr großem Radius am Koffer herumläuft. In diesem speziellen Bereich wird der Anzug vor Druck und engen Radien geschützt. So vermeiden wir die Falten.

Wie waren dann die weiteren Schritte in Richtung Unternehmertum?

Nun, 2011 hatte ich die ersten Ideen und habe einen Prototypen gebaut. Mit dem und meinen Entwürfen bin ich auf Investorensuche gegangen – zum Glück mit Erfolg – sodass ich dann im Frühjahr 2012 die Unternehmensgründung vornehmen konnte. Ab dann wurde das Produkt wirklich professionell entwickelt. Das hat lange gedauert, nämlich bis 2014.

Diese lange Dauer klingt auf den ersten Blick überraschend. Was waren die Ursachen dafür?

Wenn man einen Koffer so richtig von null weg neu erfindet, stellt man schnell fest, dass diese Aufgabe eigentlich doch sehr komplex ist – vor allem weil man eben nicht auf frühere Modelle aufbauen kann. Außerdem haben wir natürlich sehr viele mögliche Varianten ausprobiert, sprich: Wir hatten das Grundprinzip, aber bei Details der Konstruktion wie Nähten, Verschluss, Aufbau, Herstellungsprozess, Materialien haben wir einfach viel experimentiert und ausprobiert.

Eine besonders wichtige Vorgabe war ja auch, das Produkt für den Kunden so einfach und verständlich wie möglich zu gestalten – denn das ist ja letzten Endes der Clou an der ganzen Sache. Das ist auch gelungen, war aber ein weiter und lehrreicher Weg.

Wie ging es weiter, nachdem Sie das Produkt fertig entwickelt hatten?

Mit dem fertigen Koffer haben wir dann einen Produzenten gesucht. Wir wollten hohe Qualität, die konnte nicht jeder liefern, und so dauerte es bis Ende 2014, bis die Serienproduktion begonnen hat. Außerdem musste der Marktstart vorbereitet werden – im März 2015 war es dann endlich so weit, zu unserer großen Freude.

Wie haben Sie diesen langwierigen Gründungsprozess erlebt?

Es war (und bleibt!) eine sehr intensive Zeit. Als Gründer kann man wirklich unglaublich viel lernen, man kommt mit unzähligen Menschen in Kontakt, berührt viele Bereiche des Unternehmertums und lernt dabei wirklich sehr, sehr viel. Als reiner Designer würde ich viele Aspekte gar nicht kennenlernen, die sehr spannend sind, etwa die Qualitätssicherung beim Material.

Wie haben Sie das Umfeld diesbezüglich in Österreich kennengelernt?

Bei uns ist bisher alles wirklich sehr gut gelaufen. Es gibt in Österreich tolle Fördermöglichkeiten für junge Gründer, insofern kann und will ich mich absolut nicht beklagen. Es gibt wirklich viel Unterstützung – man muss nur wissen, wo man sie bekommt. Das Umfeld ist also im Grunde wirklich ein gutes, das viele Möglichkeiten bietet. Ich würde auf jeden Fall wieder in Österreich gründen.

Oft hört man, Österreich müsse so eine Art Silicon Valley werden, einen Spirit entwickeln wie ihn die US-Amerikaner haben. Wie sehen Sie das?

Es stimmt wahrscheinlich, dass in den USA manche Dinge einfacher sind – etwa, dass man viel leichter an viel größere Mengen Investorenkapital kommt. Vor allem aber ist der Markt von vornherein viel größer als bei uns. Ohne den Markt der Europäischen Union wäre uns Österreich als Markt viel zu klein, ohne eine EU wären die bürokratischen Hürden durch die vielen verschiedenen Länder und Währungen viel zu hoch.

Dieser gemeinsame Markt und der Abbau der Grenzen ist gerade für uns als junge, innovative Unternehmer also ein richtiger Segen, für den wir sehr dankbar sind. Wir verkaufen unser Produkt global, an Kunden, die ebenfalls global tätig sind. Die Welt wächst enger zusammen, und das ist gut so.