Dr. Johann Hansmann
Präsident der Austrian Angel Investors Association (AAIA)

 

 

Was ist für Sie als Investor die wichtigste Eigenschaft, die ein Jungunternehmer mitbringen muss, damit Sie in sein Projekt investieren?

Ich finde, es gibt zwei Eigenschaften. Ganz entscheidend ist für mich, dass ich die Gründer sympathisch finde. Wenn ich jemanden unsympathisch finde, kann die Idee noch so gut sein, ich werde trotzdem nicht einsteigen. Die zweite Voraus-setzung ist dann gegeben, wenn zumindest eine Person im Gründer-Team Unternehmertum verkörpert. Was ich damit meine ist, dass jemand mit an Bord sein muss, der die Kraft und die Ausdauer hat, auch Krisen durchzustehen.

 

Wenn Ihnen jemand eine Geschäftsidee vorträgt, worauf achten Sie am meisten?

Mir sind unternehmerische Eigenschaften wichtiger als Ideen. Ich habe  auch schon in Start-Ups investiert, obwohl ich von der Idee nicht hundertprozentig überzeugt war, die Leute dahinter aber toll fand. Bei Start-Ups stelle ich mir außerdem immer mehrere Fragen: Was ist das Problem, das mit dem Projekt gelöst werden soll? Gibt es Leute, die dieses Problem haben und wenn ja, ist der Leidensdruck so hoch, dass diese Leute dazu bereit sind, Geld für die Lösung des Problems zu bezahlen? Und: Ist der Markt groß genug?

 

Gibt es bestimmte Branchen, in denen Sie bevorzugt investieren?

Generell habe ich einen Hang zum Health- und Fitness-Bereich. Prinzipiell überlege ich mir da, ob es einen Megatrend gibt, den es zu bedienen gilt.

 

Was sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Fehler, die Jungunternehmer am Start machen?

Ich investiere meistens in junge Leute zwischen 25 und 35. Diese sind meistens extrem gut ausgebildet und wollen 100 Stunden pro Woche arbeiten. Leider fehlt es ihnen oft an der nötigen Erfahrung. Man ist ohne Erfahrung zwar für alternative Ansätze offener, manche Dinge kann man aber meist nicht so gut. Da spreche ich vor allem vom richtigen Umgang mit Mitarbeitern. Ein zweiter Fehler hat mit Teamarbeit zu tun. Wenn ein Gründer-Team etwa ein Jahr intensiv zusammenarbeitet, kommt es meistens zu Spannungen. Oft scheitern erfolgsversprechende Projekte gerade daran, dass sich die Kernmannschaft zerstreitet. Hier bringe ich mich als Business Angel ein und spreche die Dinge frühzeitig an. Ein weiterer verbreiteter Fehler hängt mit der Finanzierung zusammen. Viele unterschätzen, wie aufwendig es ist, die entsprechende Finanzierung auf die Beine zu stellen.

 

Wie sieht Ihrer Meinung nach der Weg von der Idee zur Finanzierung eines Projekts aus?

Das erste, was ich jemandem empfehle, der eine Idee hat ist: Suche dir Mitstreiter, die ebenso begeistert sind wie du. Das ist ganz wichtig. Ich investiere nie in One-Man-Shows. Hat man ein Kern-Team zusammen, sollte man etwas erzeugen, dass man herzeigen kann – sei es ein Plan oder eine Website. Dann sollte man den Umstand ausnutzen, dass es in Österreich eine gute Förderszene gibt. Das bedeutet, dass Jungunternehmer sich zu Beginn  mit einem soliden Businessplan im Gepäck vom Staat Geld abholen können. Danach sollte man sich auf die Suche nach einem Business Angel begeben. Dabei geht es nicht primär um Geld, sondern vor allem um Erfahrung, die ein solcher Business Angel ins Projekt einfließen lässt. Kontakt mit potenziellen Business Angels bekommt man etwa beim Pioneers Festival in Wien, der größten Europäischen Start-Up-Veranstaltung in Europa. Dieses Festival findet einmal im Jahr im Herbst statt. Besonders wichtig ist außerdem, dass man im Team immer einen haben sollte, der die Geschäftsidee perfekt in vier bis fünf Minuten pitchen kann.