Verschiedene physische Gefahren an Arbeitsplätzen sind bereits seit langer Zeit bekannt und es wird ihnen durch Evaluierung und unter gesetzlichen Vorschriften präventiv entgegengewirkt. Bei psychischen Belastungen verhält es sich ein wenig anders. Erst die neue Novelle des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes (ASchG) verpflichtet Unternehmen dazu, diese zu evaluieren.

Der Arbeitnehmer wird im Arbeitsalltag oft belastet, was zu Herausforderungen führt. „Wenn ich einer Herausforderung nicht gewachsen bin, führt das zu einer Fehlbeanspruchung. Erst in diesem Moment wird die Belastung zu etwas Negativen. Sie ist es aber nicht per se“, so der Arbeits- und Organisationspsychologe Dr. Paul Jiménez.

Die Folgen können vom Stress bis zu Burn-out reichen, aber auch mit physischen Konsequenzen, wie Magenbeschwerden und Herz-Kreislaufproblemen, ist zu rechnen.

Experten bieten kompetente Hilfe

Um solche Fehlbeanspruchungen zu vermeiden, ist die Evaluierung der psychischen Belastung sehr wichtig. In Betrieben mit über 50 Mitarbeitern kann die erste Stufe mittels wissenschaftlich geprüften Fragebögen durchgeführt werden und anschließend Leitfadengespräche, Gruppendiskussionen und Beobachtungen angewendet werden. Für kleinere Betriebe ist es sinnvoll, direkt Interviews und Beobachtungen zu nutzen. „Das Schwierige an der Evaluierung ist, dass die Unternehmen nicht wissen an wen sie sich wenden sollen“, befürchtet Dr. Jiménez. Kleine Betriebe erhalten bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) Unterstützung. Generell sollten sowohl Arbeitsmediziner als auch Arbeitspsychologen miteinbezogen werden.

Evaluierung als Chance

„Für die Unternehmen bietet sich durch die Evaluierung die Chance ihre eigenen Ressourcen unter die Lupe zu nehmen und sich eventuell zu optimieren“, hebt Jiménez das Positive hervor. Wenn mögliche Fehlbeanspruchungen ausgemacht und deren Gründe beseitigt werden, kann sich das auf die Produktivität und schließlich auf den Umsatz des Unternehmens positiv auswirken. „Finden Arbeitnehmer ein positive Arbeitsumfeld vor, kommt es erst gar nicht zu negativen psychischen Belastungen“, erläutert der Arbeitspsychologe den Optimalfall. Deswegen sollten am Arbeitsplatz die Aufgaben gut und klar verteilt sein, es regelmäßig Rückmeldungen zu erbrachten Leistungen geben und die Mitarbeiter die Chance haben, sich ständig weiterzuentwickeln.