Wie haben Sie Ihren Mitarbeiter kennengelernt?

Vor zweieinhalb Jahren hat mich der Verein „Jugend am Werk“ angesprochen, der Jugendlichen mit Behinderung Arbeitsplätze vermittelt. Ich habe schon früher mit solchen Vereinen kooperiert und es gab nie Probleme. Ich finde es insgesamt wichtig, dass Jugendliche die Möglichkeit bekommen, sich anzuschauen, was für sie überhaupt der richtige Beruf ist. Und das sollte auch für Menschen mit Behinderung möglich sein.

Bei dem Schnupperkurs blieb es aber nicht?

Riza hat zwei Wochen lang meinen Betrieb kennengelernt und wollte anschließend gar nicht mehr weg. Deshalb hat man mich gefragt, ob er nicht länger in meiner Firma bleiben könne.

Sie haben sofort zugesagt?

Nein, ich habe um Bedenkzeit gebeten. Man hat in so einem Fall ja eine besondere Verantwortung: Ist meine Firma geeignet, um so jemanden zu übernehmen? Tragen die Mitarbeiter diese Entscheidung mit? Letztendlich sind aber in meinem Beruf genau dieselben Kategorien ausschlaggebend wie bei allen anderen Menschen auch: Ist er schwindelfrei? Ist er nicht farbenblind? Kann er sich eigenständig auf einem Gerüst halten?

Hat er keine Platzangst und kann somit auch in engen Schächten arbeiten? All das war der Fall und somit habe ich ihm diese Chance gegeben.

Wie kam diese Entscheidung bei Ihren Mitarbeitern an?

Das war überhaupt kein Problem. Ich habe das natürlich mit den Kollegen vorher besprochen. Die Mitarbeiter hat er ja schon vorher begeistert, weshalb die sehr gerne mit ihm weitergemacht haben. Wir haben natürlich vorher diskutiert, ob wir das tun wollen und welche Verantwortung bei uns liegt. Da wir aber vorher bereits gute Erfahrungen mit ihm gemacht haben, hat sich niemand von uns große Sorgen gemacht.

Hat sich Rizas Ausbildung von einer üblichen Lehre unterschieden?

Nicht sonderlich. Man muss ihm bestimmte Dinge langsamer und mehrfach erklären. Das war für mich aber kein Problem, weil ich selbst aus meiner Familie einen solchen Fall kenne und daher weiß, wie man mit so jemanden umgehen muss. Und wenn er dann erst einmal etwas verstanden hat, macht er seine Arbeit sehr gewissenhaft und äußerst genau. Der einzige große Unterschied war, dass wir auch die Funktion der Berufsschule übernehmen mussten.

Warum?

Das Prinzip Schule ist für ihn ein rotes Tuch. Davor hatte er panische Angst. Deshalb haben wir ihm all das, was er dort gelernt hätte, bei Gesprächen während der Arbeit mitgegeben. Das war vielleicht nicht punktgenau wie im Werkstoffkundeunterricht, aber es hat offensichtlich etwas gebracht: Seine Gesellenprüfung hat er schließlich bestanden.

Heute erledigt er seinen Job wie jeder andere Facharbeiter auch – in manchen Bereichen sogar besser: Beim Fenster kitten ist er inzwischen ein richtiger Experte und das ist eine gar nicht so leichte Sache. Ohnehin ist er ein Praktiker. Zuvor hat er in einer Lehrwerkstatt als Maler gearbeitet, was ihm überhaupt nicht gefallen hat. Das war ihm zu monoton – nun hat er viel Abwechslung.

Inwieweit sind sie bei seiner Ausbildung unterstützt worden?

Mit dem Verein gab es eine gute Kooperation. Wir waren ständig im Gespräch und Rizas Betreuerin hat regelmäßig vorbeigeschaut, aber vielmehr für den Dialog als zur Kontrolle. Während der Ausbildung gab es auch eine finanzielle Unterstützung vom Staat, seit er aber seine Lehre abgeschlossen hat, ist das ein ganz normales Anstellungsverhältnis. Wir bekommen für ihn kein Geld mehr und er wird bezahlt wie jeder andere Mitarbeiter auch.

Also würden Sie jederzeit wieder einen Menschen mit Behinderung einstellen?

Definitiv. Ich kann das jedem Unternehmen nur empfehlen. Die Resonanz ist von allen Seiten – von den Mitarbeitern bis zu den Kunden – ausschließlich positiv.