Die österreichische Wirtschaft ist von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) geprägt. Zwei Drittel aller ArbeitnehmerInnen sind bei KMU beschäftigt. Unsere Heimat zählt zu den lebenswertesten Regionen der Erde und unsere mittelständischen Unternehmen spielen in der Champions League. In Relation zur Bevölkerung beherbergt Österreich die meisten Weltmarktführer.

Am Ball bleiben

Wir haben also einiges richtig gemacht. Zum Ausruhen bleibt jedoch keine Zeit, denn wer aufhört, besser zu werden, hat bekanntlich aufgehört, gut zu sein. Das gilt insbesondere für unsere wichtigste Ressource: die Kinder von heute, die Leistungsträger von morgen. Ganz entscheidend ist der Faktor (Aus-)Bildung.

Hier brauchen wir dringend ein durchlässiges, weniger starres Schulsystem, sowie eine Aufwertung der Lehre Richtung triale Ausbildung, indem der praktische sowie der theoretische Ausbildungsteil der Lehre um digitale Kompetenzen erweitert wird. Der Lebensmittelhandel sucht beispielsweise Köche, die auch eine Handelsausbildung und ein Verständnis für die Digitalisierung haben. Das wären eigentlich drei getrennte Lehrberufe.

Branchenstürmer

Ungeachtet aller Initiativen hat die Lehre bei uns an Attraktivität verloren. Die Konsequenz sind fehlende Fachkräfte. Viele Branchen suchen derzeit händeringend nach Lehrlingen und Facharbeitern. Für den heimischen Handel – mit 600.000 Beschäftigten zweitgrößter Arbeitgeber und eine der wichtigsten Säulen der heimischen Wirtschaft – sind gut ausgebildete MitarbeiterInnen jedoch der Erfolgsfaktor schlechthin.

Viele Händler haben dies längst erkannt und die Problemlösung selbst in die Hand genommen. Mit einem hohen Grad an Flexibilität, spannenden Lehrlingsausbildungsprogrammen, umfassenden Weiterbildungsangeboten und internationalen Beschäftigungsmöglichkeiten sind sie im "War for Talents" mittlerweile ähnlich attraktiv wie die IT-Industrie.

Gerade der Handel erzählt viele persönliche Erfolgsgeschichten, die in anderen Branchen heute kaum mehr möglich scheinen. Ich kenne in vielen größeren Handelsbetrieben Führungskräfte, die eine Lehre absolviert und sich dann bis ins Top-Management hochgearbeitet haben.

Noch ein Tor

Diese Durchlässigkeit, eine motivierende Karriereperspektive, faire Bezahlung sowie berufsbegleitende Fort- und Weiterbildungen sind heute entscheidend, um Fachkräfte im Unternehmen zu halten und auszubilden. Natürlich kostet das Geld, doch die Rendite ist überzeugend: junge Menschen, die Retail völlig neu denken.