Herr Wurz, lässt sich das Fahrgefühl eines Rennwagens eigentlich mit dem eines herkömmlichen PKWs vergleichen?

Nein, und das ist auch gut so. Schließlich ist ein Rennwagen dazu da, Limits auszuloten und sich im Grenzbereich zu bewegen. Auf der Straße kommt man als verantwortungsbewusster Fahrer aber hoffentlich nie in die Nähe des Limits, das sollte man tunlichst vermeiden. Schließlich ist ein PKW ein Transportmittel, um komfortabel, effizient und sicher von A nach B zu kommen.

Sind ihnen diese Eigenschaften auch bei der Auswahl ihres eigenen Dienstwagens wichtig?

Mein primärer Dienstwagen ist ja ein Rennauto. Aber bei meinem Privat-PKW, momentan fahre ich einen praktischen Minivan, lege ich Wert darauf, meine drei Kinder samt Gepäck bequem und sicher unterbringen zu können. Wenn man wie ich viel mit der Familie unterwegs ist, rückt die Praktikabilität und vor allem die Sicherheit eines fahrbaren Untersatzes ganz stark in den Vordergrund. Ich verfolge etwa stets die neuesten Crashtest-Ratings und beschäftige mich sehr mit der Sicherheit meines fahrbaren Untersatzes.

Also legen Sie privat keinen großen Wert darauf, mit Sportwagen durch die Gegend zu brausen?

Überhaupt nicht, nein. Ich bin bekannt dafür, dass mein liebstes Auto ein Lieferwagen ist. Einfach, weil ich dort alles unterbringe, was ich gerne mitnehmen möchte. Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben, sprich ich werde für das Schnellfahren auf der Rennstrecke bezahlt. Daher habe ich absolut kein Bedürfnis, auch auf der Straße schnell zu fahren. Dementsprechend stehe ich eher auf Autos, die meinem Leben gerecht werden. Und da dreht sich alles um meine Familie.

Wo fühlen Sie sich eigentlich sicherer, auf der Straße oder auf der Rennstrecke?

Ganz klar auf der Rennstrecke! Und zwar um Welten, auch wenn wir dort ans Limit gehen. Rennwagen sind im Falle eines Unfalls um Lichtjahre sicherer als herkömmliche Straßen-PKWs. Auch fahren wir nur in eine Richtung, sind immer angeschnallt, immer nüchtern, immer tausendprozentig konzentriert. Auch haben wir immer Ärzte vor Ort. Diese zahlreichen Sicherheitsnetze hat man ja auf der Straße alle nicht.

Wie sehen Sie als Profi die Entwicklung von Hybrid- und Elektroautos, auch im Hinblick auf unsere zukünftige Mobilität?

Die Hybridtechnik finde ich extrem interessant, weil die beim Bremsen bisher verschwendete Energie damit nicht mehr vergeudet wird und so effizient wie möglich aufgefangen und wieder genutzt werden kann. In Verbindung mit den neuen, standfesten Batterien wird die Hybridtechnik auch wirklich gut nutzbar und macht absolut Sinn. Das reine Elektroauto auf der anderen Seite sollte man meiner Ansicht nach ganz neutral beobachten, meines Erachtens wird es aber auch in absehbarer Zukunft eher ein Nischenprodukt bleiben. Schließlich sind unsere Gesellschaft und unsere Infrastruktur noch lange nicht darauf ausgelegt. In großen Ballungsräumen jedoch halte ich den Trend hin zur Elektromobilität für durchaus wichtig und berechtigt, da werden sich deutliche Verbesserungen etwa bei Luftverschmutzung und Lärmbelästigung ergeben.

Elektromobilität kann herkömmliche Antriebe Ihrer Meinung nach also nicht ersetzen?

Nein, zumindest noch nicht. Der Verbrennungsmotor, wie wir ihn kennen, ist von der Fertigung bis zur Entsorgung sehr effizient und durchdacht, weil über mehr als 100 Jahre entwickelt. Beim Hybridantrieb dreht sich noch vieles um die Gewichtsreduktion. Das Extragewicht der Hybridtechnik muss sich mit der dadurch gewonnen Energieeffizienz mindestens die Waage halten, im Idealfall natürlich besser sein. Dann macht der Hybridantrieb Sinn. Und mittlerweile sind wir an diesem Punkt angelangt, wo es Sinn macht. Auch mein Rennwagen ist schon sehr erfolgreich mit Hybridtechnik ausgerüstet. Das Elektroauto sehe ich als Nischenprodukt für Städte, im außerstädtischen Alltag aber noch nicht.  

Herr Wurz, Sie haben nun schon einige Male sehr erfolgreich an 24-Stunden-Rennen teilgenommen. Haben Sie Tipps, wie man die Konzentration über so lange Zeit aufrechterhalten kann?

Die Geheimnisse lauten Training, Training und natürlich Training. Wir bereiten uns physisch und psychisch ganz gezielt darauf vor. Aber auch lange Strecken auf der Straße zu fahren ohne müde zu werden, ist eine Frage der Fitness und der mentalen Stärke.

Beeinflusst Ihre Karriere als Rennfahrer eigentlich ihren Fahrstil auf der Straße und wenn ja, wie?

Ich bin auf der Straße ein sehr vorsichtiger und zurückhaltender Fahrer. Weil ich weiß, wie gefährlich es ist! Schließlich ist man auf der Straße eigenen Fehlern und den Fehlern anderer oftmals beinahe schutzlos ausgeliefert. Die mangelnde Sicherheit im Straßenverkehr ist das größte Manko in unserer Gesellschaft. Auf der Rennstrecke geht es darum, aggressiv zu fahren, denn da kann ich etwas gewinnen. Auf der Straße hingegen kann ich in jeder Hinsicht nur verlieren! Angefangen beim Geld über die Gesundheit bis hin zum eigenen Leben. Und wofür?