Im Jahr 2015 wurden laut Statistik Austria nur 167 monovalente PKW (Erdgas-betrieben) und auch nur 536 bivalente Fahrzeuge (Erdgas/Benzin-betrieben) in Österreich neuzugelassen. In Summe sind somit aktuell 4.775 CNG-Fahrzeuge auf Österreichs Straßen unterwegs. Angesichts einer PKW-Gesamtzulassungszahl von 308.555 bzw. einem PKW-Bestand von rund 4,75 Mio. Fahrzeugen leider eine eher homöopathische Zahl. An den mittlerweile 175 öffentlichen Erdgastankstellen sind also weder reger Betrieb noch lange Wartezeiten zu erwarten. Und auch das von der EU angestrebte Ziel, dass per 2020 10 Prozent der Neuzulassungen auf CNG-Fahrzeuge entfallen, liegt in weiter Ferne. Zuviele überholte Zuschreibungen existieren offenbar zum Thema Erdgasfahrzeuge.

Mythos Parken

Relativ beständig ist der Irrglaube, man dürfte mit einem Erdgasauto in keiner Garage parken. Dies gilt in erster Linie für Flüssiggasfahrzeuge (LPG). Erdgas besteht aus Methan, kann mit Biogas gemischt werden, ist leichter als Luft und steigt daher auf. LPG wird aus dem Raffinerieprozess gewonnen und ist schwerer als Luft. Letztere Eigenschaft ist klarerweise in Tiefgaragen problematisch, aber Gas ist nicht gleich Gas.

Mythos neue und unbekannte Technologie

Die Geschichte des Erdgasfahrzeugs ist älter als die des Benzin- oder Dieselfahrzeugs. Bereits im Jahre 1862 baute Étienne Lenoir das erste NGV (Natural Gas Vehicle). Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Formen von Gas als Treibstoff entwickelt. Diese waren neben Erdgas Biogas, Holzgas, Campinggas oder Koksgas. Ab den 50er-Jahren konzentrierte sich die Automobilindustrie stärker auf Benzin- und Dieselmotoren und die serienmäßige Erzeugung von Erdgasfahrzeugen wurde eingestellt. Bis zur ersten Ölkrise in den 70er-Jahren fielen die Preise für Benzin und Diesel stetig, was die Attraktivität der Benzin- und Diesel-getriebenen Fahrzeuge deutlich erhöhte. Nur noch vereinzelt wurden Fahrzeuge auf Erdgasbetrieb umgerüstet. Vor allem im letzten Jahrzehnt wurde der CNG-Antrieb von einigen Herstellern wiederentdeckt und es gibt aktuell ganz passable Alternativen, um im sprichwörtlichen Sinne Gas zu geben. Weltweit sind rund 14 Millionen erdgasbetriebene Fahrzeuge im Einsatz. Versuche mit Direkteinspritzungsmotoren weisen auf weitere erfolgreiche Entwicklungen in der Zukunft.

Mythos schwache Leistung

Durch die höhere Klopffestigkeit von Erdgas kann es höher verdichtet werden und ermöglicht daher bei der Verbrennung eine höhere Leistung. Manfred Stohl beweist dies eindrucksvoll im Rallyesport. Bei der Schneeberglandrallye im August 2011 holte er sich mit einem monovalent betriebenen Erdgas-Mitsubishi den 1. Platz. Bei optimierten Erdgasfahrzeugen kann ca. 5–10 Prozent mehr Leistung gegenüber einem herkömmlichen Benzinmotor erzielt werden. Nur bei umgerüsteten Fahrzeugen kann möglicherweise im Erdgasbetrieb ein leichter Leistungsabfall gegenüber dem Benzinbetrieb stattfinden.

Mythos Umwelt

Erdgas ist ein Naturprodukt, es ist aus organischen Substanzen entstanden und gehört zu den fossilen Energieträgern. Bei der Verbrennung werden besonders hohe Energiemengen frei, wobei es ruß- und partikelfrei und fast rückstandslos verbrennt. In erster Linie entsteht Wasserdampf und deutlich weniger CO2 (bis zu 25 Prozent) als bei anderen fossilen Brennstoffen. Zusätzlich kann Biogas, das aus Gülle, Kompost oder organischen Resten gewonnen werden kann, dem Erdgas beigemischt werden. Dieses Biogas kann auf Erdgasqualität gebracht und anschließend stufenlos in das Erdgasnetz eingespeist werden, sodass Erd- und Biogasfahrzeuge somit mit erneuerbarer Energie fahren können und weitere Emissionen einsparen.

Mythos Sicherheit

Der Makel des Unsicheren haftet heutigen Fahrzeuge in keiner Weise mehr an. Sie erreichen die gleichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards wie herkömmliche Fahrzeuge. Gasbetriebene Fahrzeuge absolvieren genauso Crash-, Brand- und andere Tests, die bestätigen, dass die Tanks und Leitungen und alle übrigen Bestandteile der Gasanlage bei Unfällen größtmögliche Sicherheit gewährleisten. Erdgas zündet erst bei rund 600°C und ist unter Hochdruck gar nicht entzündungsfähig. Selbst der Umgang mit dem hohen Druck in den Gastanks ist sicher – Sporttaucher schnallen sich schließlich freiwillig Pressluftflaschen mit bis zu 200 Bar direkt an den Körper.

Mythos Wirtschaftlichkeit

Neben den umweltschonenden Aspekten gibt es auch wirtschaftliche Vorteile bei Erdgasfahrzeugen: investiert man die Kosten einer Tankfüllung, kommt man rund ein Drittel weiter des Wegs.


Quelle: www.erdgasautos.at