Wenn einer weiß, wie man richtig, schnell und trotzdem absolut sicher Auto fährt, dann wohl Alexander Wurz. Ob als Teilnehmer an insgesamt 69 Grand-Prix in der Formel 1 oder als zweifacher Gewinner des berühmt berüchtigten 24-Stunden-Rennens von Le Mans – Wurz kennt den Motorsport wie seine Westentasche.

Dass Wurz aber nicht nur Automobilexperte auf, sondern auch abseits der Rennstrecken dieser Welt ist, wissen Motorsportfans spätestens seit seiner kompetenten und fachkundigen Co-Kommentatoren-Tätigkeit für die Königsklasse im heimischen TV. Wurz kommentiert als Medienprofi aber nicht nur Rennsportevents, sondern ist auch als Formel-1-Berater aktiv.

Außerdem steht Wurz als Verkehrssicherheits- und Verkehrserziehungsspezialist mit seiner Expertise etwa rund um das Thema Fahrsicherheitstraining zur Verfügung.

Auf der Überholspur war der heute 42-Jährige schon als Jugendlicher, als er mit gerade einmal zwölf Jahren BMX-Weltmeister wurde. Einige Jahre später wechselte der geborene Niederösterreicher vom Rad- zum Kartsport und fuhr auch dort bald erste Top-Ergebnisse ein. Nach zahlreichen Siegen in der Formel 3 gab der heute in Monte Carlo lebende Wurz im Jahr 1997 sein Formel-1-Debüt.

Zehn Jahre lang saß Wurz im Cockpit verschiedener Teams und feierte bei den Grand Prix von Großbritannien, San Marino und Kanada mit jeweils dritten Plätzen persönliche Highlights als Formel-1-Pilot. Neben den Formel-1-Podestplätzen gewann Wurz 1996 und 2009 außerdem die „Le-Mans“-Rennen und reiht sich damit in die Bestenliste der Rennsportklassiker ein.

Wurz, der 2015 seinen Rücktritt aus dem aktiven Motorsport bekannt gab, ist heute Vorsitzender der Grand Prix Drivers‘ Association.

Sie sind seit vielen Jahren als erfolgreicher Rennsportler unterwegs. Wie wichtig ist für Sie dabei das Thema Sicherheit beim Auto – sowohl beruflich als auch privat?

Obgleich wir Menschen auf eine gewisse Art und Weise immer das Limit suchen und somit gewisse Risiken eingehen, muss man auf der Straße im öffentlichen Verkehr die Sicherheit auf Pole Position stellen. Die Sicherheit beginnt im Kopf! Und auch im eigenen Bewusstsein! Bei mehr als 90 Prozent aller Verkehrsunfälle ist menschliches Versagen die Unfallursache. Also wenn Sie sich in den Spiegel sehen, dann sehen sie die hauptverantwortliche Person für Ihre Sicherheit.

Was macht für Sie Sicherheit im Rennsport aus?

Der Motorsport schreibt Sicherheit ganz groß. Obwohl die Rennen und Rennautos im Laufe der Jahrzehnte immer schneller und extremer werden, haben wir gleichzeitig eine dramatische Erhöhung der Sicherheit. Logisch, im Motorsport existiert immer ein Restrisiko, das man nicht gänzlich eliminieren wird können. Aber die Motorsportindustrie ist wirklich sehr gut, wenn es darum geht, systematisch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles mit Verletzung oder tödlichem Ausgang zu reduzieren.

Kann man diese Aspekte auch auf das alltägliche Autofahren umlegen?

Auf der Rennstrecke fahren alle in dieselbe Richtung – das hilft schon mal! Aber vor allem sind alle angeschnallt, alle sind voll fokussiert, benutzen kein Handy, sind nicht übermüdet und fahren nicht unter Alkoholeinfluss. Wenn jeder auf der Straße diese paar Punkte befolgen würde, hätten wir viel weniger Unfälle!

Viele Menschen nutzen das Auto auch beruflich, sprich Firmenwagen: Wie kann man als Berufstätiger bzw. als Unternehmen selbst für mehr Sicherheit auf der Straße sorgen?

Da gibt es einige Dinge. Aber wenn ich etwas herausheben soll, dann sind das die Themen Druck und Zeit. Im Auto sollte man nicht unter zeitlichen Druck kommen müssen. MitarbeiterInnen dürfen von ihrer Firma nicht unter Zeitdruck gesetzt werden und sollten sich auch nicht unter zeitlichen Druck setzen lassen. Stress im Auto kann für schlimme Reaktionen sorgen!

Welchen Stellenwert sollten regelmäßige Fahrsicherheitstrainings für MitarbeiterInnen in Firmen haben?

Fahrsicherheitstrainings sollten einen hohen Stellenwert haben, denn wir alle teilen soziale Verantwortung! Aber eine Firma hat auch wirtschaftliche Vorteile, wenn sie ihre MitarbeiterInnen zu einem Fahrsicherheitstraining sendet. Wir sehen ganz klar, dass die Unfallrate nach dem Besuch eines Fahrsicherheitstrainings zurückgeht. Es gibt Beispiele, wo sich große Transportunternehmen dadurch hunderttausende Euro erspart haben!

Motorsportfans wissen, die richtigen Reifen können über Sieg und Niederlage (mit)entscheidend sein. Wie wichtig ist die richtige Reifenwahl im Alltag?

Der Reifen ist die einzige Verbindung zur Straße, insofern ist der Reifen ganz wichtig. Wenn man bei den Reifen spart, so ist das eigentlich die unvernünftigste Möglichkeit, an einer Stelle zu sparen. Den Reifen sollte man immer sehr nett behandeln – also immer kontrollieren, keine Randsteine beim Parken miteinbeziehen und so weiter und so fort.

Ein ganz krasser Fehler ist oft, nur an der Vorderachse neue Reifen aufzuziehen, um Kosten zu sparen. Somit hat man einen Unfall quasi fast vorprogrammiert. Bitte sparen Sie woanders, aber nicht bei den Reifen!

Welche Fahrtechniken empfehlen Sie für möglichst reifenschonendes Fahren? 

Die Schonung der Reifen beginnt schon beim Auto selbst. Wenn beispielsweise etwas verbogen ist, die Spur oder Sturz falsch sind, dann nutzen sich auch die Reifen falsch ab. Außerdem ist der Luftdruck in den Reifen ganz wichtig. Die Reifen sollten auch von innen geschont werden, das heißt, dass man beim Parken aufpassen soll, nicht den Randstein zu treffen. Für alle Kurvenflitzer unter den LeserInnen: Naja, bitte langsamer in die Kurve! Denn dann reiben sich die Reifen nicht so schnell ab.

Welche persönlichen Tipps können Sie unseren Leserinnen und Lesern mitgeben?

Kommen Sie sicher an! Übernehmen Sie bewusst Verantwortung und respektieren Sie Ihre Mitmenschen. Aber hin und wieder sollten wir bitte alle auch die Mobilität und die Freiheit, die uns das Automobil ermöglicht, auch einfach nur genießen!