Eine Autopanne ist nicht zu unterschätzen: Schnell den Reifen wechseln und dann gleich weiter düsen – das ist eher eine Wunschvorstellung. Und selbst wenn es nur ein kleiner Schaden ist, kann das zu einer großen Gefahr werden: Ungenügend abgesichert ist ein Auto auf dem Unfallstreifen und sein auf Hilfe wartender Fahrer ein Risiko für andere. So kann eine vorher noch glimpflich ausgegangene Panne doch schnell schlimm enden.

Die Zahlen sprechen für sich: Fahrzeugpannendienste mussten im vergangenen Jahr österreichweit rund 687.000 Mal zu Hilfe eilen – das sind mehr als 1.880 Einsätze täglich, was zudem einer Steigerung um fast drei Prozent gegenüber 2015 entspricht.

Unter Druck

In dieser Statistik werden neben Batterie- und Motorschäden vor allem defekte Reifen als Ursache genannt. Das deckt sich auch mit der Erfahrung der Lenker: In einer Umfrage des Forsa-Instituts unter den deutschen Nachbarn konnte fast jeder vierte Autofahrer von einem Reifenschaden berichten.

Warum ein Reifen irgendwann plötzlich platzt, hat eine Vielzahl von Gründen. Das beginnt beim Material: Der Reifengummi sorgt durch seine flexible Struktur dafür, dass der Wagen rund und geschmeidig über die Fahrbahn rollt. Jedoch ist dieser Stoff nur zu einem gewissen Grad stabil und bei der Fahrt ständig Hitze, Reibung und Druck ausgesetzt.

Der Verschleiß ist damit vorprogrammiert. Irgendwann hat sich auch einmal das beste Material abgenutzt. Und dann bricht meist das schwächste Glied in der Struktur: Aus einem kleinen Loch entweicht die Luft ganz langsam oder der Reifen platzt mit einem großen Knall – gerade bei hoher Geschwindigkeit ist das eine besonders böse Überraschung.

Fahrer, pass auf!

Soweit sollte es lieber gar nicht kommen, sodass man lieber vorbeugen sollte, anstatt sich später Vorwürfe machen zu müssen. Daher muss man seine Sinne schärfen: Ungewöhnliche Geräusche oder ein verändertes Lenkverhalten können auf einen drohenden Reifenschaden schließen. Einer der Hauptgründe für den schnelleren Verschleiß ist ein zu geringer Luftdruck im Reifen – das lässt sich bei einer Wartung schnell erkennen und beheben.

Anstatt am Ende vom Abschleppwagen mit einem großen Schaden in die Werkstatt gezogen zu werden, sollte man ohnehin dort von sich aus regelmäßig auftauchen. Reifen sollten immer wieder ausgetauscht werden und einer Prüfung durch den Fachmann unterzogen werden. Mit integrierten Reifendruckkontrollsystemen wird man über solchen Bedarf schneller informiert: Seit 2014 ist eine solche Ausstattung in Neuwagen EU-weit ohnehin Pflicht.

Wer aber meint, dass eine regelmäßige Wartung vor allem der Kassa des Mechanikers nützt, fährt auf dem Holzweg. Ein Unfall kann einen schließlich von der Reparatur bis hin zu Versicherungsfragen teuer zu stehen kommen – je nachdem, wie umfangreich der Schaden ausfällt,und ob im schlimmsten Fall auch noch andere Fahrzeuge und Verkehrsteilnehmer beteiligt sind.

Auch beim Einsatz eines jener Pannensets, die sich immer häufiger im Kofferraum finden ist Vorsicht geboten: Die verwendeten Dichtungsmittel können den Reifen so ruinieren, dass in der Werkstatt gleich ein neuer fällig ist. Wer zulange mit selbst geflickten Reifen fährt, gefährdet zudem auch die Felge.

Smarte Räder

Über eine verbesserte Reifensicherheit zerbrechen sich auch die Hersteller die Köpfe. Bereits jetzt sind Reifen im Einsatz, die durch verstärkte Seitenwände nach einer Panne noch ein ausreichendes Stück bei reduzierter Geschwindigkeit fahren können. Des weiteren denkt man über neue Modelle nach, die mithilfe von neuen Materialien und Konstruktionen ganz ohne Luft auskommen.

Das smarte Auto, von dem die Industrie träumt, soll auch die Reifen im Auge behalten – etwa indem via GPS vorausschauend im Blick auf Bodenbelag und Verkehrsverhältnisse einzelne Stellen des Profils verändert werden. Zudem sollen mit integrierten Sensorchips die Räder wiederum Informationen über den Bodenbelag ans System senden. So meldet sich der Reifen vielleicht bald selbst, wenn es ihm schlecht geht.