Als Reporter und Korrespondent waren und sind Sie ständig in den unterschiedlichsten Ländern unterwegs. Warum sind Sie gerne beruflich international tätig?

Mir hat das Reisen immer Spaß gemacht, vor allem, wenn ich mit Kameramann und Tonassistent unterwegs war. Es gibt einem die Möglichkeit, ständig neue Länder und Menschen kennen zu lernen.

Ich erinnere mich, wie wir nach einem Schneesturm in Washington im frühlingshaften Los Angeles angekommen sind. Wir hatten kurz Zeit für einen Kaffee und ich habe meinem Kameramann Scotty die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt: „Scotty, you know, we are even getting paid for that!“. Dieser Satz gehört wohl zu den häufigsten, wenn ich über meinen Beruf spreche.

Die Arbeit im Ausland und die vielen Geschäftreisen sind für Sie inzwischen Routine. War das von Anfang an so?

Meine erste Dienstreise ins Ausland begann mit meinem ersten Arbeitstag als Pressesprecher des Außenministers im Jahr 1978: Damals waren wir in Mexiko, Trinidad, Tobago und Venezuela unterwegs. Ich hatte gar keine Zeit mich an irgendetwas zu gewöhnen, denn wir waren ständig auf Achse; in Venezuela sogar mit bewaffneten Begleitpersonen, die auf der Straße unmissverständlich Platz für den ausländischen Besuch machten.

Worauf können Sie selbst auf abenteuerlichen Reisen wie diesen nicht verzichten?

Vor dem Internet-Zeitalter war das TV-Gerät im Zimmer die einzige Nabelschnur zum Rest der Welt. Auf Zeitungen konnte ich nie verzichten, in früheren Jahren hatte ich auch oft ein Kurzwellen-Radio, mit dem man auch internationale Sender empfangen konnte. Gute Lektüre ist mir auch immer wichtig: Keine Reise ohne Buch. Heute gehört ein Laptop oder Smartphone natürlich zur Standard-Ausrüstung, ohne die ich schon aus beruflichen Gründen nicht verreisen kann.

Abgesehen von guten Büchern, was ist Ihnen für eine angenehme Geschäftsreise wichtig?

Ein angenehmes Hotelzimmer in einer guten Lage lässt meist den Stress verschmerzen, den gerade unser Beruf auch immer wieder mit sich bringt. Ich erinnere mich zum Beispiel heute noch an das Hyatt-Regency in Houston. Anfang der 1980er-Jahre war das brandneu und hatte Glaslifte, die im Innenhof rund 70 Stockwerke in die Höhe gingen. Ich bin damals wohl etwas öfter als notwendig auf- und abgefahren.

Gelegentlich kann eine Buchung aber auch daneben gehen. Bei einer anderen Reise nach Texas bin ich in einem Hotel direkt am Highway gelandet. Zum einzigen Gebäude in der Umgebung, einer Shopping Mall, musste ich über die sechsspurige Strasse sprinten. Aber das habe ich auch überlebt.

Reisen Sie lieber im Flugzeug oder per Auto und Bahn?

Ich habe lange Zeit Flugreisen sehr geschätzt – bei sicher mindestens 50 Flügen über den Atlantik war das auch notwendig. Fliegen macht mir zwar immer noch Spaß, aber die Einreisemodalitäten in die USA sind inzwischen sehr unangenehm geworden. Manchmal setze ich auf Entschleunigung – daher stehen auch Zugreisen ganz oben auf der Liste. Aber auch wenn man in einem Doppeldecker-Bus von Wien nach Klagenfurt unterwegs ist, sieht man plötzlich vertraute Landschaften aus einer ganz anderen Perspektive.

Welche Reisen haben die nachhaltigsten Erinnerungen hinterlassen?

In Indien habe ich nach dem Tsunami von 2004 jene Gebiete besucht, die von der Flutwelle besonders betroffen waren. Wir sind mit dem Bus quer durch das Land gefahren und haben unglaublich schöne Landschaften gesehen. Gegen Ende der Fahrt ist allerdings der Busfahrer am Steuer eingeschlafen. Da ich immer in der ersten Reihe sitze, konnte ich noch schnell ins Lenkrad greifen und das Schlimmste verhindern.

Auch Alaska werde ich nie vergessen: Mit dem Hubschrauber hinein in eine Gletscherspalte auf 3000 Metern Höhe, die so eng war, dass die Rotorblätter beinahe den Rand gestreift haben. Was will man mehr?

Was schätzen Sie am meisten, wenn Sie wieder zu Hause sind?

Meine Familie und die Erkenntnis, dass die Küche im Ausland noch so gut sein kann, sie wird jedes Mal von meiner Frau übertroffen. Außerdem liebe ich das Kaffeehaus – in dieser Form gibt es das nur in Österreich.