Der Auftrag ist eilig. Acht Mitarbeiter eines Linzer Maschinenherstellers müssen umgehend nach Elazıg aufbrechen, eine Stadt im Osten Anatoliens. Dort stehen die Maschinen still, jede Stunde Produktionsausfall in der Textilfabrik geht in die Hunderttausende von Euro. An einen Linienflug ist nicht zu denken, der nächste Verkehrsflughafen liegt in Diyarbakır, die Flüge dorthin sind ausgebucht und ein Transfer über 150 Kilometer türkische Landstraßen ist schwierig zu organisieren. Das Unternehmen entschließt sich nach einigem Hin und Her einen Businessjet zu chartern und mehrere Techniker und den Projektleiter einfliegen zu lassen.

Unabhängige Reiseroute

„Mit dem gecharterten Privatflugzeug lässt sich die Reiseroute frei wählen und ist unabhängig von Großflughäfen und Timetables der großen Airlines“, erläutert Herbert Anzengruber, Flugkapitän und CEO eines österreichischen Businessjets Anbieters. Zwar haftet Charterflügen mit Businessjets immer noch der Nimbus von unermesslichem Reichtum an, doch das erweist sich bei näherer Betrachtung als nicht richtig. Die Praxis zeigt, dass es sich auch für kleinere und mittlere Unternehmen durchaus rechnen kann, Mitarbeiter mit dem Jet zu Geschäftsterminen zu schicken.

„Mit dem gecharterten Privatflugzeug lässt sich die Reiseroute frei wählen und ist unabhängig von Großflughäfen.“

Dabei geht es nicht nur um Krisensituationen, in denen Unternehmen ihre Mitarbeiter wie vor einem Jahr aus Ägypten, Tunesien oder Japan ausfliegen müssen, sondern hin und wieder auch um dringende Ersatzteile, deren Fehlen eine gesamte Produktion lahmlegen können“, erläutert der Flugkapitän.

Während große Konzerne meistens über einen firmeneigenen Jet verfügen oder gar eine ganze Flotte von Flugzeugen unterhalten, bietet sich für Mittelständler der Charter an. „Es gibt in Österreich noch große Berührungsängste“, sagt Anzengruber, „dies ist nicht zuletzt auch auf die Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen, wo es politisch inkorrekt gewesen ist, diese Reiseform zu wählen.“

Kostengünstiger als Linienflug

Dabei kommt der Jetcharter manchmal günstiger, als der Linienflug. Anzengruber erläutert dies noch einmal am eingangs genannten Beispiel. Die hochspezialisierten Mitarbeiter sollen möglichst noch am gleichen Tag zurück, weil sie schnell an einem anderen Einsatzort gebraucht werden. Dies wäre mit normalen Linienflügen überhaupt nicht denkbar und das Unternehmen sowie die Firmencrew würden viel Zeit verlieren, da der normale Flugplan nur Umsteigeverbindungen sowie keine Tagesrandverbindung für den Rückflug anbietet. Zudem übersteigen die üblichen Businessclasstickets und die Preise für Hotelübernachtungen die Kosten für den Aircharter.

Zeitnot

Sowohl die Zeitnot, als auch die hohen logistischen Kosten sind es, die für diese Form des Fliegens sprechen. „Zum einen ist man nicht an die festen Flugpläne der Linienflieger gebunden, zum anderen hat man sehr geringe Abfertigungszeiten, die im Geschäftsfliegerbereich bei einer guten Viertelstunde liegen, da diese in einem gesonderten Terminal stattfi nden,“ sagt Anzengruber. „Das aufwändige Einchecken, die langen Warteschlangen vor der Pass- und Sicherheitskontrolle, aber auch Transferzeiten bei Umsteigeverbindungen und die üblichen Verspätungen entfallen, bei dieser Art des Reisens“ erläutert er.

Globalisierung

Vor allem die Globalisierung spielt Businessjetanbietern in die Hände. Denn viele Produktionsstandorte liegen inzwischen in strukturschwachen Regionen weit entfernt von großen Verkehrsflughäfen, so dass eine Anreise mit dem Geschäftsflugzeug auch hier durchaus Sinn macht.