Der Formel-1-Bolide als Firmenwagen. Was für unzählige Menschen rund um die Welt ein Traum ist, ist für Nico Hülkenberg seit Jahren Realität. Bereits 2010 debütierte der Mann aus Emmerich am Rhein mit 22 Jahren beim Grand Prix in Bahrain in der Formel 1. Mittlerweile bestreitet Nico Hülkenberg seine siebte Saison in der unumstrittenen Königsklasse des Motorsports.

Wie kann man einem Menschen, der noch nie in einem Formel-1-Boliden Platz genommen hat, dieses Gefühl, im Cockpit zu sitzen, beschreiben?

Egal, wie oft ich in den Formel-1-Wagen steige, es gibt mir immer noch einen Kick. Es ist unheimlich intensiv und herausfordernd, permanent ans Limit zu gehen. Oft fährt man sozusagen mit dem Herzen im Mund. Ich bin immer noch unheimlich dankbar, diesen Weg bestreiten zu dürfen, und weiß das sehr zu schätzen.

Das Thema Sicherheit spielt im Motorsport und speziell in der Formel 1 – Stichwort: Halo Cockpit Schutz – ganz aktuell eine große und auch kontroversielle Rolle. Wie nehmen Sie als Fahrer die Entwicklungen in Richtung Sicherheit im Rennsport wahr?

Ich habe mich bereits mehrfach zu diesem Thema geäußert und will es deshalb nicht mehr großartig diskutieren. Persönlich bin ich ein Fan von Risiko und finde, dass es zu unserem Job dazugehört und ihn ein Stück weit ausmacht. Aber natürlich respektiere ich die Entscheidung der FIA und die Argumente, die dafür sprechen.

Abseits von den Rennstrecken dieser Welt: Wie wichtig ist Ihnen das Thema Sicherheit im Straßenverkehr, wenn Sie nicht im Formel-1-Boliden, sondern privat unterwegs sind? Was muss ein Auto für Sie da zu bieten haben?

Sicherheit ist mir abseits der Rennstrecke sehr wichtig, deshalb nehme ich meine Arbeit auch nicht mit nach Hause (lacht). Ich kann natürlich nicht abstreiten, dass ich schnelle Autos liebe, aber ich komme auch mit einem Mittelklassewagen klar und brauche kein teures oder schnelles Auto auf der Straße.

Ich halte mich sowieso an die Geschwindigkeitsregeln und fahre niemals rücksichtslos. Mein Auto muss einfach zuverlässig sein. Letztlich bin auch ich nur einer von vielen Millionen deutschen Autofahrern – nur eben mit einem exotischen Job.

Elektromobilität ist eines der großen Zukunftsthemen in der Autoindustrie und hat mit der Formel E bereits in der Saison 2014/15 den Weg in den internationalen Rennsport gefunden. Wie sehen Sie diese Rennserie? Ist das die Zukunft des Motorsports?

Ich genieße es zu sehen, wie der Autosport zukunftsorientierter wird. Die Formel E macht einen klasse Job, die aktuellen Themen mit Innovationen umzusetzen. Was ich ebenfalls sehr spannend finde, ist, dass die Formel E nicht unbedingt auf abliegenden Rennstrecken fahren muss, sondern auch in den Zentren der Städte fahren kann. Heißt: direkt bei den Menschen. Das finde ich überragend und ist sehr wichtig, um die Barrieren für einen Autosportbesuch so klein wie möglich zu halten!

Sie befinden sich nicht nur mitten in der Formel-1-Saison, sondern auch mitten in Ihrer Karriere als Rennfahrer. Dennoch die Frage: Möchten Sie dem Motorsport auch nach Ihrer aktiven Karriere als Fahrer in anderer Funktion treu bleiben oder können Sie sich einen kompletten Tapetenwechsel vorstellen?

Derzeit denke ich nicht darüber nach, was nach meiner Karriere als Rennfahrer kommt. Wichtig ist das Jetzt. Ich möchte noch ein paar gute Jahre in der Formel 1 haben. Ich liebe die Vielfältigkeit an meinem Job. Das Arbeiten mit den Mechanikern und Ingenieuren, das Auto zu entwickeln, technisch zu helfen und den Fortschritt zu sehen und zu spüren. Ich denke, diese Leidenschaft wird mich nicht so schnell loslassen.