Als Motorsportchef bei Mercedes setzen Sie immer wieder neue Maßstäbe. Wie wird das Rennauto der Zukunft aussehen?

Wir befinden uns gerade in diesem Denkprozess. Technologisch, innovativ, aber auch beeindruckend – leicht, schnell, kraftvoll. Über 1000 PS sind für mich ein Muss an der Spitze des Motorsports.

Auto zu fahren und trotzdem auf die Umwelt zu achten ist für viele Menschen ein Paradoxon. Inwiefern können Hybrid-, Elektroautos und Co. diesen Gegensatz überwinden?

Es geht darum, das richtige Gleichgewicht zu finden. 100 Prozent elektrisch zu fahren, macht in der Stadt Sinn, ist aber schwieriger auf längeren Distanzen. Dafü9 sind Hybridautos mit einem kombinierten  Elektro- und Benzinmotor eine sehr effiziente und gute Lösung.

Mit der Formel E gibt es seit knapp drei Jahren bereits eine Rennserie für Formelwagen mit Elektromotoren. Werden Sie sich auch in diesem Bereich engagieren bzw. wie steht Ihr Team zum aktuellen E-Mobility-Trend?

Wir fahren seit 2014 mit Hybrid-Antrieb in der Formel 1 und lernen massiv davon, um unsere Technologie auf der Straße noch besser zu machen. Wir beobachten parallel die Formel E und haben eine Option, in die Serie in den nächsten Jahren einzusteigen. Da ist aber noch keine Entscheidung gefallen.

Wie werden sich Ihrer Ansicht nach der Erfolg, aber auch die Herausforderungen der Formel E in der Formel 1 niederschlagen?

Die Formel E ist keine Konkurrenzserie für die Formel 1, sondern ein neues Produkt mit einem alternativen Ansatz. Die Formel E steht für Elektromobilität mit Rennen in Großstädten und langsamere, aber ausgeglichene Autos, und erreicht damit neue Zielgruppen. Die Formel 1 ist die Speerspitze des globalen Motorsports und steht für höchste Technologie und intensiven Wettbewerb. Die beiden Serien sind meiner Meinung nach komplementär.

Es liegt in der Natur der Sache, dass der Rennsport Vorreiter für viele technologische Entwicklungen auf der Straße ist. Welche Entwicklungen werden wir ganz generell erwarten können?

Seit der Einführung der Hybridformel haben wir in vielen Bereichen Fortschritte erzielen können: zum Beispiel in Batterien, Steuerungselektronik und effiziente Verbrennung. Aber auch mit Simulationen und Kalkül bei der Entwicklung der Autos. Generell ist Motorsport die bestmögliche Spielwiese für neue Technologien – auch dank dem Ansporn des regelmäßigen Wettbewerbs.

„The stopwatch never lies“ ist eine alte Motorsportweisheit. Man darf sich nie ausruhen, sondern sucht immer nach der nächsten Herausforderung und Entwicklung. Das treibt uns alle an.

Sicherheit ist im Rennsport klarerweise ein ganz großes Thema. Was ist für Sie als Motorsportchef dabei zentral?

Sicherheit ist kein Thema, wo wir uns dem Wettbewerb stellen, sondern wird von den Sportbehörden zentral verwaltet und gesteuert. Da gibt es kontinuierliche Recherchen und Kooperationen von der FIA und den Teams. Wir erzielen jedes Jahr deutliche Fortschritte in diesem Bereich.

Inwiefern kann der Rennsport-Sicherheitsaspekt ebenso auf den privaten Sektor umgelegt werden?

Einige der Arbeitsmethoden sind sehr ähnlich, wie zum Beispiel Crashtests, sicherer Leichtbau usw. Aber es gibt auch große Unterschiede zwischen einem Rennauto auf der Strecke und einem Pkw auf öffentlichen Straßen. Es ist nicht so einfach, alle unserer Sicherheitsstandards in den Alltag zu übertragen.

Wenn Sie selbst ein komplett neues Auto für sich und Ihre Familie entwickeln könnten – wie würde es aussehen und welche Features müssten unbedingt inkludiert sein?

Sportliches Aussehen, dezente und effiziente Power, Kindersitz hinten, Komfort im Innenraum in Kombination mit perfekter Konnektivität. Ein Stern vorn und die drei Buchstaben AMG hinten.