Mag. Stefan Ortner
Vice-CEO und Head of Consulting, VICE Alps GmbH

Welche Risiken gibt es für Krankenhäuser im Infrastrukturbereich?

Krankenhäuser haben mit denselben infrastrukturellen Problemen zu kämpfen, wie ganz normale Unternehmen auch. Nur die Folgen, die daraus resultieren können, sehen anders aus und sind oft weitgreifender und schwerwiegender.

Wie sehen diese Folgen aus?

Die Folgen können ganz unterschiedlich sein. Kommt es beispielsweise zu einem Stromausfall in einem herkömmlichen Unternehmen, kommt es zu einer Betriebsunterbrechung und finanziellen Einbußen. Kann die Arbeit in einem Krankenhaus nicht mehr verrichtet werden, sind Menschenleben gefährdet. Neben den klinischen Abteilungen, die direkt mit den Patienten arbeiten, spielt auch ein reibungsloser Ablauf in den internen Dienstleistungen (Küchen oder Einkaufsabteilungen) eine wesentliche Rolle.

Für welche Bereiche ist es am wichtigsten, dass sie an Notstromsysteme angeschlossen sind?

Natürlich vorrangig die Notfallstationen und Operationsräumlichkeiten, da ein Stromausfall dort eine akute Gefahr für Patientenleben darstellt. Aber damit nicht genug – in weiterer Folge müssen auch die EDV und die Logistik eingebunden sein, ansonsten gehen wichtige Daten verloren oder Medizinprodukte können nicht mehr richtig gelagert werden. Es geht also um ganzheitliche Lösungen.

Wie müssen diese Lösungen aussehen?

Alle Risikoquellen müssen bedacht werden, nicht nur die Stromversorgung. Es lauern auch andere Gefahren von außen, wie zum Beispiel Naturgewalten oder Probleme mit den Zufahrtswegen. Aber auch interne Risiken sind zu bewältigen – wenn plötzlich die IT oder die Wärmeversorgung nicht mehr funktioniert. Da alles miteinander zusammenhängt, muss es auch vernetzte Lösungen und ein ganzheitliches Risikomanagement geben. Außerdem darf die Vorsorge nicht an den Grenzen des Krankenhausgeländes aufhören.

Was bedeutet das?

Die Zusammenarbeit mit den Behörden und Einsatzkräften der jeweiligen Gemeinde oder Stadt muss einwandfrei funktionieren. Denn die Krankenhäuser sind in gewisser Weise von deren Infrastruktur abhängig. Genauso müssen Betreiber anderer kritischer Infrastrukturen in das Risikomanagement einbezogen werden.

Wie entwickelt sich die Infrastruktur in Zukunft weiter? Welche Trends sind zu erwarten?

Der Grundgedanke, ein Krankenhaus als ein komplexes, innerhalb einer Region verwurzeltes System zu verstehen, ist noch nicht in allen Köpfen verankert. Doch dahin geht der Trend. Die Betreiber und politischen Verantwortlichen müssen verstärkt darauf achten, klinisches und infrastrukturelles Risikomanagement zu verschneiden. Außerdem muss mehr über die Risiken im Krankenhausbereich gesprochen werden, auch wenn das niemand gerne tut und der reibungslose Ablauf als normal erachtet wird.

Sollte der reibungslose Ablauf denn nicht der Normalfall sein? Das ist der Anspruch, den wir in vielen Bereichen stellen und bei Krankenhäusern im Besonderen. Strom, Internet, fließendes Trinkwasser und Ähnliches müssen immer verfügbar sein. Österreich hat, Gott sei Dank, hohe Standards, aber es sollte nicht als selbstverständlich erachtet werden. Wir müssen laufend darauf achten, neue Herausforderungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechend darauf reagieren.