Freizeit ist tatsächlich ein Menschenrecht. Wem das bislang noch nicht bewusst war, der werfe einen Blick in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Denn in Artikel 24 steht, dass jede und jeder das Recht auf Erholung, Freizeit, eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit sowie regelmäßig bezahlten Urlaub hat. Freizeit ist also so wichtig und kostbar, dass sie sogar als Menschenrecht festgeschrieben ist.

Als arbeitsfreie Zeit bezeichnet, soll sie quasi das Gegenstück zu Hektik und Stress im Beruf darstellen. Sie müsse der Entspannung dienen, man solle seine sozialen Kontakte pflegen und sich um seine Familie kümmern. Und natürlich auch Zeit für sich selber haben, Hobbys nachgehen und sich mit den schönen Dingen des Lebens beschäftigen.

Ein ganz ansehnliches Paket an Erwartungen, dass die Gesellschaft und auch wir selber uns rund um die Zeit abseits der Arbeit schnüren. Dementsprechend hetzen wir von einem Termin zum nächsten, haken eine Aktivität nach der anderen von unseren To-Do-Listen ab und vergessen dabei auf die fundamentale Bedeutung des Wortes Freizeit – nämlich die freie Zeit auch wirklich frei nutzen zu können.

Vom Arbeitsstress hin zum Freizeitstress

In der Freizeit kann jede und jeder das machen, was er will. Eine Zeit ganz ohne Verpflichtungen also? Wohl eher nicht, denn Stress, ständige Verfügbarkeit und immer und überall erreichbar zu sein, haben nicht nur Auswirkungen auf unseren Arbeitsalltag, sondern vor allem auch auf unser Privatleben und im weiteren Sinne auch auf unser Freizeitverhalten. Den Stress der Arbeit übertragen wir praktisch in die „freie“ Zeit und versuchen tausend Termine in möglichst kurzer Zeit zu absolvieren.

Anstatt uns zu erholen, rennen wir wie MarathonläuferInnen von einem Termin zum nächsten. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, ist einleuchtend. Verbringen wir also unsere Freizeit falsch? Die Antwort darauf bleibt jeder und jedem selbst überlassen. Kritisch reflektiert wird vielleicht klar, dass es nicht unbedingt die Quantität an Aktivitäten und Terminen ist, die zählt, um sich gut und wohl zu fühlen, sondern viel eher die Qualität.

Strategien gegen die Stress-Spirale

Innezuhalten und zu überlegen, wie sehr die dauernde Anspannung – ob beruflich oder privat – als belastend empfunden wird, kann eine erste Strategie sein, um sich aus der Spirale des Dauerstresses zu lösen. Beginnen kann man damit zum Beispiel bei der eigenen Freizeitgestaltung. Wieder Zeit zu haben für die wirklich wichtigen Dinge bedeutet auch, konsequent Prioritäten zu setzen.

Ob dieses Prioritätensetzen Zeit für Hobbys wie Sport, Musik, Kunst, Lesen, ehrenamtliches Engagement, Freunde und Familie oder einfach einmal Zeit für Nichtstun und die Seele baumeln lassen bedeutet, ist natürlich je nach individuellen Bedürfnissen verschieden. Welche Tätigkeit auch immer es sein mag, gegen die Stress-Spirale hilft auf jeden Fall, wenn man seine Freizeit so organisiert, dass der Körper Kraft und Energie tanken kann.

Im Hier und Jetzt abschalten

Einfach abschalten – was so unkompliziert klingen mag, ist dank moderner Technologie und Smartphones heute gar nicht mehr so leicht. Überall lacht das Wifi-Symbol und wir posten, sharen und liken im Dauerlauf. Zugegeben, trotz aller Vorzüge der Informations- und Kommunikationstools sowie sozialen Netze, wer ständig online präsent und erreichbar ist, wird auf Dauer ins Hintertreffen gelangen.

Kein Wunder, dass es dazu auch einen Gegentrend gibt, nämlich Digital Detox, also der bewusste (temporäre) Verzicht auf elektronische Geräte wie Smartphones oder Computer. Einige Hotels und auch Restaurants sind mittlerweile auf diesen Zug aufgesprungen und bieten beispielsweise bewusst kein Wifi an. Was als Verzicht vielleicht im ersten Moment einschränkend erscheint, ist allerdings ein guter Stresskiller und lässt Menschen wieder ihre unmittelbare Umwelt aktiv und bewusst erkennen. Und es hilft, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.

Genussvoll, maßvoll und sinnvoll

Denn im Hier und Jetzt sitzt man zum Beispiel mit Freunden am Tisch und genießt Speis und Trank ganz bewusst. Auch hier geht der Trend zu Qualität statt Quantität. Mehr und mehr Menschen lassen sich das auch gerne etwas kosten, immerhin geht es darum, sich selbst mit Achtsamkeit etwas Gutes zu tun – und dazu kann eben auch Lukullisches zählen. Egal, ob Essen und Trinken, Spaß und Action oder Erholung und Entspannung: Freizeitangebote gibt es wie Sand am Meer.

Anstatt alle, ob zu Wasser oder zu Land, gleichzeitig auszuprobieren, sollte man lieber gezielt, bewusst und qualitätsvoll wählen. Denn schließlich geht es darum, die wenige Freizeit nicht mit Aktivitäten und Terminen vollzustopfen, sondern die Zeit sinnvoll zu gestalten. Weniger ist eben doch oft mehr. Besonders wenn es darum geht, abzuschalten und ganz bewusst seine freie Zeit zu genießen – mit den Dingen, die für das eigene Ich wirklich bedeutsam sind.