Mag. Barbara Dusek
Expertin für Green Meetings des VKI

 

„Mit unserem System ist es gelungen, bisher 50 LizenznehmerInnen zu gewinnen, die bereits mehr als 350 Veranstaltungen „grün“ durchgeführt haben.“

Veranstaltungen sind eine Bereicherung des Berufslebens und ein wichtiger Wirtschaftszweig. 1,4 Millionen TeilnehmerInnen allein in der Tagungsbranche weist die österreichische Kongressstatistik MIRA für 2103 aus. Es ist kein Geheimnis, dass Veranstaltungen große Mengen an Ressourcen verbrauchen. Zu Schadstoffen und CO2 Ausstoß der An- und Abreise kommen der Energie- und Wasserverbrauch in den Hotels. Drucksorten, Give Aways und Werbung erzeugen Abfälle ebenso wie die Verpflegung der Gäste, denn das Buffet muss sich auch am Ende der Mittagspause noch biegen.
Doch immer mehr Verantwortliche in der Eventindustrie haben die Probleme erkannt. Auf unterschiedlichen Ebenen gibt es weltweit Initiativen, diese Themen bewusst zu gestalten. Darunter zum Beispiel die ISO 20121 „Event Sustainability Systems“, Vereinigungen wie den GMIC (Green Meeting Industry Council) in Amerika, die Initiative „fairpflichtet“ des GCB und des EVVC oder ganz einfach Informationen regionaler Abfallverbände. VeranstalterInnen wollen ihr Engagement aber auch den TeilnehmerInnen und der Öffentlichkeit zeigen: durch Auszeichnungen, Wettbewerbe und nicht zuletzt Gütesiegel.

Das Österreichische Umweltzeichen zieht Kreise

Eine besondere Initiative ist das Österreichische Umweltzeichen, da es das einzige staatliche Umweltgütesiegel für Veranstaltungen ist. Diese Marke des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft prüft systematisch und umfassend alle Bereiche einer Veranstaltung. Um die Auszeichnung zu erreichen, müssen allerdings alle Stakeholder an einem Strang ziehen. Die Richtlinie Uz62 gibt strenge Anforderungen vor: die organisierende Agentur wird von ExpertInnen geschult und begleitet, und auch VeranstalterIn, Hotels und Location müssen ihre Umweltfreundlichkeit unter Beweis stellen. Besonders strenge Auflagen gibt es für das Catering, denn es eignet sich gut, positive Inhalte zu transportieren. Aber auch SponsorInnen oder die TechnikerInnen werden in die Pflicht genommen. Manchmal wird diese intensive Kommunikation zu Beginn als Belastung wahrgenommen, doch die umfangreiche Auseinandersetzung mit der Organisation erhöht nicht zuletzt deren Qualität und verbessert die Kommunikation.
Der Prozess wird durch die Strukturen des Österreichischen Umweltzeichens unterstützt und erleichtert: Hotels und Cateringbetriebe sind selbst mit diesem Zeichen zertifiziert und können daher die Standards der Veranstaltung leichter erfüllen. Auch für Locations gibt es bereits die Möglichkeit, als Standort die Auszeichnung zu erwerben. Druckereien können umweltzertifizierte Druckprodukte liefern und unsere BeraterInnen sowie wir beim VKI stehen natürlich mit Rat zur Seite. Administriert werden alle Daten in einer Online-Software, die auch als Informationsspeicher dient. Um Greenwashing vorzubeugen, führen wir regelmäßig Stichproben durch und geben schriftlich und persönlich Rückmeldung an unsere LizenznehmerInnen. Auch mit den BeraterInnen und GutachterInnen gibt es einen regelmäßigen Austausch.
Mit diesem System ist es gelungen, bisher 50 LizenznehmerInnen zu gewinnen, die bereits ca. 350 Veranstaltungen „grün“ durchgeführt haben. Waren es 2010 erst 3, so sind es 2014 bisher schon über 120 ausgezeichnete Meetings und Events.

Ein Netzwerk entsteht

Durch die starke Vernetzung einer Veranstaltung entsteht ein Schneeballeffekt, der in andere Branchen hineinwirkt. Nicht nur unmittelbare PartnerInnen wie Catering und Locations sind in Bewegung gekommen, auch andere Branchen werden auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam: Die Entwicklung von umweltfreundlichen, hochwertigen Give Aways, energiesparende Eventtechnik oder Ideen zu umweltfreundlichem Messestandbau sind nur einige Beispiele davon. Ich bin mir sicher, dass uns in den nächsten Jahren noch viele spannende Initiativen erwarten.

umweltzeichen