Herr Jagerhofer, worin sehen Sie zurzeit die größten Herausforderungen in der Eventbranche?

Ein großes Problem der Branche sind in meinen Augen die Compliance-Regelungen, die Unternehmen fesseln. Und dann wird seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise überall gespart, auch in den meisten Unternehmen. Wenn man vor 15 Jahren ein Jubiläum gefeiert oder ein neues Produkt vorgestellt hat, dann wurde das meist in einer spektakulären Art und Weise gemacht.

Aktuell werden solche Events meistens eingespart und weggelassen. Ich persönlich glaube aber, dass es wichtig ist, den heimischen Unternehmen wieder Mut zuzusprechen. Denn eine Emotionalisierung des Kunden mit dem jeweiligen Produkt ist ein ganz wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Marketing- und Kommunikationsstrategie.

Ist das ein Trend, der im Eventmanagement gerne übersehen wird?

Ja, das glaube ich schon. Natürlich ist ein Eventmanagement auch immer an die Auftragslage des Kunden gekoppelt, keine Frage. Wenn die Eventbranche dem Sparstift als erstes zum Opfer fällt, hat aber auch das Unternehmen schnell ein Problem. Daher sollte man aufseiten der Unternehmen überlegen, neue Arten von Events zu kreieren oder kreieren zu lassen, die günstig und wirkungsvoll sind.

Zu etwas Persönlichem: Hatten Sie besondere Erfolgserlebnisse, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Total toll war, als unsere Agentur von einem großen IT-Kunden beinahe komplett freie Hand bekommen hat, um einen Messestand auszurichten. Dieses Vertrauen, das uns da entgegen gebracht wurde, war einfach super.  

Kommt das sonst nicht so häufig vor, dass Unternehmen Ihnen freie Hand lassen?

Meist ist es ein heftiger Kampf zwischen dem Vertrieb und der Marketingabteilung, wie so ein Messestand auszusehen hat. Der Vertriebler würde ja am liebsten jedes einzelne Produkt dort ausgestellt sehen. Beim Marketing geht’s aber um Emotionalisierung, und da sieht die Welt dann schon wieder komplett anders aus. Aber grundsätzlich gilt, dass all jene Events, wo ich mit einem ausreichenden Budget Geschichten entwickeln und große Emotionen auslösen konnte, besondere Höhepunkte meiner bisherigen Karriere waren.

Haben Sie Tipps, worauf es ankommt, wenn man in der Eventbranche erfolgreich sein möchte?

Man muss ein Event wie einen Film sehen. Es muss von der ersten Sekunde bis zum Abspann durchdacht und durchgeplant sein. Schon die Einladung ist wichtig. Man muss die Menschen damit sozusagen aktivieren. Sie müssen richtig Lust bekommen, dieses Event zu besuchen. Die erfolgreiche Planung eines Events hat fast wissenschaftlichen Charakter. Es muss aber nicht immer so effektvoll wie in einem Actionfilm aus Hollywood sein. Auch auf einer einfachen Ebene kann ein gelungenes Storytelling zum Erfolg führen. Aber mit einer Einladung zum Essen und Trinken ist es noch lange nicht getan.

Was denken Sie über die Rolle von Technik bei Veranstaltungen?

Mit geschickt eingesetzter Technik kann ich Emotionen wecken. Starke Bilder mit passender Musik wecken viel mehr Emotionen als Worte. Ohne Technik geht's heute einfach nimmer.

Welche Techniktrends sehen Sie besonders im Vormarsch?

Definitiv die Virtual Reality. Vor kurzem war ich in New York und hab mir das Thema dort genauer angesehen. Es war wirklich beeindruckend, dort mit einer Brille in eine Welt einzutauchen, die du bisher nicht kanntest. Das lässt sich sicherlich auch auf Events in der Heimat übertragen.

Gibt’s eigentlich ein Rezept für eine gelungene Großveranstaltung?

Nein. Und zwar deshalb, weil die Ziele, die man mit einem Event erreichen will, stets total unterschiedlich sind. Somit gibt’s auch keinen eindeutigen, immer gültigen Fahrplan.

Und wo sehen Sie die größten Stolpersteine im Eventmanagement?

Man muss verstehen, dass die Ausrichtung eines Events eine ganzheitliche Sache ist. Nur ein gutes Storyboard reicht nicht, wenn man keine Technikprofis hat. Man muss wissen, dass es auf jedes Detail ankommt, wenn man Erfolg haben will.