Was ist für Sie als Branchensprecher das Wichtigste?

Man muss sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema Eventsicherheit auseinandersetzen. Viele lassen diese Frage in der Erstphase außer Acht. Dabei gibt es viele Gesichtspunkte. Die Personen-, Gebäude- sowie MitarbeiterInnensicherheit oder vieles mehr. Es fehlt in diesem Bereich sehr oft an Erfahrung und Professionalität. Manchmal steht der Kostenfaktor zu sehr im Fokus. Dazu bietet die Wirtschaftskammer ausreichend Informationsunterlagen sowie Symposien an und wir arbeiten intensiv gemeinsam mit ExpertInnen an der Weiterentwicklung dieser Hilfsmaterialien.

Nun sollte man doch annehmen, dass Sicherheit Veranstaltern wichtig und bewusst ist. Wie kann es passieren, dass darauf vergessen wird?

Wer ein Event veranstaltet, setzt sich mit Sublieferanten, wie u.a. Technikfirmen, Caterern und Zeltbauern, auseinander. Wenn die Eventagentur einen Lieferanten beauftragt, ihrem Sorgfaltsauftrag nicht nachkommt und Nachlässigkeit nachgewiesen wird, haftet der Agenturbesitzer laut Gesetz mit seinem Privatvermögen. Bei einer GmbH gibt es eine Geschäftsführerhaftung. Wenn ein Mitarbeiter unwissend einen Fehler macht, haftet der Geschäftsführer.

Welche Bereiche sind zu beachten?

Man muss die Veranstaltung als Ganzes beachten, von A bis Z. Die Anreise: Sind genügend Parkplätze vorhanden? Wo steht der LKW des Caterers? Steht dieser vor einem Notausgang? Was passiert in einem Zelt, wenn 1000 Besucher bei einem Ausgang hinausdrängen? Ist die Location von der Behörde freigegeben? Für wie viele Personen zugelassen? Wenn nur drei Besucher mehr im Veranstaltungsraum sind und dies wird nachgewiesen, dann gibt es ein massives Problem. Das muss ein Veranstalter kontrollieren, er hat eine Aufsichtspflicht.

Die Ausgestaltung hängt aber auch vom Event ab, oder?

Jeder Event hat ein eigenes Sicherheitsumfeld. Auch die private Geburtstagsfeier hat ihre Tücken: Wenn das Fest auf einem Schiff veranstaltet wird, braucht man – um ein Beispiel zu nennen – ausreichend Rettungswesten. Ich persönlich würde mich dabei nicht nur auf den Schiffseigentümer bzw. Betreiber verlassen.

Was sind Ihre wichtigsten Tipps an VeranstalterInnen, was die Sicherheit betrifft?

In diesem Bereich ist es wichtig, sich immer mit Profis abzustimmen. Es gibt so viele Details, auf die man leicht vergisst. Und ganz wesentlich ist es, alles zu dokumentieren. Als Veranstalter muss man nachweisen können, dass man seiner Aufsichtspflicht nachgekommen ist. Die Kosten sind hier zu vernachlässigen.

Wie beeinflussen aktuelle Entwicklungen – auch international – das Sicherheitsthema?
Aufgrund der aktuellen Ereignisse und Terrorwarnungen bei Events mit großen Menschenansammlungen bedarf es verstärkte Sicherheitsvorkehrungen. Neben vielen bereits laufenden Bemühungen haben das Innenministerium und die WKO eine Initiative „GEMEINSAM.SICHER bei Veranstaltungen“ gestartet. Dazu wird es für Eventprofis gezielte Impulse geben.

Welche Anliegen haben Sie als Branchensprecher in Ihrer Tätigkeit?

Die Veranstaltungsbranche zählt zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Sie schafft nahezu 100.000 Arbeitsplätze und trägt im In- und Ausland zum positiven Image Österreichs bei. Das bedarf eines gewissen Professionalitätslevels. Zu meinen Kernanliegen gehören daher die Professionalisierung der Branche und des Berufsbildes des Eventmanagers. Professionell organisierte Events sind eine Visitenkarte – für unser Land, aber auch für die gesamte Branche.

Welche Schritte setzen Sie konkret?

Die Wirtschafskammer intensiviert derzeit die Informationsarbeit im Bereich Eventsicherheit, u.a. in Kooperation mit dem Roten Kreuz. In den nächsten Wochen wird der dritte Band einer Eventsicherheits-Buchreihe erscheinen. Damit wollen wir einen Beitrag zum Thema Aus- und Weiterbildung im Fachbereich Event leisten. Ein besonderes Anliegen ist uns die fortlaufende Weiterbildung, unter anderem auch die Zertifizierung der Eventmanager.

Auch politisch sollte sich etwas bewegen. Wir streben die Vereinheitlichung der gesetzlichen Grundlagen der Veranstaltungssicherheitsgesetze an. Derzeit kämpfen unsere Eventmanager mit neun unterschiedlichen Gesetzen in Österreich. Ein ohnehin dichtes Regelwerk mit neun unterschiedlichen Auslegungen schreckt immer mehr in unserer Branche und mag vielleicht auch der Grund einer gewissen Verdrängung sein. Die Vereinheitlichung würde eine enorme Erleichterung für die Eventbranche bringen, das Sicherheitsdenken fördern und die Sicherheit von Veranstaltungen enorm erhöhen.