Frau Klepsch, Sie arbeiten in Ihrem Familienbetrieb und sind darüber hinaus Jungunternehmerin und Mitbegründerin von einem Start-Up. Welche Herausforderungen aber auch Chancen sehen Sie darin?

Ich hatte Glück in ein etabliertes Familienunternehmen einzusteigen. Die Chance von Anfang an mitzureden und zu gestalten ist großartig - gerade, wenn man frisch vom Studium kommt. Ich lerne nicht nur einen Teilbereich, sondern das ganze Unternehmen mit intensiver Unterstützung der Mitarbeiter und meiner Familie kennen. Das hilft, sich schneller in eine Führungsebene hinaufzuarbeiten.

Bei unserem Start-Up müssen mein Geschäftspartner und ich uns ganz alleine allen Herausforderungen stellen, unsere Ideen konkretisieren und in die Tat umsetzen. Ein Start-Up parallel zur Arbeit aufzubauen, ist anspruchsvoll und hat mir viel Schlaf geraubt. Dennoch ist das Gefühl, das eigene Unternehmen wachsen zu sehen, einfach unbeschreiblich. Die harte Arbeit macht sich bezahlt und die Motivation, noch mehr daraus zu machen, steigt von ganz allein.

Wie lernen Sie die einzelnen Teilbereiche Ihres Familienbetriebes kennen?

Bei einem sogenannten Management-Programm geht es darum, jungen Talenten bei der Entwicklung von Führungsqualitäten zu helfen. Bei uns im Familienunternehmen durchlaufe ich einerseits verschiedene Abteilungen, bin aber auch gleichzeitig für größere Projekte zuständig. Dabei kann ich erste Management-Erfahrungen sammeln und meinen eigenen Führungsstil entwickeln.

Welche Vorteile bietet ein solches Programm?

Um ein Unternehmen erfolgreich führen zu können, ist es wichtig, alle Prozesse in einem Unternehmen gut zu kennen und den Überblick zu bekommen. Denn nur wer alles selbst einmal gemacht hat, kann auch die Herausforderungen eines jeden Arbeitsablaufes in einem Unternehmen verstehen. Seit ich angefangen habe, hat mir jeder Tag neue Erkenntnisse gebracht. Außerdem habe ich schon einige Geschäftsreisen gemacht, die mir Einblicke in die Geschäftsabläufe in anderen Ländern ermöglicht haben.

Wollten Sie schon immer ins Management und welche Ausbildung haben Sie absolviert?

Ich bin von klein auf mit dem Familienunternehmen aufgewachsen und habe von meinem Vater viele Einblicke in die erfolgreiche Unternehmensführung erhalten. Für mich war es deshalb schon immer klar, dass ich einmal in Richtung Business gehen möchte. Daher habe ich auch einen Master in Internationalem Management absolviert.

Ich glaube, dass das Thema Internationalisierung für eine erfolgreiche Zukunft, sowohl für unser Start-Up als auch für das Familienunternehmen, unausweichlich ist. Für mich war es wichtig, ein Studium zu wählen, das sowohl theoretisch als auch praktisch international aufgebaut ist. So habe ich einige Semester im Ausland studieren dürfen und berufliche Erfahrungen in internationalen Firmen sammeln können.

Das Thema Internationalisierung ist für Sie also ein ganz wichtiger Qualifizierungsaspekt?

Ja, durch Erfahrungen im Ausland und den engen Kontakt mit fremden Kulturen können junge Menschen ein weltoffenes Denken in ein Unternehmen einbringen. Bei unserem Start-Up zum Beispiel bietet uns die neue Computertechnik die Möglichkeit, auf zwei Kontinenten gemeinsam an einer Idee zu arbeiten. Obwohl es Zeitunterschiede gibt, ist es fast so, als würden wir in einem Büro miteinander arbeiten.

Was macht für Sie eine gute Führungskraft aus?

Für mich ist es wichtig, dass eine Führungskraft den Mitarbeitern einerseits Kompetenz vorlebt, sie andererseits aber auch durch Anerkennung ihrer Arbeit motiviert und mitreißt.

Wie gehen Sie damit um, dass Sie als junge Frau in einer doch männlich dominierten Branche arbeiten?

Es gibt grundsätzlich keine Männerdomäne, sondern nur Frauen, die sich von Männern dominieren lassen. Natürlich ist auch die Kunststoffbranche, in der unser Familienbetrieb agiert, bisher stark von Männern geprägt. Ich wurde aber von allen Mitarbeitern – Frauen oder Männern – sehr gut aufgenommen und habe viel Unterstützung erfahren. In der Vergangenheit stand ich eher vor dem Problem, dass ich sehr jung aussehe, was es schwierig macht, von Anfang an respektiert zu werden. Ich sehe das jedoch als Herausforderung, um weitere Kompetenzen zu erwerben.

Welche Tipps können Sie jungen Menschen geben, die sich auch für eine Management- bzw. Unternehmerkarriere interessieren?

Es ist wichtig, niemals den Fokus zu verlieren und sich nicht so leicht ablenken zu lassen. Besonders im Start-Up-Bereich gilt das Motto „Fokus, Fokus, Fokus“! Wenn du von einer Idee wirklich überzeugt bist, wirst du auch alles geben, um diese umzusetzen. Flexibilität ist zwar zu einem gewissen Grad notwendig, aber verliere niemals das Ziel vor Augen!