Finanzielle Sicherheit

„Unter Kreditmanagement versteht man die Begleitung des Prozesses der Lieferung oder Leistung an einen Kunden von der Auftragsannahme bis hin zur Zahlung. Oder bei Nichtzahlung im schlimmsten Fall bis zum Insolvenzverfahren“, erklärt Rudolf Keßler, Experte für Kreditmanagement, das gar nicht so neue Phänomen. „Kreditmanagement gibt es, seit es den Tauschhandel gibt.

Auch schon zu Zeiten Jakob Fuggers musste man darauf schauen, wie man nach einer Leistung zu seinem Geld kommt.“ Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die primäre Aufgabe eines modernen Kreditmanagements ist es, finanzielle Sicherheit bei Geschäften zu erreichen.

Wenn ein Unternehmen auf offene Rechnung liefert, ist es die Aufgabe des Kreditmanagers, die Zahlungsfähigkeit des Kunden im Vorfeld zu überprüfen. Und da gibt es zahlreiche Möglichkeiten, an Informationen für eine optimale Risikoeinschätzung zu kommen.

Risikoklassifizierung als Basis

Alles beginnt mit der richtigen und vollständigen Erfassung der Kundendaten. Bei neuen Kunden empfiehlt sich zu Beginn eine Bonitätsprüfung, aufgrund der eine Risikoklassifizierung erfolgt. Je höher das festgestellte Risiko ausfällt, desto niedriger wird das Kreditlimit auf offene Rechnung sein und desto eher wird ein Unternehmer auf Vorauskasse bestehen. „Der Kreditmanager überprüft nicht nur die Zahlungsfähigkeit eines Kunden, auch die Festlegung der Zahlungsbedingungen gehört zu seinem Aufgabenbereich“, stellt der Experte klar.

In der modernen Geschäftswelt, in der immer internationaler gearbeitet wird und viele Unternehmer ihre Kunden nicht mehr persönlich kennen, braucht es einfach andere Informationen und Datenquellen. Bei der Risikoklassifizierung vor Geschäften mit Neukunden empfiehlt sich daher die Nutzung externer Informationsquellen wie etwa Wirtschaftsauskunfteien, die Zugriff auf Unternehmenskennzahlen wie Umsatz, Gewinne/Verluste oder Eigenkapitalquoten haben.

Kreditmanagement als Selbstverständlichkeit

Viele Unternehmer stellen sich die Frage, ob ein Kreditmanagement nur für große Unternehmen Sinn macht oder ob auch Klein- und Mittelbetriebe davon profitieren können. Dazu Rudolf Keßler: „ In Konzernen gibt es ganze Abteilungen für Kreditmanagement. Aber auch kleine Unternehmen machen das ganz selbstverständlich. Oftmals ohne es beim Namen zu nennen. Denn gerade sie müssen vor Abschluss eines Geschäftes checken, ob ein Neukunde bei anderen Firmen schon negativ aufgefallen ist.“

Genau das ist die primäre Aufgabe von Kreditmanagern. Die im Idealfall auch im jeweiligen Unternehmen angestellt sind. „Klar kann man das Kreditmanagement an externe Dienstleister ausgliedern. Im Interesse einer guten Kundenbeziehung ist es aber meiner Ansicht nach  besser, einen internen Kreditmanager zu haben“, erklärt der Experte.

Liquiditätsprobleme vermeiden

Der Beruf des Kreditmanagers ist nicht direkt erlern- oder studierbar. Viele Kreditmanager kommen aus einer Bankenausbildung oder wachsen im jeweiligen Unternehmen mit und bilden sich mit externen Angeboten, etwa zum Certified Credit Controller, weiter. „In den letzten zehn Jahren hat sich das Berufsbild des Kreditmanagers stark weiterentwickelt, der Bedeutung dieser Funktion in einem Unternehmen wird zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt.“

Und das ist laut Keßler auch gut so, denn durch gezieltes Kreditmanagement könnten Liquiditätsprobleme zahlreicher Unternehmen vermieden werden.