Wie hat sich die Kongresslandschaft in den vergangenen Jahren entwickelt?

Mutschlechner: Die Entwicklungen seit Beginn der Kongress-Statistik sind äußerst positiv. Das Bewusstsein der Anbieter und Veranstalter, ein aktiver Teil der österreichischen Tagungsindustrie zu sein, wächst stetig. 2016 verzeichneten wir 19.338 Veranstaltungen. Rund 1,53 Millionen Personen haben an Veranstaltungen in Österreich teilgenommen.

Auf welche Besonderheiten kann sich Österreich als Kongressstandort berufen?

Stolba: Österreich zählt seit Jahren zu den gefragtesten Kongressdestinationen. Zur weltweiten Beliebtheit Österreichs als Veranstaltungsort tragen neben der ausgezeichneten Lage im Herzen Europas vor allem die Innovationskraft der Tourismusunternehmen und die hervorragende Infrastruktur bei.

Wie steht Österreich im internationalen Vergleich da?

Mutschlechner: Das Gesamtpaket in Österreich stimmt: die zentrale Lage in Europa und gut ausgebaute Infrastruktur, die vielfältigen Tagungsmöglichkeiten in den Haupt-, aber auch kleineren Städten und im ländlichen Bereich sowie der Mix aus Geschichte und Moderne. Österreich ist eine beliebte Destination für internationale Kongresse und kletterte im internationalen Kongressranking heuer nach oben.

Was muss verbessert werden, um die Kongresslandschaft für die Zukunft fit zu machen?

Stolba: Bei der digitalen Infrastruktur und neuen Veranstaltungsformaten ist es wichtig, immer am Ball zu bleiben – auch wenn uns internationale Studien bescheinigen, dass wir hier ganz vorn mitspielen.

Welche Städte sind bei Kongressen vorn? Was sind beliebte Veranstaltungsorte?

Mutschlechner: Mit einem Anteil von knapp 30 Prozent aller Kongresse liegt Wien auf Platz 1. Salzburg folgte 2016 mit rund 17 Prozent. Das Spektrum an möglichen Veranstaltungsorten in Österreich reicht von modernen sowie historischen Kongresszentren über Tagungshotels bis hin zu Universitäten, Palais und Museen.

Warum ist Österreich Ihrer Ansicht nach der perfekte Tagungsstandort?

Stolba: Wir haben ein einzigartiges, vielseitiges Angebot – sowohl für nationale und internationale Großkongresse als auch für kleine Seminare. Zusätzlich stärken unsere professionellen Gastgeber und Dienstleister das heimische Tagungssegment.

Gibt es thematische Schwerpunkte für Kongresse in Österreich?

Mutschlechner: Die meisten Kongresse werden in den Bereichen Wirtschaft und Politik, Humanmedizin und Geisteswissenschaften abgehalten. In den vergangenen fünf Jahren haben wir zudem beachtliche Anstiege an Veranstaltungen zu den Themen Technik sowie IT und Kommunikation festgestellt. 

Wie sehen Sie den Einfluss der fortschreitenden Digitalisierung?

Stolba: Integrierte Systeme führen Messaging, Telefonie sowie Videokonferenzen auf einer Plattform zusammen und verändern damit auch die Veranstaltungsformate der Zukunft. Meetings können zunehmend online abgewickelt werden, Veranstaltungen über Live-Streams vom Büro aus verfolgt werden – dennoch gehen wir davon aus, dass der persönliche Austausch auch in Zukunft von Bedeutung sein wird.

Welche weiteren Trends erwarten Sie für die Entwicklung des Kongressgeschäfts?

Mutschlechner: Generell beobachten wir folgende Entwicklungen: Die Anfragen werden kurzfristiger, die Angebote müssen individualisierter sein. Die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen rücken immer stärker in den Vordergrund und müssen in das Gesamtkonzept Kongress aufgenommen werden. Dabei kommen interaktive Kongressformate verstärkt zum Einsatz, die die Teilnehmer involvieren und aktivieren, um Wissenstransfer nachhaltiger zu gestalten.

Wie unterstützen Sie diese Entwicklung durch Werbung im Ausland?

Stolba: Neben der Präsentation Österreichs auf großen internationalen Convention-Messen setzen wir auf Medienkooperationen mit relevanten Leitmedien. Zusätzlich werden in Abstimmung mit den Convention Bureaus jedes Jahr einige Städte in Europa ausgewählt, in denen wir exklusive Events für Buyer organisieren.