Wir leben heute in einem Event-Zeitalter, meint Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Österreich und Experte in dieser Thematik: „Menschen machen Events aus allen Lebenslagen: Die Graduierung, die Geburt des Kindes, das neue Auto... Damit könnte man sagen, dass wir als Konsumenten einerseits Event-verwöhnt und andererseits vielleicht sogar Event-verstört sind“.

Was wir in den kommenden Jahren als Event bezeichnen, müsse also mehr sein als der simple Versuch einer Veranstaltung mit Lachs-Brötchen und Sekt, so der Experte. „Events müssen Inhalte haben, intensiv sein und es schaffen, den Alltag auszublenden. Aber genau dies ist schwieriger geworden, weil der Alltag eine Aneinanderreihung von Events ist. Und weil intensiv nicht gleichzusetzen ist mit laut und aufwendig“.

Entscheidend ist die Idee

Es kommt auf die richtige Idee an, auf den Kern des Events, er muss die Menschen berühren. Dann kann es auch einmal etwas sehr Stilles sein, das gut funktioniert und erfolgreich ist, weiß Gatterer. Und welche neuen Trends kommen auf uns zu?

Harry Gatterer
Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Österreich

„Selbstorganisierte Events, wie das Kochen in fremden Küchen oder so genannte Swap-Parties, auf denen Kleider getauscht werden zum Beispiel. Oder auch Pop-Up-Events, rund um Pop-Up-Stores, sind Teil einer neuen Eventkultur. Wie überhaupt die Verknüpfung von Verkauf im Einzelhandel und Event noch viel stärker wird. Weil das Konsumverhalten sich ändert und Gelegenheiten wichtiger werden als klassische Bedürfnisse“.

Ob die Metapher 2.0 dabei nicht immer hinfälliger wird? „Eigentlich ja, weil sie nämlich die Idee transportiert, etwas entwickle sich weiter. Vielmehr kommen aber neue Ideen und Konzepte daher, die es vielfach so noch nicht gab. Kurzum: In fast allen Bereichen des Lebens gibt es Möglichkeiten des Eventisierens; kluge Köpfe werden dies nutzen. “

Events finden uns

Wie wichtig ist das Web 2.0, wie bedeutend sind soziale Netze? Wenn ich heute dort etwas empfehle, ist es dann nicht morgen schon vergessen? Und wie viele Mitarbeiter brauche ich, um professionell zu sein, schaffe ich das allein? Gatterer: „Die Digitalisierung verändert unseren Alltag massiv. So lernen wir gerade erst, mit der Masse an Informationen und Möglichkeiten umzugehen. Im Moment ist es aber noch eine Stress-Phase – was bedeutet, nicht alles, was im Web geschieht, ist automatisch erfolgreich. In Zukunft werden wir als Konsumenten kaum nach Events suchen, denn diese werden uns finden. Und dies geschieht dann hauptsächlich über die entsprechenden Social Media Kanäle.

Bis man das jedoch generalisieren kann, ist noch ein weiter Weg zu gehen. Gleichzeitig gilt es auch zu lernen, Events nicht zu „überdigitalisieren“. Wer auf einem Event ist, sollte sich nicht fühlen wie ein Statist fürs Web, dem permanent Kameras und Mikrofone im Wege stehen. Event-Organisatoren müssen darauf achten, nicht nur ein Online-Team zu installieren, Vielmehr ist ein Real-Digital-Team vonnöten. Also eine Gruppe von Menschen, die es gut versteht, eine Verbindung zwischen der Online- und der Offline-Welt hinzubekommen.

Content-Choreographen

Die meisten Menschen wollen sich heutzutage nicht mehr nur berieseln lassen. Sie wollen etwas erleben, sie wollen Geschichten hören, andererseits werden sie von Informationen überschwemmt. Wie wird das in der Zukunft aussehen? „Man braucht eine gute Geschichte“, so Gatterer. Und Mut zur Reduktion anstelle der berühmten Bomben und Granaten, die aus allen Rohren feuern. „Meisterhaft sind Events, die es schaffen, Menschen zu berühren durch echte und tiefe Erlebnisse.

Das kann dann auch gern ein Casting sein, oder nur eine Lesung. Jede Veranstaltung braucht demnach einen Kurator, Autor, Content-Choreographen: Also jemanden, der nicht nur für den Ablauf und die Organisation verantwortlich ist, sondern für den Inhalt. Und eines ist gewiss: Je mehr wir ins Digitale abdriften, desto schwieriger fällt es uns, berührende Inhalte und Geschichten zu entwickeln. Genau dort liegt aber das Potential. Wer das erkennt und umsetzt, dem werden Events gelingen – heute und morgen, egal ob offline oder online“.