Was versteckt sich denn hinter dem scheinbaren „Modewort“ Burnout?

Burnout ist kein Modewort! Dieser Begriff taucht schon seit den 1970er-Jahren auf, nur wird heute häufiger medial darüber publiziert. Die Symptomatik, die sich hinter Burnout versteckt, hat man früher auch als Manager-Krankheit bezeichnet.

Heute wissen wir natürlich, dass nicht nur Manager unter solchen Symptomen leiden, sondern insgesamt Menschen, die vielseitige Belastungen haben, sehr pflichtbewusst sind, ihre Aufgaben erfüllen und sich selber dabei übersehen. Diese Belastungen können sowohl im Berufsleben, in der Freizeit als auch im familiären Umfeld entstehen. Burnout ist keine rein aus Arbeit resultierende Diagnose!

Warum ist Burnout überhaupt so omnipräsent? Welche Ursachen liegen hier zugrunde?

Über den Begriff Burnout bin ich glücklich und unglücklich zugleich. Die positive Seite ist, dass man sich unter „ausgebrannt sein“ sehr rasch etwas vorstellen kann. Dadurch wird der Begriff auf einmal besprechbar. Früher hat man sich dafür geschämt, weil man nicht sagen durfte, dass man erschöpft oder depressiv sei!

Die negative Seite ist, dass jeder, der einmal unter einer bestimmten Anspannung und Belastung steht, sagt, er oder sie habe ein Burnout. Das stimmt so nicht! Das Leben besteht aus Anspannungs- und Entspannungsphasen. Das ist etwas ganz Wichtiges! Jeder hat Phasen der Anspannung – das ist grundsätzlich auch kein Problem, wenn eine Phase der Entspannung folgt. Wenn das nicht passiert, komme ich früher oder später in eine Überlastung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Burnout?

Das hängt davon ab, in welchem Burnout-Stadium sich PatientInnen befinden. Bei einer beginnenden Überlastung reichen oft einfache Situationsanalysen, um Entlastung schaffen zu können. Wenn man im Vollbild eines Burnouts ist, dann braucht es ein multidimensionales Therapieangebot. Das bedeutet natürlich eine medikamentöse Therapie und eine deutliche Verhaltensmodifikation. Oft ist genau diese Verhaltensänderung ganz schwierig. Man muss sich überlegen, welche Aufgaben man im Berufsleben und innerhalb der Familie abgibt.

Welche Therapieansätze gibt es noch?

Wenn man von den Reha-Kliniken ausgeht, gibt es natürlich ein sehr breites Angebot, wie zum Beispiel psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapien, Ergotherapie, Bewegungseinheiten, kreative Inhalte und vieles mehr. Ganz wesentlich sind auf jeden Fall Aufmerksamkeitsübungen.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Einfach einmal die Umgebung wieder wahrzunehmen, zu schauen, zu riechen, zu fühlen und nicht nur zu funktionieren. Wirklich auf das zu fokussieren, was man gerade tut, und nicht immer alles nur nebenbei zu machen. Es kann Situationen geben, wo das erforderlich ist, aber nicht auf Dauer – es ist alles eine Frage der Dosis! Deshalb ist auch die Burnout-Prävention so wichtig!

Haben Sie dazu für unsere LeserInnen vielleicht eine Empfehlung?

Ich denke, man sollte darauf achten, sich einmal in der Woche Zeit zu nehmen und sein eigenes Handeln zu reflektieren. Wo kann ich Kraft schöpfen, wo waren meine „Tankstellen“ und wie sieht es nächste Woche aus? Man kann sich diese Zeit ganz bewusst nehmen oder etwa bei einem warmen Entspannungsbad darüber nachdenken. Rennen Sie nicht Ihr ganzes Leben wie in einem Hamsterrad!