DI Johannes Göllner MSc,
Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Risiko- und Krisenmanagement

Schwer einschätzbare Risiken

In einer immer komplexer werdenden Welt tun sich auch immer komplexer werdende Risiken und Gefahren auf, egal ob beruflich oder privat. Um diese neu aufkommenden Risiken, Emerging Risks genannt, abschätzen zu können und so gut wie möglich planbar zu machen, sollte man darüber Bescheid wissen. „Beim Thema Emerging Risks geht es primär darum, dass in unserem Alltag neue und schwer abschätzbare Risiken entstehen können, die mangels Erfahrungswerten nicht vorhersehbar und nicht versicherbar sind“, erklärt MMag. Dipl.-Ing. DDr. Thomas Benesch, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler und erklärter Experte auf dem Gebiet der Emerging Risks. „Wenn es um neue Ereignisbilder geht, zu denen keine Erfahrungswerte und Statistiken existieren, kann man Eintrittswahrscheinlichkeiten und Schadenspotentiale schwer vorhersehen“, fügt Dipl.-Ing. Johannes Göllner, Vorsitzender des Zentrums für Risiko- und Krisenmanagement in Wien, an.

Einheitliche Standards schaffen

Wir leben in einer Welt, in der zahlreiche Versorgungsketten wie etwa die Strom- und Wasserversorgung, die Nahrungsmittelversorgung oder Mobilfunknetze voneinander abhängig sind. Diese stetig steigende Komplexität führt zu neuen Problem-/Fragestellungen. „Die heute üblichen Interaktionen zwischen zahlreichen Supply-Chains führen dazu, dass Emerging Risks so komplex werden. Die früher  noch lineare Ursache-Wirkungskette ist heute einfach nicht mehr gültig“, stellt Dipl.-Ing. Göllner klar. Auch die Interaktion von Emerging Risks z.B. in Relation zu Smart Solutions  könnten neue Risikooptionen beinhalten. Dadurch stellt sich auch das Problem der nicht vorhandenen Rechtsvorschriften. „Wenn wir keine Schadenserfahrungen haben, wie können wir dann feststellen, wann eine Ursache eine bestimmte Wirkung nach sich zieht“, wirft DDr. Benesch ein. Dieses Problem wird seit einigen Jahren durch Repräsentanten nahezu aller Industriesparten aufgegriffen, weiß Dipl.-Ing. Göllner zu berichten: „Das Interesse zahlreicher Unternehmen ist vorhanden, unternehmensübergreifende Standards zu schaffen, in denen bestimmte Ereignisbilder und Risiken weitergegeben und in Abhängigkeit zueinander gesehen und bewertet werden können.“

DDr. Thomas Benesch MBA,
CEO & Partner Master Mind Consulting Risk & Crisis GmbH

Emerging Risks klassifizieren

Ein weiteres, stark diskutiertes Thema auf dem Gebiet der Emerging Risks ist die Abkehr von der Zentralität hin zur Dezentralität, um im Schadensfall nur mit kleineren Ausfällen zu kämpfen zu haben. „Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens eines Problemfalls kann nicht verhindert werden, aber die Schadensauswirkungen schon“, so Dipl.-Ing. Göllner. „Wir können nicht wirklich abschätzen, welche Auswirkungen ein Ausfall der für uns alle wichtigen Basisinfrastruktur wie etwa der Stromversorgung  auf höher gelagerte Prozesse wie etwa den Gesundheitsbereich, der Ressourcen-/Rohstoffversorgung oder Nahrungsmittelversorgung hat. Diese Auswirkungen möchte man nun erfassen.“ In der Prävention, um Emerging Risks gar nicht erst aufkommen zu lassen, versucht man sie auf zwei bis drei Faktoren zu beschränken. „Dabei betrachten wir uns die Wahrscheinlichkeit des Eintretens und die Auswirkung im Fall der Fälle. Mit diesen beiden Dimensionen versucht man die Emerging Risks zu klassifizieren“, erklärt DDr. Benesch abschließend.