„Recruiting wird oft nicht die Aufmerksamkeit beigemessen, die es haben sollte. In manchen Firmen wird es von MitarbeiterInnen Anfang zwanzig erledigt. Die bringen zwar eine gute Ausbildung, nicht aber die nötige Erfahrung mit“, sagt Cornelia Dankl, Obfrau des HR-Circle. Gerade die Besetzung der Recruiting Position selbst nimmt Einfluss auf folgende Personalentscheidungen.

Ob eine solche Stelle im Unternehmen überhaupt existiert, hängt von dessen Größe ab. Aufgrund des Trends zu schlanken Organisationen gibt es in klein- und mittelständischen Unternehmen oft keine eigene Personalabteilung. Gilt es dann insbesondere Schlüsselpositionen zu besetzen, ist es sinnvoll, externe RecruiterInnen hinzuzuziehen.

Internationalisierung des Recruitings

In der wirtschaftlich angespannten Lage verfügen viele KMUs nicht über die Ressourcen, die Flut an Bewerbungen, die eine Stellenausschreibung nach sich zieht, zu bewältigen. Bei anderen Berufen macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. „Im „War for Talents“ machen ausgelagerte RecruiterInnen oft den Unterschied aus. Sie verfügen über Expertise und finden potentielle MitarbeiterInnen, an die man über herkömmlichen Weg nicht herankommen würde“, so Dankl.

Die Expertin gibt zu bedenken, dass die Ursachen im Bildungssystem begründet liegen und nicht alleinig durch intensiveres Recruiting abzufedern sind: Headhunting und die Internationalisierung von Recruiting-Prozessen gewinnen aktuell an Bedeutung. Viele junge Menschen aus Süd- und Osteuropa, vor allem AkademikerInnen, zeigen eine hohe Mobilitätsbereitschaft. Auf der Suche nach Beschäftigung zieht es sie nach Nord- und Mitteleuropa, darunter auch Österreich.

Ältere ArbeitnehmerInnen verfügen über wertvolle Erfahrungen

Der demographische Wandel ist im Bewusstsein der Unternehmen noch nicht restlos angekommen. Deren Verhalten beschreibt Dankl als widersprüchlich: „MitarbeiterInnen sollen jung und vital, gleichzeitig auch sehr erfahren sein. Die ArbeitnehmerInnen der Gruppe 50-Plus besitzen diese Erfahrung, haben aber aufgrund des Jugenddiktats Probleme, sich am Arbeitsmarkt durchzusetzen.“

Der Altersunterschied zwischen den oft sehr jungen RecruiterInnen und dieser Altersgruppe wirkt sich oft negativ auf deren Bewerbungschancen aus. „Das ist schade, denn damit wird enorm viel Potential in alle Himmelsrichtungen verschenkt. Gerade die Berufserfahrung älterer Arbeitnehmer kann ein erfolgreiches Navigieren durch die Krise unterstützen. Eine gute Mischung aus unterschiedlicher Erfahrung und Alter ist die Basis für erfolgreiche Teamarbeit“, so die Expertin.

Gutes Personal, geringeres Risiko

„Wer die richtige, seinen Kompetenzen und seiner Leistungsfähigkeit entsprechende Position bekleidet, läuft deutlich seltener Gefahr, ein Burn- oder Bore-Out durchzumachen“, erklärt Dankl die Bedeutung von gelungenem Recruiting. Die psychische Gesundheit der ArbeitnehmerInnen gilt als entscheidend für den Unternehmenserfolg und gewinnt im Human Ressource Management an Bedeutung.

Psychische Erkrankungen führen zu langfristigen Ausfällen oder der Abwanderung von MitarbeiterInnen. „Wenn man die richtigen MitarbeiterInnen an den richtigen Positionen hat, hat man schon viele Aspekte des Risikomanagements abgedeckt“, sagt Dankl. In diesem Zusammenhang ist auch eine strukturierte Wissenstransfer-Methodik unabdingbar, die regelt, wie Wissen in der eigenen Unternehmung identifiziert, strukturiert und auch in Umbruchsituationen in der Organisation erhalten bleibt. In der Praxis sieht sie aber einen gewissen Nachholbedarf: „Risikomanagement ist genau wie das Bewusstsein für Recruiting als erfolgskritischer Schlüsselfaktor noch nicht in allen Firmen angekommen.“