Wer gern fernsieht und gute TV-Serien schätzt, der wird in ihnen mehr als nur Unterhaltung betrachten. Zu Recht, denn gerade bei mehrjähriger Laufzeit wird die „Soap“ zum zeitgeschichtlichen Dokument.

In ihr spiegelt sich wieder, was sich über die Jahre etwa in den Bereichen Technik oder Mode verändert hat. War es etwa 2002 in einer Serie noch eine Erwähnung wert, dass jemand ein einfaches Handy besitzt, so wäre es heute nur dann Thema, wenn die Figur als einzige kein Smartphone besitzt.

Einen vergleichbaren Wandlungsprozess machten die sogenannten Directors-and-Officers-Versicherungen, kurz D&O-Versicherungen – nur über einen deutlich längeren Zeitraum. Die ersten Ideen zu einer derartigen Versicherung kamen bereits vor dem ersten Weltkrieg in Europa auf, es sollten allerdings noch einige Jahrzehnte vergehen, bis die Zweckmäßigkeit allgemein erkannt wurde.

Als es Mitte der 1980er Jahre in den USA zu erheblichen Ansprüchen gegenüber Managern kam, setzte sich dieser Versicherungszweig in einem breiten Markt durch und fand auch international Beachtung. Etwa seit der Jahrtausendwende sind D&O-Versicherungen im breiten Bewusstsein der Wirtschaftstreibenden angekommen und aus dem modernen Geschäftsleben nicht mehr wegzudenken.

Was aber genau versteckt sich hinter diesem Begriff?

Bei einer D&O-Versicherung handelt es sich im Wesentlichen um eine Managerhaftpflichtversicherung. Sie deckt Organe wie Vorstand, Geschäftsführung oder Aufsichtsrat sowie leitende Angestellte einer Gesellschaft gegen Haftpflichtansprüche, die sich aus der Organtätigkeit heraus ergeben könnten.

Hierbei spricht man von einem Innenanspruch, wenn etwa Eigentümer eines Unternehmens Ansprüche gegenüber Organen erheben. Vier von fünf realen D&O-Fällen entfallen auf diese Innenansprüche, der Rest auf sogenannte Außenansprüche, etwa von Gläubigern.

Zwar, so erklären Experten, sind die meisten Ansprüche nicht gerechtfertigt. Trotzdem oder gerade deswegen ist Vorsorge ratsam, da eine gute D&O-Versicherung auch die Kosten für hochspezialisierte Anwälte übernimmt. Diese „wirtschaftliche Lebensversicherung“ für Manager schützt das Privatvermögen des Betroffenen – Schadenersatz und persönliche Haftung sind die Argumente, warum eine D&O-Versicherung mit Sicherheit keine Übervorsicht darstellt.

Auch für Selbstständige sind Managementhaftpflichtversicherungen heute relevant. Schließlich existieren nicht selten Partnerschaften, wo ein Teil als „Managing Partner“ oder „Geschäftsführender Gesellschafter“ fungiert. Auch hier können schnell für den Betroffenen sehr schmerzhafte Ansprüche entstehen.

Kleine Unternehmen können bereits eine Versicherungssumme ab einer Million Euro haben, man wäre hier oft sogar noch im dreistelligen Prämienbereich. Österreichs ATX-Konzerne haben eine durchschnittliche Versicherungssumme von rund 50 Millionen Euro. Etwaige Gerichtsstreitigkeiten führen blitzartig zu exorbitanten Anspruchssummen.

Besonders intensiv sollten speziell Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 20 Millionen Euro nachdenken – aber auch solche, die zwar weit darunter liegen, aber mit Fremd- oder Risikokapital arbeiten. In diesen Bereichen gilt besonders: Wer sich absichert, der lebt geschützter – vor eigener und fremder Unprofessionalität.