Fast jeder dritte Arbeitnehmer fühlt sich zumindest leicht Burnout-gefährdet, wie eine aktuelle Umfrage der Arbeiterkammer Oberösterreich ermittelte. Eine Erkrankung lässt sich jedoch verhindern, wenn man nur frühzeitig genug eingreift. Ein bewährtes Gegenmittel ist Supervision, eine Form der Beratung und Unterstützung für MitarbeiterInnen.

„Supervision läuft in Form von Besprechungen mit den MitarbeiterInnen ab“, erklärt Wolfgang Knopf, Experte für Supervision und Coaching. „Dabei leitet ein qualifizierter Supervisor die TeilnehmerInnen dazu an, über ihre beruflichen Aufgaben, Rollen und Konflikte nachzudenken und Lösungen für Probleme zu finden.“

Menschen und Strukturen

Denn Burnout ist ein Problem des Zwischenmenschlichen. Knopf sagt es noch deutlicher: „Burnout ist in Firmen oft ein Wechselspiel zwischen Menschen und Arbeitsstrukturen.“ Stress und letztendlich Burnout entstehen meist nicht durch ein Übermaß an Arbeit an sich, sondern durch eine ungünstige Organisation der Arbeit und durch ein verbesserungswürdiges Betriebsklima. Bei einer Umfrage des Market-Instituts im Auftrag der Allianz-Versicherung nannten nur 5 Prozent der Befragten die Überstunden als Ursache für Stress, aber immerhin 13 Prozent geben das Betriebsklima als Stressfaktor an.

Genau hier, bei Organisation und Betriebsklima, kann Supervision Probleme lösen. Andrea Sanz, Dozentin und Buchautorin zu Supervision und Burnout, gibt ein typisches Beispiel: „Supervision trägt zur Vorbeugung von Burnout bei. Wenn es darum geht, nicht selbst unter die Räder zu kommen, weil die vorgegebenen Ziele unerreichbar oder die Ressourcen mangelhaft sind, soll man Abstand gewinnen.

Das passiert in der Supervision, indem wir gemeinsam mit den KlientInnen darüber nachdenken, wie sie ihre Aufgabe in Loyalität zur Organisation gewissenhaft bewältigen können, ohne sich dabei zu verausgaben.“ Die Beratung darf aber nicht so verstanden werden, dass das Problem dann beim einzelnen Mitarbeiter hängen bleibt, wie Sanz mit Nachdruck anmerkt: „In der Supervision ist sehr wichtig, die Ergebnisse des Prozesses den Verantwortlichen im Unternehmen zurückzuspielen. Es handelt sich ja auch um wertvolle Erkenntnisse.“

Frühzeitig gegensteuern

Babak Kaweh, Unternehmensberater, Dozent und Supervisor in Wien, beobachtet ein wachsendes Problembewusstsein bei den Unternehmen. „Das Bewusstsein steigt, allerdings unterschiedlich je nach Land und Unternehmensgröße. In Deutschland besteht bereits ein viel höheres Bewusstsein als in Österreich. Und in beiden Ländern haben Start-ups eine wesentlich größere Sensibilität für das Thema als große Unternehmen.“

Am besten sollten Unternehmen, wie Kaweh betont, Supervision schon möglichst früh einsetzen. „Man sollte mehr in die Prävention investieren als in die wesentlich aufwendigere und dadurch kostenintensivere Nachversorgung der MitarbeiterInnen.“

Ein voll entwickeltes Burnout-Syndrom ist für alle Beteiligten ein Drama. Betroffene MitarbeiterInnen leiden schwer, über viele Monate hinweg. Den Unternehmen entsteht Schaden durch lange Krankenstände, wertvolle MitarbeiterInnen fallen aus. Eine rechtzeitige Supervision ist jedoch ein einfaches und wirksames Gegenmittel, das die Gesundheit der MitarbeiterInnen erhält.