Bei Burnout wird immer öfter von einer Volkskrankheit gesprochen. Wie viele Menschen sind in Österreich akut betroffen bzw. gefährdet?

Verschiedenen Studien zufolge kann man davon ausgehen, dass bereits 19 bis 25 Prozent der arbeitenden Bevölkerung Österreichs an wesentlich erhöhten Burnout-Symptom-Werten leiden. Diese Zahlen zeigen meiner Meinung nach bereits sehr deutlich, wie weit wir uns verirrt haben. Burnout ist eine ganz klare Folge unserer heutigen Art zu arbeiten, zu leben, zu sein. Wir müssen als Gesellschaft, als System diese Verirrungen erkennen und auch beseitigen.

Wo liegen von Ihren Erfahrungen ausgehend Hintergründe und Ursachen für ein Burnout?

Man glaubt gern, dass die Ursachen vielfältig sind, das scheint aber nur auf den ersten Blick so zu sein. Burnout hat eigentlich immer mit extremen Druck und hohem Stress zu tun, dem man von beruflicher und/oder privater Seite über viele Jahre hinweg ausgesetzt ist. Dazu kommt oft, dass man das, was man tut, als sinnlos empfindet.

Man merkt, dass man gegen Windmühlen ankämpft und keine Chance zur Veränderung hat. Das man vielleicht sogar Vorschläge und Ideen hat, wie es besser funktionieren könnte, unabhängig davon, ob im Beruf, der Familie oder anderswo, man aber nicht gehört, sondern belächelt, kritisiert, denunziert und/oder gemobbt wird.

Wie kann die Gesellschaft Krankheiten wie Burnout, Depressionen oder Stress entgegenwirken?

Die Gesellschaft sollte einmal stehen bleiben. Wenn es uns wirklich dauerhaft besser gehen soll, dann sollten wir einmal aufhören, durch unser Leben zu hasten und stattdessen tief durchatmen und überlegen: Was tun wir eigentlich auf dieser Welt? Was ist der Sinn unseres Lebens? Liegt der darin, sich beruflich Tag und Nacht aufzuopfern, zu funktionieren und irgendwelchen Idealbildern zu entsprechen? Natürlich gehört Arbeit zum Leben dazu, aber wir haben das Maß total aus den Augen verloren.

Wir laufen Gefahr, durch diesen extremen Druck, der heute von allen Seiten auf uns einströmt, auszubrennen. Und das ist ganz sicher nicht der Sinn des Lebens. Da wäre es einmal sinnvoll, seinen Hausverstand einzuschalten und anzuerkennen, dass das nicht zielführend ist.

Sie verweisen immer wieder darauf, wie wichtig Früherkennung und Prävention sind. Was muss dabei die Gesellschaft tun?

Die beste Prävention ist Aufklärung! Informationen zur Verfügung zu stellen und Bewusstsein zu schaffen, ist dabei das Wichtigste. Das muss auch in die Unternehmen getragen werden, um dort klarzumachen, dass die MitarbeiterInnen tatsächlich das Kapital des Unternehmens sind und es einer Firma nur dann gut gehen kann, wenn es den MitarbeiterInnen gut geht! Speziell in großen Firmen herrschen aber oft Arbeitsverhältnisse, die an modernes Sklaventum erinnern.

Da geht es nur noch um Macht und Geld. Das ist eine vollkommene Fehlentwicklung, die es zu erkennen gilt. Solche Systeme sind zum Scheitern verurteilt, aber es gibt Lösungen und das ist das Schöne daran. Dafür sind aber Aufklärung und Information notwendig. Deshalb gehe ich mit diesem Thema an die Öffentlichkeit, in Unternehmen, um Lösungen anzubieten; suche Kooperationspartner, um Krankheiten wie Burnout und Depressionen entgegenzutreten und vorzubeugen.

Wie kann man als BetroffeneR mit Burnout umgehen?

Anfangs gibt es noch eine Phase, in der man noch reagieren kann, wenn man um die Symptome weiß, sie ernst nimmt und das Erforderliche verändert. Aber es kommt dann die Phase, in der man nicht mehr selber gegensteuern kann und man wie bei einer Spirale immer weiter nach unten gezogen wird. Um das zu verhindern, ist es besonders wichtig, sich jemandem anzuvertrauen, sei es dem Lebenspartner, einem guten Freund, einem Arzt oder Therapeuten, das ist vollkommen egal.

Wichtig ist, darüber zu sprechen und sich einzugestehen, dass es einem in der derzeitigen Situation nicht gut geht und man sich in die falsche Richtung entwickelt. Das ist wichtig zu akzeptieren, denn wenn man das nicht tut, gibt es keine Heilung. Je offener, ehrlicher man mit dem Krankheitsbild umgeht, desto besser ist es für einen selbst, aber auch für die Familie. Man ist kein Verlierer, wenn man Hilfe in Anspruch nimmt, ganz im Gegenteil. Genau dafür sind Ärzte, Therapeuten, Krankenhaus, Reha-Kliniken, Familie, Freunde da!

Wie ist es Ihnen persönlich gelungen, mit der Krankheit Burnout umzugehen und wieder gesund zu werden?

Bei mir war das Entscheidende, vom Stress wegzukommen (auch vom positiven, den es meiner Meinung nach nicht gibt) und dabei auf meine Intuition zu hören und nicht auf meinen Verstand. Ich habe mich bewusst zurückgezogen und den Bezug zur Natur gesucht. Stille und Ruhe haben mir bei der Heilung sehr geholfen.

Ich habe als Senner auf einer Alm gearbeitet, da habe ich erkannt, wie wenig der Mensch braucht, um glücklich leben zu können. Noch heute ist es mir wichtig, dass ich mir regelmäßig solche Auszeiten gönne. Was ich getan habe, das kann jeder tun. Jeder kann aus seinem Burnout, seiner Depression, seiner Lebenskrise wieder herauskommen und ein neues, ein besseres Leben finden!