Biokunststoff – ein Begriff, dessen zwei Wortteile im ersten Moment nur wenig miteinander zu tun haben. Wie passen „bio“ und „Kunststoff“ zusammen?

Das stimmt! Im Deutschen verbinden wir mit „bio“ hauptsächlich Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft. Biokunststoffe hingegen sind Kunststoffe, die auf Basis von nachwachsenden Rohstoffen gefertigt werden oder biologisch abbaubar sind. Im besten Fall besteht ein Biokunststoff aus Pflanzen und kann sich selbst zersetzen. Andere „weniger gute“ Biokunststoffe hingegen lassen sich zwar biologisch abbauen, werden aber dennoch auf Basis von Erdöl hergestellt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit Biokunststoffen zu arbeiten?

Ich habe vor einigen Jahren den Film "Plastic Planet" gesehen. Kurz darauf wurde ich aktiv mit dem Thema Tragetaschen konfrontiert. Wir haben hier schlichtweg sowohl den Bedarf als auch den Nutzen gesehen. Auch wenn es das Thema schon länger gibt – der richtige Hype um Biokunststoffe hat erst in den letzten Jahren begonnen.

Das Thema bekam nicht zuletzt massiven Auftrieb durch die Medien und die sozialen Online-Plattformen, die beinahe täglich über das weltweite Plastik-Problem berichten. Damals haben wir die Idee geboren, eine Alternative zu konventionellen Kunststoffen herzustellen, und haben uns zum Ziel gesetzt, die nachhaltigste Mehrwegtragetasche der Welt zu produzieren.

Wie genau kann man sich Biokunststoff vorstellen?

Es gibt nicht nur einen Biokunststoff, sondern viele verschiedene. Wir beschäftigen uns mit PLA – das steht für Polylactic Acid. PLA ist eine polymerisierte Milchsäure, die in unserem Fall aus gentechnikfreien Pflanzen gewonnen wird. Nach ihrer Verwendung können PLA-Produkte entweder kompostiert oder gar für die Energiegewinnung genutzt werden.

Der große Vorteil dabei ist, dass PLA-Produkte bei ihrer Entsorgung nicht mehr CO2 ausstoßen, als die Pflanze zuvor durch Fotosynthese aufgenommen hat. Den CO2-Ausstoß durch Vermeidung fossiler Rohstoffe zu reduzieren, ist vor allem in Anbetracht der zunehmenden globalen Erwärmung von elementarer Wichtigkeit.

Sie haben damit bereits die Vorteile angesprochen. Wofür kann man PLA nun gezielt verwenden?

Neben unseren Mehrwegtragetaschen existiert auch ein großer Markt für PLA-Einwegprodukte, wie beispielsweise Getränkebecher oder Essbestecke. PLA ist aber auch ein guter Rohstoff für Produkte, die stärker, fester oder gar hitzeresistent sein müssen, wie zum Beispiel im 3D-Druck. PLA findet man auch in Matratzen, Damenhygieneartikeln und mittlerweile auch industriellen Anwendungen zur Verbesserung der CO2-Bilanz von Gebrauchsgütern wie Autos etc.

Gerade beim Thema Plastiksackerl entscheiden wir uns bei unseren Einkäufen tagtäglich dafür oder dagegen. In vielen Ländern ist das konventionelle Plastiksackerl ja auch schon verboten.

Genau. Bei den Plastiksackerln hat beinahe jedes Land andere Voraussetzungen. Vor allem in Ländern, in denen es keine gute Müllsammlung gibt und wo die Gefahr groß ist, dass die Plastiksackerl im Meer landen, gibt es mittlerweile sogar strikte Verbote von nicht abbaubaren Kunststoffen.

Der Einsatz nachhaltiger Rohstoffe und die Reduktion von Einwegprodukten sind Teil der Lösung.

Andere Länder, in denen es eine gute Müllsammlung und -trennung gibt, drängen – teils auch gesetzlich – verstärkt zu nachhaltigen Alternativen, die nicht nur kompostierbar, sondern auch zum größeren Teil aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt sind. Damit bestreben diese Länder, durch Biokunststoffe auch CO2-Emissionen zu senken.

Die beste Alternative ist und bleibt meines Erachtens jedoch in jedem Fall die Verwendung von Mehrwegtragetaschen. An dieser Stelle ein Lob an Österreich: Wir sind weltweit tätig mit unseren nachhaltigen Tragetaschen, jedoch kenne ich kaum ein Land, in dem Händler so offen sind für ökologische Alternativen wie in Österreich.

Stichwort Kreislaufwirtschaft: Finden Sie sich da mit Ihrem Unternehmen wieder?

Um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Wenn teure Rohstoffe unter massivem Energieaufwand gewonnen werden, bin ich ein Befürworter der Kreislaufwirtschaft. Recycling ist aber in vielen Fällen leider nur ein Marketing-Gag und verleitet Konsumenten dazu, guten Gewissens noch mehr Einwegprodukte zu verwenden, besonders wenn man bedenkt, dass nur ein sehr geringer Teil davon jemals wirklich recycelt wird.

Viel sinnvoller wäre es, Einwegprodukte zu verringern, vor allem, wenn diese aus fossilen Rohstoffen bestehen. Fossile Rohstoffe werden energieintensiv gefördert und verarbeitet, um am Ende meistens nach nur kurzer Verwendung verbrannt zu werden. Hierbei entstehen enorme Mengen an neuem CO2.  Biokunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen stellen dazu sicher eine nachhaltigere Alternative dar: Sie können helfen, CO2-Emissionen zu verringern – für eine bessere Zukunft für die kommenden Generationen.