Trotz aller politischer Willensbekundungen, mehr Güter auf die Schiene oder das Binnenschiff zu verlagern, muss man realistisch bleiben: Das Rückgrat des Güterverkehrs ist und wird trotz einer in Österreich starken Schiene der Straßenverkehr bleiben. EU-weit ist das nicht anders. Denn auch Schiene und Schiff benötigen den Straßenverkehr.

Im Sinne einer intelligenten, intermodalen Verkehrsinfrastruktur müssen die jeweiligen Stärken und spezifischen Vorteile der einzelnen Verkehrsträger anerkannt und berücksichtigt werden. Das Ausspielen gegeneinander ist Energieverschwendung.

Für alle Verkehrsträger gilt jedoch: Transporte sollen künftig nachhaltiger, effizienter, am besten „unsichtbar“ und dabei noch möglichst kostengünstig abgewickelt werden. Ein in der öffentlichen Diskussion vernachlässigter Verkehrsträger erfüllt diese Voraussetzungen bereits heute perfekt: die Pipelines. Diese wickelten 2015 bereits ein Viertel der österreichischen Transportleistung umweltfreundlich und unsichtbar ab.

Doch welchen Verbesserungsbeitrag können die anderen Verkehrsträger leisten? Schließlich ist die Verkehrsinfrastruktur begrenzt und in der heutigen Zeit alles andere als einfach auszubauen, siehe z.B. das jüngste Urteil zur dritten Piste am Flughafen Wien. Dazu kommt, dass Trends wie die „now economy“ eine zunehmende Herausforderung an die Logistik darstellen: der Käufer will seine Ware möglichst sofort erhalten und für diese Leistung am besten nichts bezahlen.

Begriffe wie „same day delivery“ sind längst Realität. Gleichzeitig gibt es EU-weit das politische Ziel, den Straßenverkehr weiter einzudämmen. Ein Spagat, der nicht einfach zu lösen ist. Bleiben als Auswege Erde und Luft, also unterirdische Rohrpostsysteme oder Drohnen, aus heutiger Sicht jedoch noch futuristische Optionen.

Intermodaler Verkehr vereint Vorteile mehrerer Verkehrsträger

Entscheidend ist also, Optimierungen bei den einzelnen Verkehrsträgern vorzunehmen und diese untereinander noch besser zu vernetzen. Dies kann gerade dem intermodalen Güterverkehr (Anmerkung: Transport von Gütern in ein und derselben Ladeeinheit  auf mindestens zwei Verkehrsträgern) zu mehr Volumen verhelfen, derzeit werden nur rund 10 Prozent des österreichischen Güterverkehrs auf diese Weise abgewickelt (Anmerkung: Der Großteil im Containerverkehr, rund ein Viertel auf der rollenden Landstraße).

Der intermodale Verkehr kann gegenüber dem durchgehenden Straßengüterverkehr (Haus-Haus-Verkehr) bis zu 30 Prozent Energie sparen und um bis zu 90 Prozent weniger Schadstoffe verursachen.

Derzeit ist dieser intermodale Verkehr allerdings nur dann zweckmäßig, wenn im Hauptlauf der Güter auf der Bahn bzw. auf dem Schiff eine Mindestdistanz von rund 300 km erreicht wird, so dass der notwendige Warenumschlag zeitlich und kostenmäßig nicht ins Gewicht fällt und eine regelmäßige Verkehrsleistung auf der Wegstrecke nachgefragt wird, so dass sich die Investitionen in Umschlagseinrichtungen rentieren.

Alternative Antriebe auch in Transportwirtschaft ein Thema

Auf der Straße könnte durch den Umstieg auf alternative Antriebe einiges hinsichtlich Umweltfreundlichkeit erreicht werden. Die erste elektrische Sattelzugmaschine mit 18 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht wurde bereits vorgestellt und glaubt man den Experten, sollen die Energiedichte der Batterien im nächsten Jahrzehnt deutlich ansteigen und die Preise  deutlich fallen.

Schon heute könnte aber mit Erdgas-Lkw ein wertvoller Beitrag für die Umwelt geleistet werden, im Gegensatz zur E-Mobilität sind diese Fahrzeuge bereits ausgereift. Problematisch ist, dass die Kunden noch kaum bereit sind, solche Nachhaltigkeitsengagements preislich entsprechend zu honorieren – für die Anbieter müssen sich die Investitionen aber auch rechnen. In Zukunft wird hier ein Umdenken notwendig sein bzw. eine Steuerung über regulatorische Maßnahmen.

Großes Potenzial bezüglich Effizienz, Nachhaltigkeit und Kosten bietet auch das automatisierte Fahren. Elektronisch gekoppelt fahrende Lkw auf Autobahnen gelten als eine der ersten Anwendungen von automatisiertem Fahren in naher Zukunft. Damit sollen Emissionsminderung, weniger Verbrauch und mehr Sicherheit erreicht werden. Was das für die Tätigkeit und Funktion der Fahrer, die es noch länger geben wird, bedeutet, ist derzeit Gegenstand vieler Untersuchungen.

Auch die Bahn widmet sich zunehmend diesem Thema. Unter dem Schlagwort „Eisenbahn 4.0“ wird an zukünftige fahrerlose Züge gedacht: die Argumente sind bessere Auslastung der Trassen und der vorhandenen Züge, eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent und höhere Wettbewerbsfähigkeit.