Welche Auswirkungen sind generell im Bereich Materialfluss und Intralogistik durch die Digitalisierung zu bemerken?

Die Digitalisierung liefert in erster Linie die Daten, die den Unternehmen intern zur Effizienzsteigerung dienen. Das ändert die Prozesse aber nicht grundlegend, sondern durch die höhere Datenverfügbarkeit können Entscheidungen schneller getroffen werden.

Das bedeutet, die Grundprozesse der Lagerung oder Kommissionierung wird bestehen bleiben, aber Entscheidungen sind schneller am Bedarfsort oder können sogar autonom getroffen werden. Generell kann man sagen: Wenn man an frühere Visionen denkt und die unterschiedlichen Technologien betrachtet, dann sind die zum Teil gar nicht so weit weg.

Wie verändern sich dadurch Kundenanforderungen?

Das würde ich anders formulieren: Letzten Endes sind es die Kundenanforderungen, die die Veränderungen erst so richtig bedingen. Die Kunden fordern praktisch höhere Transparenz der Prozesse, indem sie die Nachfrage generieren – etwa laufende Statusabfragen. Das bringt Auswirkungen für die Intralogistik.

Produktionsbetriebe müssen flexibler agieren, da Anforderungen eingestreut oder geändert werden können. Unternehmen müssen diesen Kundenanforderungen gerecht werden, da es sonst schwierig wird, dem Wettbewerbsdruck standzuhalten. Denken Sie nur an Same-Day-Delivery im E-Commerce.

Welche Rolle spielen Industrie 4.0 oder Logistik 4.0 in diesem Zusammenhang?

In der Literatur wird Logistik in der Regel als Querschnittsmaterie beschrieben, die eigentlich alle Unternehmensbereiche betrifft. Sie ist damit gewissermaßen „Enabler“ für Industrie 4.0. Letztlich bedeutet das, dass alles stärker miteinander kommuniziert, aber auch, dass Entscheidungen dezentraler und schneller getroffen werden können. Wenn ich die auch noch vernetze, stelle ich sie in Echtzeit allen Beteiligten zur Verfügung und erreiche die höchste Serviceorientierung – das ist dann Logistik 4.0.

Welche Herausforderungen an Intralogistik und ihre Teilbereiche ergeben sich daraus?

Ich denke, zum einen sollten Teilprozesse durch Konfigurationsmöglichkeiten von Technologien im Umfeld von Industrie 4.0 noch stärker standardisiert werden. Der Gesamtnutzen für das Unternehmen ergibt sich dann aus den standardisierten Teilprozessen in den jeweiligen Segmenten, welche bedarfsgerecht zu einem Gesamtprozess orchestriert werden müssen („Think big – Start small“).

Zum zweiten muss der Einsatz von Maschinen oder Smart Devices mit den MitarbeiterInnen flexibel gehandhabt werden. Der Markt ist letztlich sehr technologiebetrieben. Für die Intralogistik bedeutet das, dass sie diesen Markt laufend sondieren und immer wieder neue Technologien für neue Herausforderungen herausgefiltert werden können und auch sollen.

Wie reagiert die Branche in Mitteleuropa aus Ihrer Sicht? Geht sie mit den Entwicklungen richtig um?

Kurz gefasst würde ich sagen: durchaus interessiert, aber sehr zurückhaltend in der Umsetzung. Das mag zum Teil daran liegen, dass der Markt so technologiegetrieben ist und dass es zum Teil noch an Anwendungsfällen fehlt, insbesondere in Bezug auf kleine und mittlere Unternehmen.

Auch in Smart Factories werden aus meiner Sicht nur punktuell Industrie-4.0-Anwendungen eingesetzt – auch, weil es noch an Pilotprojekten mangelt. Das Interesse wäre gegeben, aber wie es gehen soll, weiß noch kaum jemand.

Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten Entwicklungen? Gibt es aktuelle Forschungsprojekte, die einen Ausblick auf zukünftige Trends ermöglichen?

In einigen davon wird zurzeit untersucht, wie Maschinen miteinander kommunizieren und eigenständig ihren Weg suchen (vgl. SMART FACE) oder aber auch wie Menschen und Maschinen gemeinsam in einer „Social Networked Industry“ kollaborieren (vgl. Innovationslabor hybride Dienstleistungen in der Logistik).

Neben solchen Forschungsprojekten wird der Erfolg der Digitalisierung jedoch auch maßgeblich an die Ergebnisse von Forschungsprojekten geknüpft sein, welche sich wie beispielsweise die Industrial Data Space Association mit der Standardisierung von Datensicherheit und –souveränität beschäftigen.

Zusammenfassend würde ich sagen, der Trend, den die Digitalisierung bewirkt hat, geht in Richtung Transparenz – nicht nur in den internen Produktions- und Logistikprozessen, sondern auch in der gesamten Supply Chain, also über die Unternehmensgrenzen hinweg. Durch den Einsatz von Smart Devices wird die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine weiter vereinfacht. Entscheidungen werden noch schneller fallen können, weil der Informationsaustausch noch effizienter wird.