Man spricht heute gern von den modernen R der Logistik, also die richtigen Produkte in der richtigen Menge und richtigen Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu den richtigen Kosten. Wäre nicht im Sinne der Nachhaltigkeit auch noch die richtige Ressourcenökonomie zu nennen?

Ja, auf jeden Fall. Die Logistik steht heute vor vielen Herausforderungen. Es geht darum, diese alle unter einen Hut zu bringen. Die Logistik ist heute effizienzgetrieben und aus eben diesem Grund funktioniert sie so gut. Die Ballungsräume werden immer größer, immer mehr Menschen sind zu versorgen und das Verkehrsaufkommen steigt.

Dabei kommt natürlich die Frage ins Spiel, wie wir mit dem Klimawandel, mit der Verknappung von Ressourcen, aber auch einer Verknappung potenzieller MitarbeiterInnen – etwa FahrerInnenmangel – umgehen.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen?

Neben den R gibt es auch die D: Digitalisierung, Dekarbonisierung, Daten und Datenanalyse. Diese Schlagworte sind ja in aller Munde. Jeder sammelt Daten – wir wissen zwar noch nicht, was wir damit tun wollen, aber wir müssen sie haben, weil darauf viel Wissen aufgebaut werden kann.

Derzeit sind wir in einer guten Konjunkturlage. Die weise Entscheidung wäre es, diesen Höhenflug zu nutzen, um sich auf bevorstehende Veränderungen vorzubereiten, weil jetzt die Möglichkeit da ist, sich dem aktiv zu stellen. Konzepte, Prozesse, Technologien und Dienstleistungen können entwickelt und aktiv getestet werden. Das muss jetzt geschehen – weg von einer reaktiven zu einer aktiven Haltung.

Wie geht die Branche mit diesen Herausforderungen um?

Man muss zwischen Großen und Kleinen unterscheiden. Die Frächter etwa sind ein sehr zersplitterter Markt mit vielen kleinen Unternehmen. Bei den Spediteuren gibt es einige Große, die sich diesen Themen aktiv stellen. Die Frage ist auch, wie viel davon bei den Kleinen ankommt, aber auch, wie die Kundenerwartungen sind.

Denken Sie an einen Fuhrpark: Der ist ja auch das Aushängeschild eines Unternehmens. Darin liegt eine Chance für kleinere Akteure, über Qualität punkten zu können. Bei den Versendern rückt immer stärker in den Vordergrund, dass beim Kunden auch wirklich Qualität ankommt.

Stehen die Qualitätsansprüche aus Ihrer Sicht in einem Konkurrenzverhältnis zur Nachhaltigkeit?

Wenn ich die Nachhaltigkeit ganzheitlich betrachte, dann nein. Sie besteht aus den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte. Ein Unternehmen kann nur nachhaltig agieren, wenn es wirtschaftlich funktioniert, ökologisch verträglich ist und soziale Verantwortung übernimmt. Diese drei Säulen stehen nicht nebeneinander, sondern sind die drei Beine eines Schemels. Wenn ich eines davon wegnehme, fällt der Schemel um. Das müssen wir begreifen.

Konkret nachgefragt: Ein Lkw, der nur halb so viel Sprit verbraucht wie ein älterer, erfüllt ja gleich zwei dieser Säulen. Zu einfach gedacht?

Jeder Unternehmer, der sein Unternehmen nachhaltig im Sinne eines längerfristigen Bestehens führt, ist in einem gewissen Ausmaß auch immer nachhaltig im Sinne der drei Säulen. Natürlich kennt er dann seine wahren Kosten, setzt einen modernen Fuhrpark ein und schaut auf sein Personal, damit es sich wohlfühlt und seine Arbeit gut macht.

Darum rate ich UnternehmerInnen immer, einfach ihr Kerngeschäft gut zu machen – denn dann sind sie schon gut in Richtung Nachhaltigkeit unterwegs. Wer sich darüber hinaus leisten kann, aktiv etwas zu tun – etwa alternative Fahrzeuge, ein Konsolidierungskonzept, bereitet sich automatisch im geschäftlichen Hoch für das vor, was vielleicht noch kommt. Das Geschäft immer nur über den günstigen Preis zu machen, ist aber sicherlich nicht nachhaltig.

Was sollte aus Ihrer Sicht in näherer Zukunft sinnvollerweise passieren?

Wer jetzt anfängt, konkrete Schritte zu setzen, kann mit einem potenziellen Wandel bereits gut umgehen, wenn es notwendig ist – denken Sie nur an E-Mobilität. Oder an kleine Botendienste, die mit unterschiedlichen Fahrzeugarten zeigen, dass da ein funktionierender Business Case vorliegt.

Wichtig ist, dass alle Ebenen – Verwaltung, Politik, Unternehmen, Interessensvertretungen, aber gerade auch die KundInnen – einen Schulterschluss vornehmen, zusammenarbeiten und Bewusstsein entwickeln und in ihrem Bereich das tun, was möglich sowie langfristig sinnvoll ist und dabei gleichzeitig für alle Nutzen schafft.