Vor welchen Herausforderungen steht man, wenn es um nachhaltige Verpackung von Produkten geht?

Wir widmen uns dem Thema Nachhaltigkeit in vier Teilbereichen. Einer davon ist der Bereich der Produktverpackung. Dabei steht man vor einigen Herausforderungen, da eine Verpackung mehrere Zwecke erfüllen muss, die für Außenstehende auf den ersten Blick nicht immer so leicht erkennbar sind.

Welche Zwecke sind das?

Die Hauptaufgabe der Verpackung ist es, das Produkt bestmöglich zu schützen. Außerdem müssen je nach Artikel und Gesetzeslage gewisse Informationen darauf Platz finden, welche beispielsweise Inhaltstoffe und Mindesthaltbarkeitsdatum betreffen. Nebenbei sollte die Verpackung auch ansprechend gestaltet sein, damit der Kunde das Produkt kauft. Ein ebenfalls zentraler Punkt ist die bereits erwähnte Nachhaltigkeit.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in Bezug auf Verpackungen überhaupt?

Es geht dabei nicht nur darum, möglichst wenig Verpackung oder ausschließlich biologisch abbaubare Materialien zu verwenden. Nachhaltig kann auch bedeuten, dass durch die Umhüllung die Haltbarkeit eines Lebensmittels verlängert wird. Welche Verpackung verwendet werden sollte, muss von Produkt zu Produkt entschieden werden. Es gibt keine Generallösungen. Außerdem muss das Ganze auch wirtschaftlich Sinn machen, auch wenn das nicht das Hauptargument sein kann.

Müssen denn alle Produkte zwangsläufig in einer Verpackung stecken?

Nein, müssen und können sie natürlich nicht, denn das hängt ja vom jeweiligen Produkt ab. Nehmen wir das Beispiel Obst her. Viele Früchte sind in den Supermärkten als freigelegte Ware erhältlich. Verpackungen werden nur zur Trennung zwischen konventioneller Ware und Bio-Ware bzw. zum Schutz von leicht versehrbaren Sorten verwendet. So ist es beispielsweise sinnvoll, Trauben in hartem Plastik zu verpacken, weil sie sonst schnell beschädigt werden, leichter verderben und entsorgt werden müssen, weil sie nicht mehr zu verkaufen sind. Lebensmittelverschwendung fängt bei schlechter Verpackung an.

Gerade Obst und Gemüse werden in Österreich oft in Plastiksäcken verpackt. Ist das wirklich die optimale Lösung?

Diese leichten und sehr dünnen Plastiksäcke kommen in Österreich vor allem beim Obst und Gemüse zum Einsatz. In anderen Ländern werden sie aber viel häufiger und für alle Produkte eingesetzt und landen dann zum Beispiel im Meer. Außerdem soll es im nächsten Jahr eine neue EU-Verordnung geben, die die Verwendung regeln soll. Deswegen ist es wichtig, sich bereits jetzt Gedanken über Alternativen zu machen. Säcke aus Maisstärke wären eine Möglichkeit, aber auch das bedeutet nicht automatisch, dass es sich um eine nachhaltige Lösung handelt. Wenn der zur Produktion verwendete Mais gentechnisch verändert ist, ist damit weder dem Kunden noch der Umwelt geholfen.

Normale Einkaufstüten aus Plastik sind noch immer nicht aus Österreichs Supermärkten verschwunden, auch wenn es eine bereits langanhaltende Diskussion darüber gibt.

Auch hier muss man die Sache etwas differenzierter betrachten. Im Allgemeinen wird Papier als nachhaltiger und umweltfreundlicher wahrgenommen als Plastik. Die plastiktüten in unseren Märkten werden aber aus alten Umverpackungen hergestellt. Es handelt sich also um recycelten Altkunststoff. Außerdem stehen den Kunden Alternativen aus Papier und Permanenttragtaschen zur Verfügung.

Haben sich die Ansprüche der Kunden an die Verpackung im Laufe der Zeit verändert?

Die Menschen sind aufmerksamer und kritischer geworden und das ist auch gut so. Gewisse Dinge akzeptieren sie einfach nicht – Bioprodukte in einer konventionellen Kunststoffverpackung regen zum Beispiel auf. Allerdings werden auch nicht alle Lösungen angenommen. Glasflaschen für Milch haben sich nie durchgesetzt. Dem Bereich der Convenience kommt heute eine entscheidende Bedeutung zu.

Was halten Sie von Pfandeinsätzen für Aludosen und Plastikflaschen wie in Deutschland?

Das Trennsystem in Österreich funktioniert so gut und gilt international als Vorbild, deswegen halte ich es für wenig sinnvoll die Pfandregelung zu erweitern.