• Steigende Anforderungen an die Logistik
  • Standort und Standortqualität
Mag. Davor Sertic, Vorstandsmitglied der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG) und Obmann der Sparte Transport und Verkehr der WK Wien

Steigende Anforderungen an die Logistik

Verstärkter Onlinehandel und hohe Klimaziele: Der Logistik-Standort Österreich steht vor einer großen, aber schaffbaren Aufgabe.

Wien ist schon jetzt einer der größten Warenumschlagplätze Europas. In der Hauptstadt werden täglich 130.000 Tonnen umgeschlagen – Tendenz steigend. Warum: In Deutschland, einem mit Österreich vergleichbaren Markt,  sind laut der KEP-Studie des Bundesverband Paket & Express Logistik die B2C-Sendungen um mehr als 10 Prozent gestiegen.

Das deutliche Plus ist durch den boomenden Online-Handel zu erklären. Diesem wachsenden E-Commerce-Markt und dem damit verbundenen gestiegenen Verkehrsaufkommen stehen internationale Klimaziele gegenüber. Denn Österreich soll laut EU-Kommission bis 2030 den Schadstoffausstoß um 36 Prozent senken.

Kundenwünsche und Umweltziele gleichermaßen zu erfüllen, ist eine große Herausforderung. Aber eine, die zu schaffen ist - allerdings nur mit dem guten Willen der Politik. Zu allererst muss für ein funktionierendes Verkehrsnetz in ganz Österreich gesorgt werden.

Als exemplarisches Beispiel ist hier der Lobautunnel zu nennen. Im Bereich der Praterbrücke ist die A23 mit täglich mehr als 150.000 PKW die meistbefahrene Straße Österreichs. Die Realisierung des Lobautunnels würde den Verkehr in der Region um 25 Prozent verringern. Staus – und der damit einhergehende CO2-Ausstoß – würden massiv reduziert werden. Ein mutiges Bekenntnis der Politik zum Lobautunnel  - wie auch für andere Bauprojekte -ist darum unbedingt erforderlich.

Chance für moderne Lieferketten

Ein funktionierendes Straßennetz ist zudem die Voraussetzung für andere Logistik-Projekte. Dadurch würden etwa auch Hubs am Stadtrand von Wien möglich werden. Das hätte gleich mehrere Vorteile: der Schwerverkehr würde nicht mehr in die Stadt fahren, gleichzeitig werden die Lieferketten moderner und umweltfreundlicher. Waren könnten in der sogenannten letzten Meile mit E-Fahrzeugen oder Lastenfahrrädern ausgeliefert werden.

Unterm Strich heißt das: Steigende Anforderungen bei gleichzeitiger Reduktion der Schadstoffe zu managen und dabei umweltschonend und trotzdem schnell sein. Ja, ohne Zweifel eine große Herausforderung.  Aber wer sollte dieser gewachsen sein, wenn nicht die Logistik-Branche?

Univ.-Prof. Manfred Gronalt, Stellvertretender wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (ÖVG)

Standort und Standortqualität

Zur Versorgung von Unternehmen, Kommunen und KonsumentInnen mit Gütern sind leistungsfähige und anpassungsfähige Infrastrukturen erforderlich.

Zur Ver- und Entsorgung von Unternehmen, Kommunen und KonsumentInnen mit Gütern sind leistungsfähige und anpassungsfähige Infrastrukturen erforderlich.

Österreich liegt an einigen bedeutenden europäischen Transportkorridoren und hat erhebliche Chancen durch die geografische Lage ein international relevanter Umschlagsknoten für Bahntransporte von und nach Asien zu werden.  Durch die damit einhergehende Wertschöpfung bekommt der Logistikstandort  Österreich zusätzliche Bedeutung.

Für die  Attraktivität einer Logistikregion (Wien, Linz, Graz)  ist die Anbindung an mehrere multimodale Umschlagknoten und Güterverkehrszentren sehr wichtig.

Einen wesentlichen Standortfaktor stellen das Wissen und die Fertigkeiten von ExpertInnen der Logistik dar. Hier nimmt die Ausbildung eine sehr wichtige Rolle ein. Von konkreten attraktiven Berufsbildern für Lehrlinge bis zu den hoch spezialisierten Kenntnissen von UniversitätsabsolventInnen müssen Ausbildungsprogramme vorhanden sein.

Entwicklungen und Trends - Transformation

Mit der Digitalisierung der Lieferkette entstehen eine Reihe von  neuen Geschäftsfeldern in Bereichen wie: globaler Vertrieb regionaler Produkte, wachsendes Service- und Güterangebot in der online Zustellung, einfacher Marktzugang neuer Marktteilnehmer und ad hoc Kooperationen. Neue Entwicklungen in  hoch spezialisierten Lieferketten (zB Holz-Papier, Lebensmittel, Automotive) werden durch die Möglichkeiten der durchgehenden Digitalisierung geprägt. 

Trends – nachhaltige Logistik

Große Verlader treffen Beschaffungsentscheidungen unter dem Aspekt einer gesellschaftlich verantwortlichen Logistik und ziehen bei Ihren Entscheidungen für die Wahl  umweltverträglichen Transportmittel auch allfällige Reaktionen von Investoren mit ein, die das   Engagement des Unternehmen in ökologisch belastbaren Systemen bewerten.