Doz. Ing. Dipl.-Wirt.-Ing. Gerhard Michlbauer EUR Ing.
Fachbereichsleiter im Roboter Kompetenz Zentrum des WIFI OÖ

Denkt man an Industrieroboter, kommen einem meist als Erstes Bilder riesiger Fertigungshallen in den Sinn, in denen große Roboterarme Teile zusammen schweißen, einsetzen oder lackieren. Auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sind Industrieroboter schon lange angekommen. „Gerade in Österreich, wo es viele kleine Betriebe gibt und das Lohnniveau entsprechend hoch ist, kann man durch Automatisierung einen Wettbewerbsvorteil erzielen“, sagt Gerhard Michlbauer vom WIFI Linz. „Nur so können wir als Land Österreich wirtschaftlich weiterhin bestehen.“

Dieser Logik folgend setzen hierzulande viele Unternehmen auf Industrieroboter, um ihre Arbeitsprozesse zu beschleunigen und zu vereinfachen. Dank der rasanten technischen Entwicklung und dem steigenden Angebot sind Roboter mittlerweile auch für kleinere Betriebe leistbar. Bereits ab einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 15 bis 20 Mitarbeitern kommen die Maschinen zum Einsatz.

Roboter als „Job-Bewahrer“

Das Einsatzgebiet für Industrieroboter ist groß: „Egal ob Holz-, Metall- oder Steinindustrie – es gibt sie fast überall“, so Michlbauer. Selbst in der Landwirtschaft findet man unter anderem vollautomatische Melk-Roboter. Hinzu kommt, dass dank moderner Technik immer mehr und komplexere Arbeitsschritte von den Maschinen übernommen werden können: „Durch die Entwicklung von 3D Kameras können Roboterarme bereits Gegenstände im Raum erkennen und gezielt danach greifen“, erklärt der Fachmann vom WIFI.

Menschen werden auch in Zukunft nicht eins zu eins von Robotern ersetzt werden können – was durchaus positive Seiten hat: „Industrieroboter sind keine Jobkiller“, so Michlbauer. Vielmehr seien sie sogar „Job-Bewahrer“: „Dadurch, dass man mit Hilfe von Robotern die Produktivität eines Unternehmens steigern kann, verbessert sich auch dessen Wettbewerbssituation.“ Zudem würde für jeden Roboter speziell ausgebildetes Personal benötigt, dass die Maschine bedienen und warten kann. Es reiche nicht aus, einen Roboter zu installieren und ihn dann sich selbst zu überlassen, meint Michlbauer: „Der Roboter ist immer nur so intelligent wie derjenige, der ihn bedient.“

Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand

Neben der Steigerung der Produktivität bringen Roboter zudem den Vorteil, dass sie meist zuverlässig und ohne größere Unterbrechungen ihre Arbeit vollbringen können – auch in problematischen Umgebungen: „Gerade für die Arbeit in Risiko-Bereichen, wo etwa giftige Dämpfe abgesondert werden, eignen sich Industrieroboter vorzüglich.“

Mit Blick auf die Zukunft sieht Michlbauer besonders ein Thema im Fokus: die Kooperation von Mensch und Maschine. „Die Entwicklung geht momentan dahin, Roboter zu bauen, die ohne Schutzzaun betrieben werden können.“ Konkret bedeutet dies: Mensch und Roboter können zukünftig für beide Seiten gefahrenlos auf engem Raum miteinander arbeiten – sozusagen Hand in Hand. Möglich wird dies durch die Entwicklungen im Bereich der Sensorik.

Beschäftigt man sich mit Robotern, so spielt nicht nur die Hardware eine wichtige Rolle: Erst durch die passende Programmierung kann die Maschine ihre Arbeit effektiv erfüllen. Wurde die Betreuung der Software bisher oftmals aus dem Betrieb ausgelagert, sieht Michlbauer in diesem Bereich eine grundlegende Veränderung: „Mehr und mehr Betriebe schicken ihre Mitarbeiter zu Fortbildungen, damit diese zukünftig die Programmierung der Roboter ohne externe Hilfe selbst erledigen können.“