Was verstehen Sie unter City-Logistik?

Die Aufgabe der Transportlogistik ist es, Verfügbarkeit zu schaffen. City-Logistik stellt sicher, dass Ware in urbanen Gebieten an einem bestimmten Ort in der gewünschten Menge und zur richtigen Zeit ankommt. Davon profitieren Gewerbebetriebe und Einzelhändler sowie private Haushalte. Für die City-Logistik werden auf der Infrastrukturseite Wege und Fließzonen sowie Ent- und Umladestationen oder -Hubs benötigt.

Welche Transportwege und -mittel werden in einer Stadt wie Wien am häufigsten genutzt und welche Alternativen sehen Sie?

Derzeit wird vorrangig auf der Straße transportiert. Es wäre aber eine Überlegung wert, auch die Straßenbahngleise für Transportzwecke zu nutzen und wieder Güterstraßenbahnzüge einzusetzen. Dazu würden aber zusätzliche Hubs benötigt, in denen die Ware von den Güterzügen oder Lkws für den Weitertransport innerhalb der Stadt umgeladen werden kann.

Auf Dauer werden die großen Lkws jedenfalls nicht mehr in die Innenstadtbereiche fahren dürfen. Dann kann man sich überlegen, ob man das innerstädtische Schienen- und Straßenbahnnetz nutzen, vielleicht sogar ausbauen  will.

Ist Wien in Sachen City-Logistik auf einem guten Weg?

In Wien wird viel zu wenig getan. Mit Radwegen allein wird man eine Zwei-Millionen-Stadt auf Dauer nicht versorgen können. Ein solches Konzept ist weder für den innerstädtischen Personen- noch für den Güterverkehr eine Lösung. Die Wiener Verkehrspolitik besteht meiner Ansicht nach vor allem darin, Autofahrern Schwierigkeiten zu bereiten.

Das gilt für den persönlichen Bereich – wobei man dabei aber vergisst, dass  Autofahrer auch Bürger der Stadt und Steuerzahler sind. Noch mehr gilt dies aber für den Gütertransport – aber  auch den benötigt man für den Bürger!. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass in Wien der Gütertransport komplett aus der Stadt verbannt werden soll.

Aber wie sollen die Menschen dann zu ihren Lebensmitteln, wie die Betriebe zu ihren Materialien kommen? In Wien passiert in dieser Richtung im Wesentlichen gar nichts: Es gibt Fahrverbote, Parkraumbewirtschaftung, d.h. -verknappung,30er-Zonen und Anwohnerparkplätze, das alles ist aber keine Lösung. v.a. nicht für die Aufrechthaltung einer logistik- und damit zukunftsgerechten  Infrastruktur..

Wie sieht eine Lösung Ihrer Meinung nach aus?

Die Politik muss sich mit den Gewerbebetrieben, den Haushalten und den Spediteuren zusammensetzen, die jeweiligen Bedürfnisse eruieren und einen konkreten Plan entwickeln. Dazu gehört, dass bestimmte Lieferzeiten außerhalb der Hauptverkehrszeit festgelegt und Hubs zum Umladen geschaffen werden. Aber es mangelt an kreativen Ideen. Eine weitere Möglichkeit wäre, in der Stadt der Umstieg auf Elektromobilität, um den CO2-Ausstoß zu senken.

Welche Technologien werden die City-Logistik in Zukunft beeinflussen?

Zum einen das Thema Industrie 4.0, also Automatisierung, Einsatz von Robotern und Digitalisierung – etwa bei der Lagertechnik, inner- und überbetrieblichem Transport. Künstliche Intelligenz könnte bei der Umgehung von Stau helfen. Aber all das wird das grundsätzliche Problem der City-Logistik nicht lösen.

Gebraucht werden Flächen zum Umladen der Ware aus dem Fernbereich auf Transportmittel für die Stadt, Parkplätze zum Ent- und Umladen etc. Und die Logistik, genauer gesagt der Gütertransport  muss in den Stauzeiten aus  der City herausgehalten werden. Stau ist eines der größten Probleme in der City-Logistik, dadurch wird eine pünktliche Lieferung der benötigten Ware an Geschäfte oder Unternehmen erschwert und die Umwelt, die Wirtschaft und Zeit & Lebensqualität  der  Bürger  belastet..

Was halten Sie von einem Tunnelsystem, wie es Tesla-Chef Elon Musk in Angriff nehmen will?

Tunnel haben sicherlich einen Sinn, wenn sich dadurch eine Strecke und damit Zeit und Belastungen verkürzen lässt. Ich halte allerdings nichts von dem Bau von Tunnelsystemen in der City. Ein solches Projekt würde lange dauern, viel kosten, und die Fahrzeuge oder Waren müssten hinunter und wieder hinaufgelangen.

Durchgangsverkehr kann hingegen auch ohne Tunnel umgeleitet werden. Der Aufwand  und die Gesamtbeeinträchtigungen, die  während des  Baus von Tunnelsystemen entstehen,  wären sicher in  keinerlei Hinsicht –  durch den möglichen Nutzen  gerechtfertigt. Beisatz: aber man kann ja eine Studie erstellen.