Mag. Jens Pfeiffer
Senior Consultant, ifss Institute for Lean Six Sigma; Leiter des BVL Österreich Competence Center Nachhaltigkeit

Das Grünbuch zur nachhaltigen Logistik in urbanen Räumen liefert Ansätze, Handlungsempfehlungen und Lösungen für die gesamte Branche.

2050 werden 70 Prozent der Menschen in Städten und Ballungsräumen leben. Der massive Bevölkerungszuzug und das beschränkte Raumangebot stellen die Logistik, aber auch Stadtverwaltungen und Unternehmen vor große Aufgaben. Das neue Grünbuch beschäftigt sich mit den Anforderungen an eine nachhaltige Logistik für urbane Ballungsräume. Grundlage dafür ist der Gedanke der „Smart City“, also die Vorstellung einer hochmodernen Stadt, die unter Einsatz innovativer Technologien in allen Bereichen im Einklang mit der Umwelt funktioniert.


Smart City-Konzepte zeichnen sich durch nachhaltige Mobilitätskonzepte und den verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Ressourcen aus. Sie haben das Ziel, die Lebensqualität der Stadtbewohner und die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Wirtschaft dauerhaft zu erhöhen, um die Zukunftsfähigkeit von Städten und Ballungsräumen sicherzustellen. Dabei sollen alle Beteiligten an einer nachhaltigen Logistik offen für Veränderungen und bereit für Kompromisse sein. Wobei die Weichen dafür schon heute gestellt werden müssen! Die nachhaltige Ver- und Entsorgungsfunktion von Bevölkerung und Unternehmen ist eine zentrale Aufgabe der Logistik. Die spannende Herausforderung wird die Verbindung von Distributionslogistik mit Reverse Logistics und der Entsorgungslogistik

„Den notwendigen Rahmen für nachhaltige Logistik bildet eine geeignete Infrastruktur durch adaptierte Verkehrslösungen sowie den forcierten Einsatz moderner Technologien.“

in verdichteten Agglomerationen sein. Verkehrsflächenknappheit, Lieferzeit- und Lieferortbeschränkung, ineffiziente Be- oder Entladeprozesse, veränderte Sendungsstrukturen, starker Wettbewerb, steigende Personal- und Energiekosten, Ressourcenverbrauch und eine hohe CO2-Belastung mit Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bewohner sind die aktuellen Themen.

Eine effiziente und intelligente Verkehr- und Transportsteuerung, modulare Behälter zur Erhöhung der Fahrzeugauslastung, alternative Verkehrsmittel und entsprechende Verkehrsinfrastrukturen, die Wirtschaft und Wohnen bzw. Leben trennen, sind die wesentlichen Entwicklungstendenzen einer zukunftsorientierten und smarten Logistik in urbanen Räumen.
 

Herausforderungen für Handel und Logistik

Electronic- und Mobile-Commerce beeinflussen immer stärker das private Konsumverhalten, erhöhen die Bestell- und Lieferfrequenz, führen zu einer zunehmenden Flexibilisierung der Güterbewegungen im Wertschöpfungsprozess und bewirken eine Veränderung der Sendungsstruktur. Eine hohe Warenverfügbarkeit sowie eine immer größere Sortimentsvielfalt müssen im Supply Chain Management berücksichtigt und effizient bearbeitet werden. Der Onlinehandel weicht von der klassischen Filiallogistik ab und erfordert eine Neukonzeption der Distributionswege und -prozesse. Der steigende Anteil von B2C-Lieferungen wird die Last-Mile-Problematik weiter verschärfen.
 

Der Mensch im Mittelpunkt

Eine immer älter werdende Gesellschaft („Silver Society“), deren Mitglieder immer länger aktiv und mobil sein möchten, erfordert intuitive technische Lösungen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Aus diesen Entwicklungen ergeben sich neue Chancen und Risiken für die Logistik, die neben dem möglichen Wegfall vorhandener Bereiche auch potenzielle neue Geschäftsfelder bedeuten. Die Zukunft wird von technologiegetriebenen, individuellen und jedenfalls ökologisch nachhaltigen Angeboten und Lösungen geprägt sein.

Die Logistik von morgen wird also breiter aufgestellt sein und neue Betätigungsfelder erschließen – sei es durch Rückwärtsintegration in die Produktion oder durch Vorwärtsintegration in die Planung und Gestaltung des täglichen Lebens für die Bewohner urbaner Ballungsräume. Prozesse werden vernetzter und aufgrund innovativer Technologien besser aufeinander abgestimmt sein. Im Fokus des Handelns wird Ressourcenschonung und Energieeffizienz stehen.