Welchen Stellenwert nimmt die Digitalisierung heute in den Bereichen Handel und Logistik ein?

Im Onlinehandel hat die Digitalisierung ja bereits eingeschlagen. Für die Logistik ist die Digitalisierung vielleicht auf den ersten Blick nicht so offen ersichtlich. Wir erwarten aber, dass der Prozess der Digitalisierung sich in den nächsten Jahren deutlich beschleunigen und einige Bereiche radikal verändern wird.

Welche Bereiche und Anwendungsfelder werden das sein?

Die gesamte Sendungsverfolgung wird zur Normalität werden. Ein permanentes Tracking and Tracing wird neue Konzepte wie dynamische Routenplanung sowie den Eingriff des Empfängers in die Transportwege ermöglichen. Wir sehen im Augenblick außerdem eine Automatisierung der Lager und können erwarten, dass sich dies sowohl für die Warenkommissionierung als auch für interne Transporte durchsetzt. Überdies gibt es aktuell viele Start-ups, die daran arbeiten, klassische Aktivitäten in der Disposition zu einem Großteil durch Digitalisierung zu ersetzen. Wenn man noch einen Schritt weitergeht, könnte auch die Auslieferung der Waren komplett automatisiert werden, etwa mittels Robotern oder Drohnen.

Könnte so also Ihrer Meinung nach die Logistik der Zukunft aussehen?

Ich bin sogar der festen Überzeugung, dass es in den nächsten dreißig Jahren in diese Richtung gehen wird! Das wird natürlich nicht für alle Prozesse gelten, aber vieles läuft bereits heute automatisiert in großen Paketzentren ab. Und da werden sicher viele weitere Aktivitäten und Bereiche folgen.

Welchen Einfluss hat die Internationalisierung des Handels auf die Digitalisierung?

Das ist eine interessante Fragestellung! Der Handel war früher stark national orientiert. Heute ist er nicht nur international, sondern sogar global ausgerichtet. Der Anteil der globalen E-Commerce-Ketten nimmt extrem zu. In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass große Handelsplattformen massiv in den Logistikbereich investieren, etwa in Transportflugzeuge. Auch das ist ein Signal, dass der Onlinehandel globalisiert wird.

Welche Chancen und Potenziale ergeben sich durch die Digitalisierung?

Die Chancen liegen sicher in der Transparenz – und zwar einerseits für die Endkunden und andererseits für die Produzenten und Logistikdienstleister. Aufgrund dessen ergeben sich auch Optimierungsmöglichkeiten, die mit Hilfe von Algorithmen entwickelt werden können. Meiner Meinung nach könnte sich diese Optimierung positiv auf die Umwelt auswirken, etwa wenn wir auf Systeme zurückgreifen, die alternative oder elektrische Antriebe verwenden.

Und wie sieht es mit Risiken und Herausforderungen aus?

Ein großes Risiko ist die Sicherheit! Auch die Frage der Arbeitskräfte ist durch die Automatisierungsschübe ein Thema. Schließlich wird es um neue Geschäftsmodelle gehen und Dienstleister werden sich neu ausrichten müssen.

Wie können Unternehmen nun darauf reagieren?

Wenn ich ein Händler wäre, würde ich versuchen mich stark zu spezialisieren und lokale, hochwertige Leistungen anzubieten. Dies gilt auch für den Logistik-Bereich, wobei ich hier auch leistungsfähige internationale Netzwerke aufbauen könnte.

Es sind auf jeden Fall spannende Zeiten, die nicht nur den Dienstleistern, sondern auch den Kunden bevorstehen!

Genau und dabei haben wir noch gar nicht über das Internet of Things gesprochen! Die Waren könnten sich dann selbst den Weg buchen und zum Beispiel den günstigsten Transportweg suchen. Das würde noch einmal eine gigantische Veränderung bedeuten!

Das wäre natürlich eine neuerliche Revolution, oder?

Es ist auf jeden Fall eine digitale Transformation. Das Gute ist, dass man weiterhin logistisches Prozess-Know-how benötigen wird. Wir müssen die „logistic natives“ mit den „digital natives“ zusammenbringen. So können in den nächsten Jahren spannende Produkte und Geschäftsfelder von Logistikdienstleistern entstehen!