Kaum eine Branche hat sich innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte so tiefgreifend verändert wie die Logistik. Dem Wirtschaftsbereich ist es in der Vergangenheit erfolgreich gelungen, Prozesse zu optimieren und zu vereinfachen. Aber IT möglichst zweckmäßig in die Supply Chain zu integrieren, reicht heute nicht mehr aus. Mit dem Einzug der Digitalisierung haben sich die Spielregeln verändert. Als „Game Changer“ löst sie in der physikalischen Welt der Logistik disruptive Entwicklungen und Umbrüche in den Geschäftsprozessen aus, was wiederum zu einem Umdenken in den Unternehmen führt!

Leadership-Kompetenz

Das Internet der Dinge und Dienste sowie Big Data sind die Gestalter und Treiber von logistischen Prozessen. Mit der Digitalisierung nimmt die Komplexität in der Logistik zu. Das zu managen, erfordert Leadership-Kompetenzen und entsprechendes Know-how. Aber wie weit reichen die digitalen Kompetenzen? Welche Trends stellen einen Wertschöpfungsbeitrag dar, welche sind bloß ein Hype?

Digitalisierungs- und Zukunftstrends erkennen

Eines steht fest: Die Logistik entwächst ihrer Dienstleistungsfunktion und etabliert sich in den Unternehmen als der relevante, strategische Faktor. Sie wird zum Kernthema, das die Managementebenen zunehmend beschäftigen wird. Bleibt die Frage: Sind wir für die digitale Zukunft ausreichend gerüstet? Studien zeigen, dass Österreich und Europa den veränderten Rahmenbedingungen im Vergleich zu den großen Volkswirtschaften im asiatischen und amerikanischen Raum politisch, rechtlich, unternehmerisch und gesellschaftlich hinterher hinken.

Der digitale Wandel wird sich noch weiter beschleunigen. Welche Trends, disruptiven Entwicklungen wirken sich auf die Logistik aus? Softwarelösungen werden immer intelligenter und sind selbstlernend. „Cognitive Computing" ist das Synonym für die Fähigkeit von Computern, zu lernen, abzuwägen und mit den Menschen zu interagieren. Für die Logistik könnte es bedeuten, dass in Zukunft Programme kontinuierlich Supply Chain-Netzwerke auf Fehler hin scannen, Risiken aufzeigen und Handlungsempfehlungen liefern werden.

Die digitale Welt arbeitet in kooperativen Netzwerken. Clouds sind Standard, Systeme leistungsfähiger geworden. Das Credo lautet: „Nutzen statt besitzen.“ Das entspricht auch dem Nachhaltigkeitsgedanken und der Ressourceneffizienz. Die physikalische Infrastruktur muss mit der zunehmenden Digitalisierung Schritt halten können. Digitale, leistungsfähige Verkehrssysteme werden sich flexibel anpassen und für optimierte Verkehrsflüsse sorgen.

Digitale Infrastrukturen, wie ein flächendeckender Breitbandausbau, sind wettbewerbsentscheidende Faktoren für unseren Wirtschaftsraum. Urbanisierung und demografischer Wandel werden in eine Smart Economy münden. Mit dem Städtewachstum und einer alternden Gesellschaft steigt auch der Anspruch an Lebensqualität. Die Zukunftsvision lautet: Smart living und smart traffic in smart cities.

Autonome, energieeffiziente, sich selbst organisierende Transportsysteme werden schon heute in vielen Bereichen der Logistik eingesetzt. Fahrerlose LKWs werden bereits getestet. Schon in fünf Jahren sollen PKWs auf Autobahnen autonom fahren können. Drohnen übernehmen Transporte in Metropolen, versorgen abgelegene Areale oder Krisengebiete. 3D-Druck wird traditionelle Prozesse durch dezentrale Produktion ablösen, jedoch mit der Zulieferung von Rohstoffen wiederum neue Logistikstrukturen erfordern.

Kein Managementboard mehr ohne Logistiker

Die große Herausforderung der nächsten Jahre wird es sein, qualifizierte Mitarbeiter auf dem Markt zu finden, um die Dynamik der Digitalisierung bewältigen oder den „Rohstoff Daten“ sinnvoll nutzen zu können. Denn wir haben keinen Mangel an Daten, sondern nur ein Defizit an sinnvoller Interpretation. Die Digitalisierung wird als absolute Innovation, wenn auch als eine herausfordernde, und als Chance gesehen.

Die Aufgabenstellungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden eine immer wichtigere Rolle in den Führungsetagen spielen. Gleichermaßen werden die Karrieren für Logistikexperten bis ins Spitzenmanagement führen – und das nicht nur in Logistikunternehmen, sondern vor allem auch in Industrie und Handel.