Was muss ich mir unter dem Begriff "Industrie & Logistik 4.0" vorstellen? 

Darunter versteht man die Informatisierung der Wirtschaft. Das Ziel ist die intelligente Automatisierung unter Einbeziehung des Menschen. Und so, wie wir in der Industrie verschiedene Bereiche haben, müssen wir auch die Wirkungen von Logistik 4.0 sehen. Auf den verschiedenen Ebenen haben wir unterschiedliche Handlungs- und Nutzenschwerpunkte. 4.0-fähige oder -charakterisierbare Geräte haben wir überwiegend auf der Materialflussebene. Hier spielen sie ihre Fähigkeiten der Flexibilität und Selbstorganisation aus. Typische Beispiele sind Techniken, die auf die Verteilung von Leistung auf viele kleine Einheiten setzen, anstatt auf große Hochleistungsgeräte.

Wie kommt diese intelligente Logistik zum Einsatz?

Ein Beispiel wären automatische Kleinteilelager. Wo früher große, schwere Regalbediengeräte arbeiteten, kommen zunehmend Shuttlesysteme zum Einsatz. Deren Leistung ist besser skalierbar, sie verteilt sich auf mehrere Geräte. Dadurch wird auch die Wartung einfacher, denn wenn auf Grund von Wartung nur ein Gerät von vielen nicht zur Verfügung steht, reduziert das die verfügbare Leistung in wesentlich geringerem Umfang, als wenn alles steht.

Wenn wir nun z.B. den Transport außerhalb des Lagers betrachten, können dort viele kleine fahrerlose Transportfahrzeuge in einem System (FTS) fahren, haben aber eine gleichartige Wirkung. Wenn diese Fahrzeuge nun auch noch mit eigener Intelligenz ausgerüstet sind, so dass sie anstehende Aufgaben als Funktionseinheit in Gänze beauftragt bekommen können und selbst optimieren, wie diese abgewickelt werden, reduziert das den Steuerungsaufwand von der Leitebene. Insbesondere der Mensch wird zukünftig intensiver durch sogenannte PADs (Personal Assistant Devices) in den Informationsfluss eingebunden werden.

Welche Möglichkeiten bietet uns Industrie & Logistik 4.0?

Auf der Ebene von einzelnen Arbeitsplätzen wird die 4.0-Technik uns neue bessere Möglichkeiten bieten. Auf der Ebene der Supply Chain wird überwiegend die Transparenz, die durch Sensoren und Softwaresysteme erzeugt werden kann, zu einer besseren Steuerbarkeit führen. Decision Support Systeme werden zunächst dem Menschen ermöglichen, schneller und vor allem besser auf bestimmte Zwischenfälle zu reagieren. Auch auf dieser Ebene der Logistik wird durch eine zunehmende 4.0-Durchdringung die Fähigkeit zur Selbststeuerung immer besser – natürlich nur, wenn auch die geeigneten Entscheidungsregeln implementiert werden.

Und in welchen Bereichen kommt Logistik 4.0 zur Anwendung? 

Überall dort, wo Informationen zur Verfügung stehen, die Auskunft über den Systemzustand geben und mit deren Informationen Prozesse über die direkte Umgebung hinaus beeinflusst werden können. Diese Informationen müssen aber auch verknüpft werden, um eine bessere Entscheidungsbasis zu erhalten und Entscheidungsunterstützungssysteme zu „füttern“. Damit ergibt sich eine umfassendere Transparenz und eine Steuerungsmöglichkeit der Logistik insgesamt.

Welche technischen Neuheiten haben sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung ergeben? 

Hier ist zunächst die Energieeffizienz zu nennen. Durch geeignete Sensorik- und Aktoriksysteme sowie digitale Steuerungen können bereits signifikante Energieeinsparungen erreicht werden. Geeignete Sensorik führt zudem zu neuen Möglichkeiten der Umgebungserkennung und -abbildung und der daraus resultierenden Optimierungsmöglichkeiten.

Wie sehen Ihrer Ansicht nach die Herausforderungen der Zukunft aus?

Die durch immer konvektiver werdende Devices bereitstehenden Informationen müssen in Zukunft so intelligent wie möglich verarbeitet werden, um schnelle und nachvollziehbare Optimierungen erreichen können. Auch müssen wir geeignete Lösungen für selbststeuernde Agenten entwickeln, die die Logistik kostengünstig, schnell, fehlerfrei etc. ausführen können.

Auch müssen wir geeignete Modelle aufbauen, die eine betriebswirtschaftliche Bewertung der Vorteile ermöglichen, da sich z.B. die Transparenz häufig an ganz anderen Stellen positiv auswirkt als am Ort oder im Bereich der Entstehung selbst. Dieses Phänomen ist zu vergleichen mit dem altbekannten Stammdatendilemma. Alle wissen, dass korrekte Stammdaten eine Grundlage für effiziente Prozesse sind. Und trotzdem sind Stammdatendefekte einer der am häufigsten zu findenden Fehler in der Datenhaltung, die eine Reihe von Möglichkeiten der Prozessoptimierung verhindern.