Dr. Kurt Hofstädter
Leiter des Sektors Industrie, Siemens CEE - Foto: © Siemens, Albert Klebel

Dr. Kurt Hofstädter - Leiter des Sektors Industrie, Siemens CEE – erklärt, wie die Fabrik der Zukunft produzieren wird und welche Verbesserungen dies auch für die Arbeitswelt bringt.

Worin wird sich die Produktion der Zukunft von der heutigen unterscheiden?

Um dies zu beantworten muss man sich folgende Frage stellen: Was verlangt der Markt? Die Antwort: höhere Produktivität, Geschwindigkeit und Flexibilität. Die Produktivität beschränkt sich dabei nicht nur auf die Arbeitszeiten, sondern vor allem auf ein effizienteres Nutzen der vorhandenen Ressourcen. Höhere Geschwindigkeit heißt, neue Modelle und Erfindungen durchlaufen schneller die einzelnen Entwicklungsschritte bis sie produziert werden. Zudem muss berücksichtigt werden, dass in Zukunft individuelle Kundenbedürfnisse eine stärkere Flexibilität verlangen.

Wie lassen sich diese Ziele umsetzen?

In der Fabrik der Zukunft müssen die Produktentwicklung und die Produktion stärker miteinander verbunden werden. Am Beispiel der Autoindustrie heißt dies konkret: Noch während man an einem neuen Automodell plant, sollte schon die entsprechende Fabrik entworfen werden. Möglich wird dies durch leistungsstarke digitale Simulationsprogramme.

Was bedeutet das für die Produktion in den Fabriken von morgen?

Anders als bisher können Fabriken künftig gleich nach der Fertigstellung mit der Produktion beginnen. Die genauen Simulationen der Arbeitsabläufe von Robotern und Anlagen machen es überflüssig die einzelnen Prozesse lange und mühsam aufeinander abzustimmen. Es kann sofort losgehen.

Auch die Arbeitsplätze werden sich massiv verändern, sie werden sich verbessern: Trotz einer größeren Automatisierung wird es in Zukunft viel mehr hochwertige Arbeitsplätze in der Produktion geben. Benötigt werden vor allem gut ausgebildete Spezialisten mit einer profunden IT- und Mechanikausbildung. Ein Trend, der Länder wie Österreich oder Deutschland wieder als Produktionsstandort attraktiv macht. Daher wird die sogenannte Industrie 4.0 hierzulande auch von öffentlicher Seite stark unterstützt.

Inwiefern wird das Thema Nachhaltigkeit dabei eine Rolle spielen?

Energieeffizienz ist ein wesentliches Thema, wenn es um die Zukunft der Produktion geht. Gerade in der Vorfertigung, wo mechanische Verformung stattfindet, können 30 Prozent der Energiekosten eingespart werden. Voraussetzung ist, dass die eingesetzten Roboter optimal eingestellt und eingesetzt werden. Beispielsweise kann man jene Arbeitsschritte mit hohem Energiebedarf in die Nachtstunden verlegen. Dank der geringeren Strompreise lassen sich auf diese Weise die Produktionskosten senken.

Ein weiterer Faktor ist die gestiegene Verfügbarkeit von Arbeitsdaten der Roboter. Wie wirkt sich dies auf die Produktion aus?

Damit die einzelnen Schritte im Arbeitsprozess optimal laufen, werden von jedem Roboter und jeder Werkzeugmaschine sämtliche Arbeitsdaten abgegriffen. Nimmt man diese im Millisekundenbereich ab, so hat man jeden Tag Millionen von Daten zur Verfügung. Analysiert man die Datenmengen und zieht die richtigen Schlüsse daraus, lässt sich die gesamte Produktion optimieren.

Mit Hilfe sogenannter „Data Driven Services“ lassen sich mögliche Fehlerquellen oder Schwachpunkte in Produktionsanlagen aber auch bei den Produkten selbst beseitigen, bevor diese überhaupt auftreten. Beginnt beispielsweise ein Roboter zu vibrieren, meldet dies das System, bevor es zu einem Materialbruch kommt. Auch können durch diese neuen Produktionsweisen Fehler viel rascher identifiziert werden. Das bringt den Kunden eine enorme Ersparnis. Ein Beispiel: Es macht einen großen Unterschied, ob ein Autohersteller hunderttausend oder nur neunzig Autos wegen Fehlproduktion zurückrufen muss.